Jetzt nur keine falsche Bescheidenheit. Wer ernsthaft über Autos wie den Infiniti FX oder den BMW X6 nachdenkt, mag offensichtlich großes Theater. Für unseren Geschmack hat der FX den eindrucksvollsten Auftritt aller Infiniti. Die scharfe Schnauze, die lange Haube und der flache Aufbau machen ihn zu einem Hingucker erster Güte, zumal sich die Japaner etwas trauen und serienmäßig gleich 21-Zoll-Reifen aufziehen. Selbst dem nicht viel weniger auffälligen BMW schauen die Leute seltener hinterher. Und wenn, dann mit leisem Schaudern wegen seines monströsen Hecks – da hat den Designer wohl der pure Übermut befallen.

Überblick: Alle News und Tests zum Infiniti FX

X6-Passagieren vergeht der jedoch schnell, angesichts des kümmerlichen Platzangebots im Fond. Die beiden Einzelsitze (3er-Bank 330 Euro extra) liegen flach über dem Boden und zwingen zu einer stark angewinkelten Position. Dafür sitzt es sich vorn nahezu perfekt, angenehm aufrecht auf straffen, passend ausgeformten Sitzen. Der Infiniti nimmt das lässiger. Seine Komfort-Sessel lassen sich sogar 14-fach elektrisch verstellen (Serie beim S Premium), hier findet praktisch jeder eine entspannte Position. Genau wie im überraschend geräumigen Fond auf der bequemen Rückbank mit ihrer neigungsverstellbaren Lehne. Als S Premium hat Infiniti den FX geradezu verschwenderisch ausgestattet. Egal ob Festplatten-Navi, Bose-Hi-Fi-System, Bi-Xenon, edel abgestepptes Leder, heiz- und kühlbare Vordersitze oder kratzfester Lack – alles drin, alles dran. Die Einrichtung erzählt von viel Sorgfalt und Liebe zum Detail – ein Blick auf die Fotos zeigt, was damit gemeint ist. Neben dem prächtig herausgeputzten Infiniti-Cockpit wirkt die – qualitativ natürlich hochklassige – BMW-Kommandozentrale einfach nur nüchtern und sachlich.

Überblick: Alle News und Tests zum BMW X6

BMW X6
Erstaunlich: Mit adaptiven Dämpfern fährt der schwere BMW X6 flink und leichtfüßig.
Die kräftigen Dreiliter-Diesel schieben beide 2,2-Tonnen-SUVs mächtig an. Der Reihen-Sechszylinder im X6 geht dabei noch giftiger und lebhafter zur Sache als der Motor im FX, arbeitet perfekt mit der schnellen ZF-Achtstufenautomatik zusammen. Im Test war der BMW mit variablen Dämpfern (Adaptive Drive, 3290 Euro) und Niveauregulierung an der Hinterachse (790 Euro) ausgerüstet, fährt sich so erstaunlich flink und leichtfüßig. Der Infiniti kommt da mit seinem lebhaften, aber nicht so wild entschlossenen V6 und dem zögerlichen Siebenstufenautomaten nicht ganz hinterher. Auch der FX besitzt elektronische Dämpfer und als S Premium eine zusätzliche Hinterradlenkung, ist flott und handlich unterwegs. Doch die Souveränität des BMW erreicht er nicht. Er liegt unruhiger, die Lenkung spricht nicht so präzise an, anders als beim X6 spürt der Fahrer stets das hohe Gewicht. Und der FX federt steifer und sperriger als der geschmeidig liegende Bayer. Trotzdem, auf welchem Niveau sich der Infiniti hier bewegt, zeigen zum Beispiel die bissigen und standfesten Bremsen. Erstklassig, wie im Übrigen auch beim BMW.

Dicke SUVs, fette Preise, war ja klar. Für den X6 verlangt BMW 62.780 Euro, einschließlich Adaptive Drive und Niveauregulierung. Der Infiniti steht sogar mit 65.650 Euro in der Liste, doch das ist nur die halbe Wahrheit. Die Ausstattungen, die beim FX Serie sind, würden sich beim BMW auf über 15 000 Euro zusätzlich summieren. Das verhilft dem Infiniti zwar nicht zum Sieg, weit weg vom X6 ist er allerdings nicht. Und sein Showeffekt ist sogar noch größer.

Fazit

Die machen richtig Spaß. Mit ihrem tatsächlich spektakulären Auftritt – der Infiniti wird manchmal bestaunt wie ein UFO –, mit feiner Technik und herausragenden Fahreigenschaften. Und übrigens einem akzeptablen Verbrauch. Nach Punkten liegt der BMW vorn, nach Sympathien zieht der Infiniti mindestens gleich. Ein Showtalent.