Gleiche Leistung, halber Preis – wir haben auf der Rennstrecke getestet, ob der BMW M2 trotzdem mit dem Porsche 911 Carrera mithalten kann.
Stefan Voswinkel
Der Sechszylinder brüllt dem Fahrer in die Gehörgänge, dass ihm das Blut noch in den hintersten Adern kocht. Der M2 soll kein Sportwagen sein? Dann bleibt weiter auf dem Stuhl am Stammtisch sitzen, statt wirklich zu spüren, was das bedeutet: 370 PS, Turbolader und sechs Gänge mit heißer Hand auf der Rennstrecke so zu sortieren, dass der BMW dranbleibt am Elfer, der vorne seinen Tanz an der Haftgrenze aufführt.
Im Vergleich zum Elfer ist der M2 ein echtes Schnäppchen
Video: BMW M2 Coupé (2016)
Kompakt, breit, stark
Willkommen zur jüngsten Runde der immer jungen Frage: BMW oder Porsche? Die beiden kommen sich mit ihren Neuen näher als jemals zuvor. Zumindest auf dem Papier, wo die 370 PS aus aufgeladenen Sechszylindern echten Gleichstand versprechen. Damit ist es aber auch schon vorbei mit den Gemeinsamkeiten. Der BMW ist die extrem gepimpte Version eines kreuzbraven Kompakten, der Elfer einer der berühmtesten Sportwagen mit laaanger Tradition. Während BMW den M2 zum Kampfpreis von 56.700 Euro anbietet, kostet der Elfer fast das Doppelte. Halb so teuer, halb so gut? Klären wir dort, wo es sich für zwei solche Kaliber gehört: auf der Rennstrecke. Wobei schon die Fahrt zum Contidrom in der Nähe von Hannover viel über den Charakter von BMW und Porsche verrät.
Erst der Sportmodus weckt das schlafende Biest im Porsche
Der Elfer gibt den Grandseigneur mit gut gedämmtem Motor und fast schon komfortablem Fahrwerk.
Bild: Toni Bader
Da ist zum einen der M2 mit seinem gehetzten Charakter. Der Sechszylinder-Reihenmotor animiert den Fahrer ständig, ihn in den roten Bereich zu drehen, spektakelt bei egal welcher Drehzahl ungehobelt in den Innenraum – wer das mag, wird den BMW lieben. Passt auch ganz gut zu dem ruppig federnden Fahrwerk und seinem Tänzeln über Querfugen. Der Elfer hingegen gibt den Grandseigneur mit gut gedämmtem Motor und fast schon komfortablem Fahrwerk. Zumindest solange man sich den Sportmodus verkneift. Dann nämlich brüllt der Sechszylinder im Heck, das Fahrwerk taugt dafür, schon bei der kleinsten Unebenheit Plomben aus den Zähnen zu ziehen. Eine so große Spreizung zwischen Supermarkt und Rennstrecke gibt es wohl zurzeit bei keinem anderen Sportwagen.
Am Ende lässt der 911 dem M2 nicht den Hauch einer Chance
Der 911 umrundet den Handlingkurs des Contidroms in 1:32,40 min – der M2 ist zwei Sekunden langsamer.
Bild: Toni Bader
Denn wer den Elfer verweichlicht nennt, verkennt seine Kompetenz auf abgesperrten Strecken. Er krallt sich förmlich in den Kurven fest, untersteuert nur in ganz engen Kurven ein wenig und brennt auf dem rund vier Kilometer langen Handlingkurs des Contidroms eine Zeit von 1:32,40 Minuten in den Asphalt. Eine zu hohe Messlatte für den M2. Auch wenn BMW gegenüber dem Vorgänger, dem 1er M Coupé, eine Menge gelernt hat. Der war nämlich etwas taumelig unterwegs – von dieser Unpräzision ist der Neue meilenweit entfernt und kommt trotzdem gut zwei Sekunden später als der Porsche ins Ziel. Bleibt die Antwort auf die Frage: Halb so teuer, halb so gut? Zum Glück nicht, der M2 fährt dem Elfer erstaunlich dicht ans Blech. Für die BMW-Fans so dicht sogar, dass der M2 bis Mitte 2017 ausverkauft ist.
Fazit
von
Stefan Voswinkel
Toll, dass sich BMW und Porsche vor lauter X5 und Cayenne noch zwei solche Sportwagen leisten. Jeder dieser beiden fasziniert auf seine Art: der krawallige M2 und der gereifte, in sich ruhende Elfer, der trotzdem die Rennstrecke nicht verlernt hat. Welchen kaufen? Das hängt ausschließlich vom Budget ab!