BMW X5 im Gebrauchtwagentest
Solider Selbstzünder

US-Produktion gleich Pfusch am Bau? Dieses populäre Vorurteil trifft auf einige Typen zu, nicht aber auf den BMW X5. Der Checker findet einen Dreiliter-Diesel, der trotz hoher Laufleistung noch voll im Saft steht.
- Wolfgang Blaube
Kinder, wie die Zeit rennt – ist es wirklich schon fast drei Jahre her, dass ich dem BMW X5 eine Checker-Folge widmete? In der Tat, es ist. Deshalb erfolgt hiermit eine Neuauflage. Wieder geht es um einen 2003er X5. Abermals ist es ein 3.0d, die begehrteste Variante. Nun schaut mich nicht gleich an, als ob mir nichts anderes mehr einfällt. Die Entscheidung ist wohlbedacht. Denn der X5 der ersten Generation ist nach wie vor höchst begehrt, was für ein breites Interesse innerhalb unserer Leserschaft spricht. Außerdem haben sich seine Gebrauchtpreise seit 2007 naturgemäß erheblich reduziert, die typspezifischen Mängel weiter verbreitet.
Gebrauchtwagenbörse: Gebrauchte BMW X5 im Überblick

Bild: Wolfgang Blaube
Spontane Probefahrt: kein Problem
Automatik, Leder schwarz, praktisch Vollausstattung: Auch diese Faktoren sprechen für den Wagen. Wie der überaus nette Händler, der offenbar dem arabischen Raum entstammt und mich sofort mit meinem Namen anspricht (respektive mit dem, den ich zur Tarnung verwende). Er bedauert, dass der X5 noch nicht aufbereitet sei, eine Probefahrt dürfe ich aber selbstverständlich gern unternehmen. In einer Stunde? Abgemacht. Bis gleich. Vor Ort bestätigt sich der kultivierte, seriöse Eindruck, den ich fernmündlich gewonnen hatte, rundum – bezüglich des Händlers und des X5 gleichermaßen.
Keine Dellen oder Kratzer
Mir wird das gewissenhaft geführte Wartungsheft vorgelegt, dann der Fahrzeugbrief. Kleiner Schönheitsfehler in Letzterem: Das Auto diente vor dem vermeintlichen Erstbesitz kurz als Dienstwagen der BMW-Niederlassung, ist also genau genommen zweiter Hand. Das Lackbild lässt sich unter der Schmutzschicht nur erahnen. Immerhin: Ich entdecke weder Dellen noch Kratzer, vor allem nirgends ein Indiz für eine teilweise Nachlackierung. Ebenso positiv fallen die Reifen auf. Weil sie noch recht frisch sind? Ja, das auch. Insbesondere aber, weil die teuren Pirelli Scorpion ein sicherer Hinweis darauf sind, dass dieser X5 mit zunehmendem Alter nicht zum Sparopfer wurde.
Keine Verschleißerscheinungen

Bild: Wolfgang Blaube
Robuster Typ
Die Vorderachse ist straff, die Automatik schaltet, wie sie soll – nicht ruppig oder mit sämigem Gängeeinschleifen, was (gerade bei häufigem Anhängerbetrieb) ja für ein nahes Ende des Getriebes spricht, sondern knackig-direkt. Unterm Strich ist der BMW X5 der Generation eins (ab 5/2000, Diesel ab 4/01, Facelift 10/03) ein erfreulich robuster Typ – und dieses Exemplar ein besonders positives Beispiel. Deshalb ist sein Kurs absolut realistisch. Und unterm Strich interessanter als der vieler anderer X5, die bei ähnlichen Laufleistungen mit vierstelligen Preisen locken. Fazit: Der in Amerika gebaute X5 zeigt klar, dass BMW aus Qualitätsmacken früher gestarteter US-Produkte lernte – siehe Z3, aber auch Mercedes' ML-Klasse. Der X5 ist sogar robuster als einige seiner deutschen Pkw-Markenbrüder. Deshalb kann er bei gutem Pflegezustand besten Gewissens empfohlen werden.
Service-Links