Richtig leicht hatte es die fünfte Auflage des BMW M3 nicht. Schon zum Debüt werfen Fans und Fachzeitschriften dem intern F80 genannten Sportableger vom 3er (F30) Charakterlosigkeit vor. Einige wittern angesichts des heißgemachten N55-Motors unter der Haube sogar eine Mogelpackung in Form eines aufgemotzten 335i. Klar, die Profilabdrücke, in denen er fährt, sind groß. Über die Generationen setzte jeder M3 seine eigenen Akzente. Als E30 war er ein knallhartes Sportgerät mit brutaler Optik, als E36 in Sachen Leistung ein Überflieger. Der E46 setzte noch mal einen drauf, wurde als limitierter CSL sogar zur gesuchten Ikone. Der E90 machte alles neu und kombinierte ungeahnten Komfort mit einem V8 für die Sinne. Und der F80? Wurde schon nach vier Jahren Bauzeit wieder vom Markt genommen, weil er an der neu eingeführten Euro-6b-Norm scheiterte.
* Weitere Informationen zum offiziellen Kraftstoffverbrauch und zu den offiziellen spezifischen CO2-Emissionen und gegebenenfalls zum Stromverbrauch neuer Pkw können dem "Leitfaden über den offiziellen Kraftstoffverbrauch" entnommen werden, der an allen Verkaufsstellen und bei der "Deutschen Automobil Treuhand GmbH" unentgeltlich erhältlich ist www.dat.de.
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Schon in der einfachsten Version sorgen 431 PS für Dampf
Der F80 M3 ist selten. Die meisten Kunden griffen lieber zu den M4-Brüdern mit Cabrio- oder Coupéform.
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
Dass er trotzdem kein Verlierertyp ist, merkt man schon auf den ersten Metern. Die Rückbesinnung auf den klassischen Reihensechszylinder machte ihn weniger anfällig, senkte den Verbrauch, verwässerte aber nicht das Temperament. Schon in der einfachsten Version sorgen 431 PS für überlegenen Dampf. Puristen griffen, wie bei unserem Testwagen von der BMW Niederlassung Bremen, zur klassischen Handschaltung. Dass sie eine Seltenheit ist, dürfte neben den Komfortdefiziten auch den gegenüber dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe schlechteren Fahrleistungen geschuldet sein. Wobei das Wort "schlecht" angesichts einer Beschleunigung von 4,3 Sekunden auf 100 und 280 Spitze (mit M Driver's Package, sonst 250) übertrieben ist. Dass sich die Bremer mit dem Verkauf ihres Zweieinhalbjährigen momentan etwas schwer tun, liegt auch an der Farbe. Das schrille Austingelb ist nicht jedermanns Geschmack, das Gros der Kunden bevorzugt die klassische Kombination Schwarz/Schwarz. Da hilft es auch nichts, dass der Testwagen bereits aus der Produktion nach der Modellpflege 2017 stammt, die zwar äußerlich, wie auch die kleine Überarbeitung 2015, kaum Veränderungen mit sich brachte – die unterm Blech aber mit induktivem Laden und neuer Bedienoberfläche den Alltag noch angenehmer gestaltet. (Überblick: Alles zum BMW M3)
Auch auf der Langstrecke ist der Komfort brauchbar
Das Standardfahrwerk gilt als unterdimensioniert, muss häufig überholt werden. Immerhin sind die Buchsen endlich standfest.
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
Der häufige Alltagseinsatz ist allgemein ein Beleg dafür, wie weit sich der F80 gegenüber seinen Vorgängern, wenn schon nicht beim Charakter, dann doch zumindest bei der Zuverlässigkeit, weiterentwickelt hat. Bei den Motoren sind kaum Probleme bekannt, auch die Getriebe halten durch. Ölverlust, bei früheren M3-Generationen ein Klassiker, kennt der F80 (noch) nicht. Dafür lässt er sich mit vorsichtigem Gasfuß leicht unter die Zehn-Liter-Marke drücken, erfreut auch auf Langstrecke mit brauchbarem Komfort. Etwas zu viel Komfort, kritisieren die Pistenpiloten. Der Vorderwagen der auffällig hoch stehenden Limousine wird bei hohem Tempo leicht, die Lenkung ungewohnt schwammig. Das Heck dagegen wird immer wieder als etwas unterdämpft kritisiert. Härter rangenommene Fahrzeuge brauchen nicht selten bereits bei 50.000 Kilometern eine neue Garnitur Federn und Dämpfer. Etwas besser schneidet das obligatorische EDC-Fahrwerk ab, viele Fahrer setzen aber von vornherein lieber auf eine Gewinde-Alternative von Bilstein und Konsorten. Eher unsportlich wirkt auch die Serienbremse, die Scheiben und Klötze im Zeitraffer frisst. Rennstreckentauglich ist nur die vergrößerte Hochleistungsbremse.
Gute Qualität gibt's erst ab 45.000 Euro
Geht es um die Einordnung in der Modellhistorie, bleibt dem F80 zumindest der Ruf des solidesten und unkompliziertesten M3, der auch beim TÜV für bis dahin ungeahnte Bestnoten gut ist. Das scheint sich auch unter den Gebrauchtkäufern herumgesprochen zu haben. Selbst sechsjährige Exemplare mit mehr als 100.000 Kilometern gibt es kaum für unter 40.000 Euro, Qualität startet erst bei 45.000 Euro. Damit wirkt unser Handschalter aus dem letzten Baujahr mit lupenreiner Historie, erstklassigem Pflegezustand und vollem Garantiepaket für verhandelbare 48.411 Euro fast wie ein Schnäppchen. Wer dagegen Legendenstatus sucht und noch ein paar Tausender auf der Kante hat, greift zum 460 PS starken und auf 1200 Einheiten limitierten CS. Bei den Emotionen mag der ausgewogene und perfektionistische F80 vielleicht nicht an seine Vorgänger heranreichen, als Kauftipp für Gebrauchtkäufer jedenfalls war der M3 nie besser.
Bildergalerie
Gebrauchtwagen-Test BMW M3 (F80)
Fazit von Malte Büttner: Dass der M3 jemals den Stellenwert eines E30 oder eines E46 CSL erreicht, ist unwahrscheinlich. Dafür ist er alltagstauglich, sauschnell und solide. Und das ist doch auch schon viel wert. Urteil: vier von fünf Punkten.
Gebrauchtwagen-Test BMW M3 (F80)
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Schon nach vier Jahren Bauzeit wurde der BMW M3 der Generation F80 wieder vom Markt genommen, weil er an der neu eingeführten Euro-6b-Norm scheiterte. Doch die Gebrauchtwagen-Suche lohnt sich: Probleme gibt es kaum.
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
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Dass dieser M3 kein Verlierertyp ist, merkt man schon auf den ersten Metern. Die Rückbesinnung auf den klassischen Reihensechszylinder machte ihn weniger anfällig, senkte den Verbrauch, verwässerte aber nicht das Temperament. Schon in der einfachsten Version sorgen 431 PS für überlegenen Dampf.
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
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Puristen griffen, wie bei unserem Testwagen von der BMW Niederlassung Bremen, zur klassischen Handschaltung. Dass sie eine Seltenheit ist, dürfte neben den Komfortdefiziten auch den gegenüber dem Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe ...
... schlechteren Fahrleistungen geschuldet sein. Wobei das Wort "schlecht" angesichts einer Beschleunigung von 4,3 Sekunden auf 100 und 280 Spitze (mit M Driver's Package, sonst 250) übertrieben ist.
Dass der Verkauf des Zweieinhalbjährigen momentan etwas schwierig ist, liegt auch an der Farbe. Das schrille Austingelb ist nicht jedermanns Geschmack, das Gros der Kunden bevorzugt die klassische Farbkombination Schwarz/Schwarz. Da hilft es auch nichts, ...
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
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... dass der Testwagen bereits aus der Produktion nach der Modellpflege 2017 stammt, die zwar äußerlich, wie auch die kleine Überarbeitung 2015, kaum Veränderungen mit sich brachte – die unterm Blech aber mit induktivem Laden und neuer Bedienoberfläche den Alltag noch angenehmer gestaltet.
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
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Der häufige Alltagseinsatz ist allgemein ein Beleg dafür, wie weit sich der F80 gegenüber seinen Vorgängern, wenn schon nicht beim Charakter, dann doch zumindest bei der Zuverlässigkeit, weiterentwickelt hat. Bei den Motoren sind kaum Probleme bekannt, ...
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
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... auch die Getriebe halten durch. Ölverlust, bei früheren M3-Generationen ein Klassiker, kennt der F80 (noch) nicht. Dafür lässt er sich mit vorsichtigem Gasfuß leicht unter die Zehn-Liter-Marke drücken, erfreut auch auf Langstrecke mit brauchbarem Komfort.
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
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Etwas zu viel Komfort, kritisieren die Pistenpiloten. Der Vorderwagen der auffällig hoch stehenden Limousine wird bei hohem Tempo leicht, die Lenkung ungewohnt schwammig.
Das Heck dagegen wird immer wieder als etwas unterdämpft kritisiert. Härter rangenommene Fahrzeuge brauchen nicht selten bereits bei 50.000 Kilometern eine neue Garnitur Federn und Dämpfer. Etwas besser schneidet das obligatorische EDC-Fahrwerk ab, viele Fahrer setzen aber von vornherein lieber auf eine Gewinde-Alternative von Bilstein und Konsorten.
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
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Eher unsportlich wirkt auch die Serienbremse, die Scheiben und Klötze im Zeitraffer frisst. Rennstreckentauglich ist nur die vergrößerte Hochleistungsbremse.
Ein dunkles Kapitel: F30/F80 sind Spezialisten für mies eingestelltes Licht. Beim TÜV eine Dauerbaustelle. Geht es um die Einordnung in der Modellhistorie, bleibt dem F80 dennoch ...
... zumindest der Ruf des solidesten und unkompliziertesten M3, der auch beim TÜV für Bestnoten gut ist. Das scheint sich auch unter den Gebrauchtkäufern herumgesprochen zu haben. Selbst sechsjährige Exemplare mit mehr als 100.000 Kilometern gibt es kaum für unter 40.000 Euro, Qualität startet erst bei 45.000 Euro.
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
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Damit wirkt unser Handschalter aus dem letzten Baujahr mit lupenreiner Historie, erstklassigem Pflegezustand und vollem Garantiepaket für verhandelbare 48.411 Euro fast wie ein Schnäppchen. Wer dagegen Legendenstatus sucht und noch ein paar Tausender auf der Kante hat, greift zum 460 PS starken und auf 1200 Einheiten limitierten CS.
Bild: Sandra Beckefeldt / AUTO BILD
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Bei den Emotionen mag der ausgewogene und perfektionistische F80 vielleicht nicht an seine Vorgänger heranreichen, als Kauftipp für Gebrauchtkäufer jedenfalls war der M3 nie besser.
Fazit: Dass der M3 jemals den Stellenwert eines E30 oder eines E46 CSL erreicht, ist unwahrscheinlich. Dafür ist er alltagstauglich, sauschnell und solide. Und das ist doch auch schon viel wert. Urteil: vier von fünf Punkten.