Brabus Rocket 1000: Fahrbericht
Der stärkste Brabus aller Zeiten
Bild: AUTO BILD
Ground Control to Major Tom – Runway Clear, ready for take-off! Wer am Steuer des neuesten Brabus sitzt, der verfällt schnell in einen ungewohnten Jargon. Denn dieser schwarze Kraftmeier ist nicht einfach ein gewöhnlicher Mercedes. Sondern die Ballermänner aus Bottrop haben mal wieder einen Rocket auf die Räder gestellt, und einmal mehr kann man das wörtlich nehmen: 1000 PS machen diesen Überflieger auf Basis des viertürigen AMG GT zum stärksten Brabus aller Zeiten – und das will was heißen bei einer Firma, die schon immer dem Motto "viel hilft viel" verpflichtet war.
Nachdem Brabus schon zweimal einen Rocket auf Basis des Viertürers aufgebaut und natürlich alle in Nullkommanix verkauft hat, haben sie sich jetzt den GT 63 S E Performance noch ein weiteres Mal zur Brust genommen und sich dessen Plug-in-Hybrid zu Nutze gemacht. Zwar lassen sie brav die Finger vom gerade mal 6,1 kWh großen Akku und von der E-Maschine an der Hinterachse. Aber weil Leistung genau wie Drehmoment nur durch mehr Leistung und Drehmoment zu ersetzen ist, nehmen sie das Extra von 204 PS und die 320 Nm gerne mit. Und dass der Wagen zumindest ein paar Kilometer elektrisch dahinsäuselt und so zum akustischen Tarnkappenbomber wird, mag den Fahrern zwar vielleicht egal sein, schenkt den Nachbarn aber die Nachtruhe.

Wer am Steuer des neuesten Brabus sitzt, der verfällt schnell in einen ungewohnten Jargon.
Bild: Brabus
Und der übliche Krawall ist ja nur einen Kickdown entfernt - oder einen Dreh am Mode-Schalter im Lenkrad. Denn dann spannt der GT nicht nur die Nerven an und öffnet die Schallklappen im Auspuff, sondern dann zündet die Rakete auch ihren Hauptbrenner: Wo sie sich in Affalterbach mit vier Litern Hubraum sowie 639 PS und 900 Nm für den V8 begnügen und auch das bisherige Brabus-Flaggschiff Rocket 930 nur den Vierliter bekommen hat, quetscht Brabus nun seinen 4,5 Liter in den Bug und steigert den Verbrenner so auf 796 PS und 1250 Nm. Zusammen mit der E-Maschine stehen dann unglaubliche 735 PS im Datenblatt und in der Theorie 1820 Nm, die selbst Actros-Fahrern einen gewissen Respekt abringen. Leider allerdings auch dem Getriebe. Weshalb Brabus die Kraft auf 1620 Nm limitiert, weil die Wellen sich sonst winden würden wie die Handtücher bei Aufguss in der Sauna. Aber keine Sorge: Ins Schwitzen kommt man hier auch so.
Von 0 auf 300 km/h in unter 24 Sekunden
Denn auch elektronisch eingebremst entwickelt der Rocket einen Schub wie eine Rakete. Kaum fällt ein Schatten auf das rechte Pedal, sinkt man tief in den Sitz, eine unsichtbare Faust aus Lack und Leder fährt einem mit aller Macht in den Magen, die Luft entweicht den Lungen und der GT geht im schnellen Vorlauf auf Kollisionskurs mit dem Horizont. 2,6 Sekunden von 0 auf 100, nach 9,7 Sekunden auf 200 und 23,9 Sekunden auf 300 km/h – da verschwinden selbst Verkehrsflieger im Rückspiegel und werden ganz schnell ganz klein! Houston, ich hoffe wir haben kein Problem.

1000 PS machen diesen Überflieger auf Basis des viertürigen AMG GT zum stärksten Brabus aller Zeiten.
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Haben wir nicht. Erstens, weil Brabus sein Geschäft versteht, zum Motor auch das Fahrwerk und vor allem die Bremse tunt. Und zweitens, weil sie selbst im Ruhrpott Respekt vor den Reifen haben und vor allem vor den E-Motoren - und mit Rücksicht auf deren maximale Traglast und Drehzahl mit den 316 km/h des Werks voll zufrieden sind. Nur mit riesigem Aufwand hätten sie vielleicht ein paar Kilometer mehr rauskitzeln können, nur um dann festzustellen, dass es für den 2,8 Tonner ohnehin nirgends schnellere Reifen gibt.
Brabus kleidet den Rocket 1000 komplett neu ein
Zwar ist das neue Triebwerk buchstäblich das Herzstück der Rakete und mit einem Preis von knapp 120.000 Euro inklusive Steuern und Montage auch der größte Einzelposten. Aber Brabus wäre nicht Brabus, wenn sie es beim Technik-Tuning belassen würden.

Auch elektronisch eingebremst entwickelt der Rocket einen Schub wie eine Rakete.
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Sondern natürlich kleiden sie den GT auch komplett neu ein - mit Schürzen und Schwellern als Karbon, mit weit ausgestellten Radhäusern, die sich wie ein Spandex-Shirt über Schwarzeneggers Bizeps über die 275 Millimeter breiten Reifen auf 21 Zoll und die hinten 335 Millimeter breiten 22-Zoll-Räder spannen, und mit einem Flügel, der dem GT auf jedem Airport einen Parkplatz zwischen den Jets sichert. Und auch innen bleibt kein Teil unberührt: netto 6.450 Euro für das "Masterpiece"-Leder auf den Sitzen, 4.500 Euro für den Lederteppich, 1398 Euro für die Schaltwippen aus Karbon, bald 8.000 Euro für Karbonkonsolen und zwei DIN A4-Seiten mit weiteren Einzelpositionen machen den GT zwar zu einer PS-Pretiose in Lack und Leder, treiben den Preis aber schnell über eine halbe Million Euro - mehr als doppelt so viel wie für das Original.

Brabus wäre nicht Brabus, wenn sie es beim Technik-Tuning belassen würden.
Bild: Brabus
Verhinderte Raumfahrer aus aller Welt wird das aber genauso wenig zu stören wie die bisweilen mehr als einjährige Warte- und danach die zwei- bis dreimonatige Bauzeit, glauben sie bei Brabus. Denn schon kurz nach der Weltpremiere im neuen Showroom in Dubai dürften alle Rockets verkauft sein, selbst wenn sie diesmal 25 Exemplare bauen wollen. Und dann warten zwei Dutzend reiche Raser sehnsüchtig auf ihre Startfreigabe: Runway Clear, ready for take-off! Houston, das gibt Arbeit!
Fazit
Vergessen sie Cape Canaveral, die NASA oder Space X. Wahre Raketen kommen von Brabus aus Bottrop. Denn mit dem neuen Rocket 1000 haben sie im Pott einmal mehr bewiesen, dass sie es wie kein anderer Verstehen, bei Mercedes & AMG nochmal ordentlich einmal draufzusetzen. Wenn nur nicht auch die Preise so abgehoben wären. Aber gemessen an einem Ticket ins All ist selbst die halbe Million noch ein Schnäppchen.
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