Wenn zwei das Gleiche tun, ist das noch lange nicht dasselbe. Kennen wir von Partnern, Politikern – und von unseren Pkw. Wobei Personenkraftwagen den aktuellen Vergleich außerordentlich schlecht trifft. Immerhin beschäftigen wir uns heute mit zwei Mittelklasse-Coupés aus der Premium-Ecke – das sind dann schon eher Lkw, also Lustkraftwagen. Konkret bedeutet das: Das ganz neue Mercedes C 300 Coupé fordert das gut eingefahrene BMW 428i Coupé, das schon in Detroit 2013 debütierte.

Rein optisch bietet der Benz die bessere Show

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Video: Mercedes C-Klasse Coupé (2016)

Viel Komfort im C-Coupé

Beide eint, dass ein aufgeladener Zweiliter-Vierzylinder jeweils 245 PS an die Hinterräder abliefert. Die Portionierung der Power erfolgt über eine Automatik. Im Mercedes mit sieben Stufen und serienmäßig, bei BMW über die achtstufige Sportautomatik für 2350 Euro Zuzahlung. So kommen beide auf einen Grundpreis von rund 45.000 Euro. Ziemlich viele Ähnlichkeiten – doch unser Test deckt die Unterschiede auf. Wo BMW klassischen Coupé-Stil pflegt, setzt Mercedes auf optische Aha-Effekte. Das wirkt frisch, bringt aber praktische Nachteile mit sich. Der Einstieg in den engeren Fond gelingt nur schwer, die Übersicht hinten leidet unter den kleineren Fensterflächen (Parkpiepser kosten extra!), die hohe Ladekante erschwert das Weihnachts-Shopping. Der Fahrer darf sich dafür über passgenaue Sitze und ein feines Ambiente inklusive Zwei-Zonen-Klimaautomatik (BMW 650 Euro) freuen – der 4er wirkt bei der Qualität etwas einfacher, sein iDrive lässt sich aber intuitiver bedienen.
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Das Duo aus Automatik und Motor ist bei BMW überzaugender

BMW 428i Coupé
Fahrmaschine: Dem BMW 428i hilft seine hellwache Automatik, deren Arbeit der Fahrer kaum spürt.
Vorteil Stuttgart dann bei der Sicherheitsausstattung. Das C-Coupé strahlt zwar nicht aus Xenonleuchten (BMW Serie), hat dem 4er aber Knieairbag und aktive Motorhaube voraus. Gegen Aufpreis fahren außerdem aktiver Spurhalter und Stauassistent mit – bietet BMW beides nicht. Beim Fahren übertreibt Mercedes die Show ein wenig. Im Benz klingt der Zweiliter-Turbo dröhnig und angestrengt, im BMW geht der (ebenfalls künstliche) Sound eher als sportlich durch. Wesentlicher allerdings, dass der 428i seine Kraft auch spontaner und williger abgibt. Das verdankt er unter anderem seiner nahezu perfekten Automatik, die einfach immer das Richtige tut – gefühlt, noch bevor der Fahrer davon weiß. Im Benz sieht das anders aus, die Siebenstufenautomatik agiert träger und weniger geschmeidig, der Turbo dreht nicht ganz so lässig gen Begrenzer. Wo der C 300 schon bei 6200 Touren die Segel streicht, dreht der 4er noch bis fast 7000 Umdrehungen weiter. Macht in den Fahrleistungen zwar kaum einen Unterschied, fühlt sich aber souveräner und wacher an.
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Man muss sich die beiden Edel-Coupés schon gönnen wollen

BMW 428i Coupé   Mercedes C 300 Coupé
Traute Zweisamkeit: An der Kasse fordern die beiden Coupés im Testtrimm über 50.000 Euro Einsatz.
Auf der Straße überrascht der Mercedes mit hoher Kompetenz und dank Luftfederung (1416 Euro) mit gutem Komfort – zumindest bei gemütlicher Fahrt. Im Expressmodus stoßen Querfugen deutlicher auf – das kann der BMW mit Adaptivdämpfern (1100 Euro) besser, in der Stadt rollt der 428i aber nicht ganz so fluffig ab, poltert es schon mal unfein aus den Radhäusern. Zweite Überraschung: Der Mercedes lenkt sich feiner als der BMW, der in der Mittellage kipplig wirkt und bei Geradeausfahrt immer wieder Korrekturen erfordert. Die straffe, angenehm sportlich ausgelegte Lenkung des C-Coupés passt dagegen hervorragend. Gleichstand dann an der Kasse: Im Testwagen-Trimm werden sowohl bei Mercedes als auch bei BMW gut 50.000 Euro fällig, dazu ärgert das C-Coupe mit teuren Extras sowie jährlicher Wartung. Und beide geizen mit zwei Jahren Garantie. Da ist das Gleiche dann doch dasselbe – nämlich absolut unverständlich.

Fazit

Letztlich bieten sowohl Mercedes als auch BMW alles, was wir von einem sportlichen Coupé in der Mittelklasse erwarten. Sie sehen gut aus und machen ordentlich Alarm. Am Ende siegt der BMW vor allem, weil er etwas alltagstauglicher ist.