BMW M440i xDrive Cabrio, Mercedes CLE 450 4Matic Cabrio: Test
Mit sechs an der Sonne: zwei Cabrios vom BMW und Mercedes im Test

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Es geht natürlich auch ohne sechs Zylinder unter der Haube. BMW 4er Cabrio und Mercedes CLE Cabrio bieten durchaus genug Auswahl an Motorvarianten. Doch wenn einen 90.000 Euro nicht jucken, dann kommt man an den Sonnenanbetern mit drei Liter Hubraum und sechs Zylindern nicht vorbei.
Warum? Weil diese Motoren einfach seidenweich sind, aus jedem Drehzahlbereich kraftvoll ausdrehen und einen wunderbaren Klang haben.
Reihensechser in beiden Cabrios
Also alles toll, Test fertig? Nicht doch, denn es gibt bei unseren beiden Protagonisten BMW M440i Cabrio und Mercedes CLE 450 Cabrio natürlich einige Unterschiede. Unterschiede, die es vor dem Kauf und bei den ganz speziellen Vorlieben zu beachten gilt.

Unter beiden Hauben arbeiten drei Liter große Reihensechszylinder – im BMW mit 374, im Mercedes mit 381 PS. Beide setzen auf 48-Volt-Mildhybridunterstützung.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Da wären zuerst die mit 2998 und 2999 cm³ nahezu hubraumgleichen Sechsender. Während der "kleine" aus dem BMW 374 PS zur Verfügung stellt, leistet der aus dem offenen Benz 381 PS. In beiden Fällen unterstützt dank einer 48-Volt-Architektur ein E-Motor beim Anfahren, Beschleunigen und beim Starten.
Der BMW sprintet etwas besser
So verwundert es nicht, dass es bei der Beschleunigung aus dem Stand auf Landstraßentempo kaum Abweichungen gibt. Der BMW ist in 4,7 Sekunden auf 100 km/h, 0,2 Sekunden schneller als der Mercedes. Am Ende treffen sich beide bei abgeregelten 250 km/h auf den freien Stücken der Autobahn wieder. Doch der schnöde Gleichklang täuscht, denn der Charakter der Triebwerke ist so unterschiedlich wie die gesamte Philosophie der beiden Sonnenanbeter.
Fahrzeugdaten
Modell | BMW M440i xDrive Cabrio | Mercedes CLE 450 4Matic Cabrio |
|---|---|---|
Motor Bauart/Zylinder | R6, Turbo, Mildhybrid | R6, Turbo/eZV, Mildhybrid |
Einbaulage | vorn längs | vorn längs |
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 | 4 pro Zylinder/2 |
Nockenwellenantrieb | Kette | Kette |
Hubraum | 2998 cm³ | 2999 cm³ |
kW (PS) bei 1/min | 275 + 8 (374 + 11)/5500 | 280 + 17 (381 + 23)/5800 |
Nm bei 1/min | 500/1900 | 500/1800 |
Vmax | 250 km/h | 250 km/h |
Getriebe | Achtstufenautomatik | Neunstufenautomatik |
Antrieb | Allradantrieb | Allradantrieb |
Bremsen vorn/hinten | Scheiben/Scheiben | Scheiben/Scheiben |
Testwagenbereifung | 225/40-255/35 R 19 Y | 245/40-275/35 R 19 Y |
Reifentyp | Michelin Pilot Sport 4S | Pirelli P Zero |
Radgröße | 8-9 x 19" | 8-9 x 19" |
Abgas CO2* | 196 g/km | 182 g/km |
Verbrauch* | 8,7 l/100 km | 8,0 l/100 km |
Tankinhalt | 59 l | 66 l |
Kraftstoffsorte | Super | Super Plus |
Ottopartikelfilter | Serie | Serie |
Vorbeifahrgeräusch | 71 dB(A) | 70 dB(A) |
Anhängelast gebr./ungebr. | 1800/750 kg | 1800/750 kg |
Stützlast | 75 kg | 75 kg |
Kofferraumvolumen | 385 l | 385 l |
Länge/Breite/Höhe | 4770/1852–2081**/1394 mm | 4850/1861–2042**/1424 mm |
Radstand | 2851 mm | 2865 mm |
Grundpreis | 83.500 Euro | 88.417 Euro |
Testwagenpreis (wird gewertet) | 91.450 Euro | 95.471 Euro |
Der 4er gibt sich sportlicher
Der Klang des BMW ist kerniger. Er trägt seine Sportlichkeit auch akustisch nach außen, spricht gefühlt im Zwischenspurt etwas besser an und zeigt sich so von einer sehr dynamischen Seite. Über die Achtstufenautomatik wird die Kraft von maximal 500 Newtonmetern zackig und bedarfsgerecht an alle vier Räder verteilt, die Lenkung ist gewohnt spitz, wirkt bei kurzen Wechseln sogar etwas nervös. Das angenehme Handmoment und eine ebensolche Rückmeldung geben dem Fahrer aber ein sehr sportliches Fahr- und Kurvengefühl.

Immer etwas vorne: Der BMW sprintet besser und ist auch beim Zwischenspurt schneller. Dabei klingt er kerniger als der Mercdes.
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Auch beim adaptiven Fahrwerk hat BMW dafür gesorgt, dass das M440i Cabrio straff, aber nicht hart auf der Straße liegt, egal ob man im Sport- oder im Comfort-Modus, der jetzt Personal heißt, unterwegs ist. Auch in schnellen Kurven zeigt der Bayer kaum Seitenneigung, die Verwindungssteifigkeit ist hervorragend.
CLE gefällt als eleganter Cruiser
Das CLE 450 Cabrio ist vom Charakter etwas anders. Der Sechszylinder läuft seidenweich. Ungehöriges Grunzen und Blubbern sind ihm fremd, er hält sich vornehm zurück und mimt so den sportlichen Gleiter im Nadelstreifenanzug. Im Benz ist alles eine Nuance feiner. Die Wandlerautomatik hat mit neun Stufen eine mehr als der BMW, um die ebenfalls 500 Newtonmeter je nach Bedarf an alle vier Räder zu verteilen. Die Lenkung ist in jeder Gangart stimmig. Sie führt den Schwaben präzise und mit viel Gefühl durch die Kurven und gibt so absolute Sicherheit.

Großer Cabriogenuss: Der Sechszylinder im Bug des CLE läuft seidenweich und passt damit perfekt zum feinen Charakter des Autos.
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Natürlich kann der Benz auch sportlich. Anders als BMW bietet er als Fahrprogramm neben Sport auch noch Sport Plus an. In München hat man sich entschieden, die Möglichkeiten der Verschärfung, etwa durch die Deaktivierung des ESP, in das Untermenü des Sport-Programms zu packen. Das ist umständlich, da gefällt der Mercedes mit einfachem Umschalten deutlich besser.
Messwerte
Modell | BMW M440i xDrive Cabrio | Mercedes CLE 450 4Matic Cabrio |
|---|---|---|
Beschleunigung | ||
0–50 km/h | 1,8 s | 1,9 s |
0–100 km/h | 4,7 s | 4,9 s |
0–130 km/h | 7,3 s | 7,5 s |
0–160 km/h | 10,8 s | 11,2 s |
0–200 km/h | 17,3 s | 18,0 s |
Zwischenspurt | ||
60–100 km/h | 2,4 s | 2,6 s |
80–120 km/h | 3,0 s | 3,1 s |
Leergewicht/Zuladung | 1914/461 kg | 2031/464 kg |
Gewichtsverteilung v./h. | 50/50 % | 54/46 % |
Wendekreis links/rechts | 12,0/12,1 m | 11,5/11,5 m |
Sitzhöhe | 510 mm | 515 mm |
Bremsweg | ||
aus 100 km/h kalt | 33,9 m | 31,8 m |
aus 100 km/h warm | 33,4 m | 31,8 m |
Innengeräusch | ||
bei 50 km/h | 60 dB(A) | 59 dB(A) |
bei 100 km/h | 67 dB(A) | 65 dB(A) |
bei 130 km/h | 69 dB(A) | 68 dB(A) |
Verbrauch | ||
Sparverbrauch | 6,8 l S/100 km | 7,1 l SP/100 km |
Testverbrauch Durchschnitt der 155-km-Testrunde (Abweichung zur WLTP-Angabe) | 8,6 l S/100 km (-1 %) | 8,6 l SP/100 km (+8 %) |
Sportverbrauch | 11,9 l S/100 km | 11,5 l SP/100 km |
CO2 (Testverbrauch) | 204 g/km | 204 g/km |
Reichweite (Testverbrauch) | 685 km | 767 km |
iDrive-Controller erleichtert die Bedienung
Überhaupt die Sache mit der Bedienung. Im BMW gibt es nach wie vor den iDrive-Controller. Der wirkt unterdessen im Zusammenspiel mit dem großen Zentralmonitor etwas redundant, ist aber immer noch die sicherste Art, sich durch die Menüs zu manövrieren und die Flut an Apps zu nutzen, über die sich neben den Fahrzeugfunktionen auch die Unterhaltung steuern lässt.

Immer noch gut: Das Infotainment lässt sich per iDrive-Controller bedienen. Das ist weitgehend ablenkungsfrei.
Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Mercedes verzichtet seit geraumer Zeit auf ein manuelles Steuerelement und setzt ganz auf den ruhigen Finger des Fahrers. Da der Zentralmonitor hier über der Mittelkonsole schwebt, lässt sich das auch gut bewerkstelligen. Zudem sind die Apps in ihren Funktionen grafisch klarer voneinander getrennt und übersichtlicher angeordnet.
Sehr verständige Sprachteuerung im Mercedes
Wem das ganze Wischen, Drehen und Drücken zu viel ist, der hat sowohl im BMW als auch im Mercedes die Möglichkeit, über ein "Hey, BMW" oder "Hey, Mercedes" Hilfe zu rufen. Das MBUX der Stuttgarter funktioniert hier tadellos, die Stimme ist freundlich, und die Bedürfniserfüllung reicht bis tief in die Fahrzeugfunktionen.

Mercedes vertraut bei der Bedienung auf den großen Touchmonitor des MBUX-Systems – und auf die sehr gute Sprachsteuerung.
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Im Benz lässt sich auf diesem Weg sogar das Verdeck öffnen. 20 Sekunden dauert es und ist bis zu einer Geschwindigkeit von 60 km/h möglich. Im BMW vergehen sogar nur 18 Sekunden, bis die Sonne die Fahrgäste bescheint, das ist aber nur bis Tempo 50 möglich. Zudem überrascht die Stimme des Infotainmentsystems immer aufs Neue durch ihren Roboter-Sprech.
Bei den kleinen Helferlein geht es auf Augenhöhe zu. Wer in den Stau gerät, kann sich hier wie da ohne eigenes Zutun chauffieren lassen. Abstand, Spur und Tempo werden gehalten, sogar die Rettungsgasse wird beachtet.
Viel Platz sollte man nicht erwarten
So oder so beobachten Fahrer und Beifahrer das Geschehen aus schön ausgeformten Sitzen, wobei die im BMW noch etwas sportlicher sind und bis zu den Schultern Seitenhalt bieten. Für die zwei möglichen Fahrgäste im Fond wird es in beiden Cabrios eng. Dennoch sitzt man im Mercedes etwas entspannter. Die zwei Einzelsitze sind besser konturiert und bieten mehr Seitenhalt. Im BMW drückt die Seitenwand die Fondpassagiere unangenehm in die Sitzmitte.

Bild: Olaf Itrich / AUTO BILD
Im Bayern lässt sich die Rückbanklehne in Gänze umlegen, im Mercedes ist sie geteilt. Dahinter verbirgt sich in beiden Fällen – in einer Tasche verstaut – das aufsteckbare Windschott. Eine clevere Idee, die verhindert, dass im Kofferraum Platz verschwendet wird. Die 385 Liter Stauraum im Heck lassen sich im BMW besser be- und vor allem entladen als im CLE Cabrio. Auch hier stehen 385 Liter Stauraum bei geschlossenem Dach zur Verfügung. Ist der Deckel geöffnet, sind es in beiden Fällen noch 265 Liter.
Platzierung
Modell | Mercedes CLE 450 4Matic Cabrio | BMW M440i xDrive Cabrio |
|---|---|---|
Punkte* | 542 | 538 |
Platz | 1 | 2 |
Fazit | Wirkt geschliffen, glänzt mit hoher Sicherheit, guten Bremsen, patzt bei den Materialien im Innenraum. | Charakterstark, gut verarbeitet und mit sportlicherem Sound. Bremst trotz Sportstoppern schlechter. |
Am Ende gewinnt der Mercedes mit ein paar Pünktchen vor dem BMW. Die wirklich entscheidende Frage ist aber, ob man im BMW hörbar sportlich oder im feinen Benz mit offenem Verdeck der Sonne entgegenfahren möchte.
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