Die Idee verstehen nur Scheichs, das Resultat beeindruckt jeden: Tuner tunt Tuningauto. Ein neuer Mercedes-Sprintrekord von 0 bis 300 km/h ist für den Brabus Bullit by GAD nur noch Formsache.
Frank Wiesmann
Der Polizist ist baff. Konsterniert checkt er den in Dubai zugelassenen Brabus Bullit und fragt, warum das Auto in Deutschland sei. "Zum Tunen", antwortet GAD-Chef Sebastian Daminger wahrheitsgemäß. 907 PS und 1413 Newtonmeter presst der Veredler aus dem aufgebohrten V12 – Ursprungshersteller Brabus ließ es noch bei 730 PS und 1100 Nm bewenden. Neben fetter dimensionierten Turboladern zeichnet vor allem deren vergrößerte Luftzufuhr dafür verantwortlich. Darüber hinaus verbaut GAD größere Einspritzdüsen und tauscht die Kühler für Ladeluft und Niedertemperaturkreislauf gegen voluminösere Exemplare aus.
Vergrößerte Luftführungen und optimierte Luftfiltergehäuse schaufeln mehr Sauerstoff zu.
Bild: Dieter Rebmann / AUTO BILD
Selbst der serienmäßige Ausgleichsbehälter des Wasserkreislaufs musste einem größeren weichen – um die beim V12-Biturbo leistungszehrende Luftblasenbildung im System besser zu unterbinden. Die massive Mehrleistung erfordert gewisse Abstriche. Im Brabus-Trimm erfüllte das Auto alle damaligen Abgasvorschriften. Jetzt nicht mehr. Was dem Besitzer aber herzlich egal sein dürfte. In Dubai geht es in erster Linie um Power – und die hat der getunte Bullit wahrhaftig. Der übermächtig anreißende V12 flutet die Hinterräder ab Standgas mit linearer Gewalt, dazu schnauben und zischen die Lader überschwänglich.
Die dünn mit Wildleder bezogenen Brabus-Schalensitze sind lediglich längs einstellbar.
Bild: Dieter Rebmann / AUTO BILD
Mit sensiblem Surfen auf der Drehmomentwelle lässt sich die C-Klasse dennoch nahezu schlupffrei in Halbgasstellung auf 100 km/h eskortieren, darüber haften die heißgefahrenen Semislicks selbst unter Volllast zuverlässig. Nur die träge Fünfstufenautomatik hemmt den Benz in seinem Vorwärtsdrang. Sie schaltet äußerst behäbig, beim Wechsel von Stufe drei auf vier zappelt der Drehzahlmesser unentschlossen hin und her, das kostet viel Zeit. Obwohl das Getriebe vor dem Test grundlegend revidiert wurde, entlarvt eine zweite Zerlegung nach dem Test erneut verglühte Kupplungen – und führt dazu, dass GAD diese zusammen mit dem Wandler und diversen Wellen zusätzlich verstärkt. Im getunten Bullit darf der V12-Biturbo ungehemmter denn je über den Antriebsstrang herfallen. Perfekt ist er nicht, sämtliche Eigenschaften ordnen sich schierer Kraft unter. Lohn der Konsequenz: schnellster Mercedes von 0 auf 300 km/h in 23,5 Sekunden – Ziel erreicht.
Fazit
von
Frank Wiesmann
Im getunten Bullit darf der V12-Biturbo ungehemmter denn je über den Antriebsstrang herfallen. Perfekt ist er nicht, sämtliche Eigenschaften ordnen sich schierer Kraft unter. Lohn der Konsequenz: schnellster Mercedes von 0 auf 300 km/h – Ziel erreicht.