Bevor wir uns gleich durch Längs- und Querdynamik wursteln und uns die leidige Frage stellen, warum die schönen Dinge im Leben immer so verdammt teuer sein müssen, lassen Sie uns einmal kurz innehalten und jene Momente durchgehen, für die Wellness-Tempel wie M6 oder SL normalerweise genutzt werden. Die gepflegte Vernissage unter freiem Himmel etwa, Sightseeing entlang der Frankfurter Skyline, sanftes Anknistern im alpinen Vorland, Stoßlüften auf der linken Spur oder stilvolles Vorrollen am Galaabend. Denn so eng der Rahmen im Cabrio-Business auch gesteckt sein mag, diese beiden machen wirklich viel daraus!
Mercedes SL 63 AMG weiß Frontansicht
Active Body Control spannt den SL nahezu wankneutral durch die Kurve.
Mercedes SL 63 AMG Vor allem der SL, der von Haus aus zwar eher die schönen Dinge des Lebens kultiviert, als 63 AMG jedoch zur ultimativen Allzweckwaffe mutiert. Grund: die herausragende Fahrdynamik, die der feine Herr neben all seiner edlen Gesinnung zu Parkett bringt. Schon vor zwei Jahren kurvte er als 564 PS starkes Performance-Modell in eindrucksvoller Weise um den Sachsenring und brannte dem M6 damals ganz gepflegt 1,17 Sekunden über die Mütze. Nun steht er wieder da – auf 585 PS erstarkt und im optionalen Schwarz-Weiß-Outfit der 2LOOK Edition.
BMW M6 Cabrio Competition weiß Frontansicht
Gerade auf gewundenen Straßen wirkt der korpulente M6 weniger handlich als der Benz.
BMW M6 Cabrio Competition Armer BMW? Na ja, so weit würden wir jetzt nicht gehen. Der M6 stammt zwar konzeptionell aus einer anderen Sparte; er mimt nicht den edlen Power-Roadster, sondern das klassische Business-Cabrio, versteht sich also als echter Zwei+Notsitzer und präsentiert seinen Status entsprechend fülliger. Doch dafür hat er in letzter Zeit auch kräftig an seiner Fahrdynamik gefeilt. Competition Paket nennt sich der 8500 Euro teure Dynamik-Kick, der den Wohlstandsspeck mit einer zarten 15-PS-Spritze sowie Modifikationen an Fahrwerk, Stabis und aktiver Differenzialsperre wieder auf Bestzeit polen soll.Zur weiteren Differenzierung spendiert die M-GmbH exklusives Leichtmetall in 20 Zoll sowie eine Sportabgasanlage mit schwarz bechromten Endrohren. Weitere Maßnahmen? Die 8800 Euro teure Bremskeramik, die vor zwei Jahren ebenfalls noch nicht erhältlich war; und die Reifenstrategie, die statt des bewährten Michelin Pilot Super Sport erstmals einen Pirelli P Zero mit Werkskennung ins Rennen schickt.

Bildergalerie

BMW M6 Cabrio Competition Mercedes SL 63 AMG
Mercedes SL 63 AMG weiß Frontansicht
BMW M6 Cabrio weiß Frontansicht
Kamera
BMW M6 Cabrio/Mercedes SL 63 AMG: Test


Fazit

von

Manuel Iglisch
Das Competition-Paket stachelt den M6 zwar ordentlich an, kann die erblich bedingte Leibesfülle am Ende jedoch nur fahrdynamisch kompensieren. Heißt: Geradeaus ist der BMW dem brutal voranhämmernden Benz ebenbürtig, querdynamisch fehlt ihm trotz seiner schwungvollen Hüfte nur wenig auf dessen Kurvenperformance, ehe der SL 63 AMG in allen anderen Bereichen des Lebens schließlich triumphiert. Trotz seiner opulenten Erscheinung bleibt der BMW zu steif fürs ganz große Flair, das sich im Benz bei aller Dynamik ungehemmt entfaltet.

Von

Manuel Iglisch