Früh am Morgen liegt Ruhe über der Heide. Dort, fast im Nirgendwo, versteckt sich das Contidrom, das Testgelände von Continental. Der Fotograf freut sich noch über das schöne Licht – und dann ist es vorbei mit der Stille. Zwei Motoren röhren, Reifen jammern, und der Lichtbildner springt schnell ins Grün, wie immer stand er an der falschen Stelle. Auf der Piste treffen sich BMW M235i und Porsche Cayman S zum Duell. Aus dem aktuellen Programm der Schwaben steht der Cayman – unserer Meinung nach – wie kein anderer für klassische Porsche-Tugenden. Kompakt, noch gerade leichtgewichtig und mit dem gedrosselten Boxer aus dem 911 mehr als potent motorisiert. Der 3,4-Liter-Sechszylinder tritt mit 325 PS an, liefert seine 370 Nm bei 4500 Touren. Das PDK-Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe gibt es für 2826 Euro, adaptive Dämpfer für 1428 Euro.
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Das Topmodell des 2ers hat BMW ordentlich angeschärft

Video: BMW M235i/Porsche Cayman S

2er fordert Cayman heraus

Hat der BMW da überhaupt eine Chance? Die Bayern haben jedenfalls (fast) alle Register gezogen beim neuen 2er. Das Coupé der 1er-Reihe hat eine sympathische Größe und sieht blendend aus. Wer möchte, kann sich gern an den 02er aus den 70ern erinnert fühlen. Und den M235i, das Topmodell der Reihe, hat BMW richtig angeschärft. Der Dreiliter-Reihensechszylinder leistet hier 326 PS und stemmt seine 450 Nm schon bei 1300 Touren auf die Welle. Für die Kraftübertragung ist die famose Achtstufen-Sportautomatik von ZF zuständig (2250 Euro), dazu kommen 18-Zoll-Räder, Sport-Lenkung und -Bremse. Aufpreis berechnet BMW für das adaptive Fahrwerk (760 Euro) und das Sperrdifferenzial (2890 Euro, Einbau etwa 235 Euro). Alles nicht von schlechten Eltern, der M235i ist zweifellos für größere Aufgaben gerüstet. Und tatsächlich stürmt er los wie vom Katapult geschossen. Mit Launch Control (Rennstartfunktion) reißt er in glatten 5,0 Sekunden die 100-km/h-Marke nieder, bleibt damit etwas über der Werksangabe von 4,8 Sekunden.
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Gaspedalbefehle setzt der Porsche-Boxer unverzüglich um

Porsche Cayman S
Reaktionsschneller Dynamiker: Der Cayman S ist eine hochpräzise und bissige Fahrmaschine.
Bild: Sven Krieger
Der zweiflutig aufgeladene Dreiliter schiebt früh und mächtig an, dreht wild und stürmisch. Dabei summt er erst sonor bis friedlich, faucht dann später heiser bis grimmig. Aber immer gepflegt, Reihensechszylinder eben. Der Achtstufenautomat reagiert, zumal dann, wenn der Fahrerlebnisschalter auf Sport oder Sport+ steht, unglaublich zügig, ohne in Hektik zu verfallen. Dieser Motor und dieses Getriebe, man kann es nicht oft genug schreiben, sind eines der besten Antriebspakete überhaupt.  Doch dann jagt der Cayman S in 4,6 Sekunden auf 100 (ebenfalls mit Launch Control) und zeigt, wo der Bartel den Most holt. Der frei atmende 3,4-Liter-Boxer braucht höhere Drehzahlen, um seine Kraft zu entwickeln, dreht aber noch giftiger als der BMW, reagiert sehr direkt aufs Gas. Bei niedrigen Touren röchelt er verhalten dumpf, sprotzt später dann umso heftiger. Er klingt härter und metallischer als der 2er, macht insgesamt viel mehr Alarm.
Das Siebengang-PDK reagiert äußerst flink, auch hier gibt es Sport- und Sport-Plus-Taste, die die Schaltvorgänge ins Blitzschnelle steigern. Schön auch das heisere Zwischengas beim Runterschalten. Den Trockenhandling-Kurs, eine fordernde, 3800 Meter lange Strecke, nimmt der Porsche in 1:34,23 Minuten, liegt damit unter den besten zehn jemals von uns dort gemessenen Autos, das nur zur Einordnung. Er bewegt sich, besonders im Sport-Plus-Modus, wie mit geschärften Sinnen, reaktionsschnell und bissig. Die Lenkung gehorcht auf die kleinste Andeutung, der Cayman dreht spitz und mit lebhaftem Heck ein.

Die beiden Konkurrenten trennen über 23.000 Euro

BMW M235i, Porsche Cayman S
Gegen den Porsche Cayman S macht der gute BMW M235i am Ende keinen Stich – außer an der Kasse.

Bild: Sven Krieger
Auffällig: die hervorragende Traktion in jeder Lebenslage. Klar, der Mittelmotor drückt mit viel Gewicht auf die angetriebene Hinterachse. Für Fans: die Achslastverteilung liegt bei 44:56. Beim BMW mit seinem Frontmotor liegt das Verhältnis bei 52:48, er bringt die Kraft nicht ganz so vehement auf den Asphalt. In 1:36,53 Minuten stürmt der M235i um den Kurs – braucht also über zwei Sekunden länger, das sind Welten. Damit kein Missverständnis aufkommt, auch der BMW besitzt ein überragendes Handling, eine feinnervige Lenkung und sensibel abgestimmte elektronische Helfer – bei Bedarf mit langer Leine. Nur alles nicht so entschlossen und giftig ausgelegt. Und er wiegt mit 1559 Kilo eben 130 Kilo mehr als der Porsche (1429 Kilo), der Schwerpunkt liegt höher, und deshalb wirkt er im Vergleich hochbeiniger. Der Gerechtigkeit halber erwähnen wir noch den Fond. Eng zwar, aber zwei Leute könnten dort mit auf die Reise gehen, beim Porsche unmöglich.
Der Cayman S steht mit der Testwagen-Ausstattung (unter anderem mit Sport Chrono Paket für 2023 Euro, Hinterachs-Quersperre 1309 Euro, 20-Zoll-Rädern 1428 Euro) für 73.394 Euro in der Liste, der BMW M235i für 49.650 Euro – dazwischen liegen über 23.000 Euro. Und eine kleine Sportwagenwelt.

Fazit

Porschig? Zugegeben, das Wort haben wir uns ausgedacht. Es soll für klassische Tugenden der Marke stehen, also etwa niedriges Gewicht, bissige Motoren und agiles Handling. Und genau da zeigt der Cayman S dem M235i seine Grenzen. Der ist ein messerscharfes Kompakt-Coupé, der Porsche ein lupenreiner Sportler.