Mattel hat ein neues, fragwürdiges Spielzeugauto im Programm: Der Bug Racer wird von einer lebenden Heuschrecke gelenkt, die ins Fahrzeug gesperrt wird.
Maike Schade
Sensoren erkennen, wohin die panische Grille im Auto läuft (geschleudert wird); das Auto lenkt dann in diese Richtung.
Das können die doch nicht ernst meinen?! Offenbar leider doch: Spielzeughersteller Mattel bietet in den USA ein neuartiges Spielzeugauto namens Bug Racer an, das per Sensorensteuerung von einer lebenden Heuschrecke "gelenkt" wird. Pervers: Das arme Tier wird in einem "Habitat" genannten kleinen Plastikkäfig gehalten, der in das Auto hineingesteckt wird. Sensoren im Fahrzeuginneren registrieren die Bewegungen der Grille (oder wohin sie geschleudert wird) und übertragen sie auf die Lenkung des batteriegetriebenen Bug Racers. Soll heißen: Versucht die Heuschrecke, nach rechts zu entkommen, fährt auch das Auto in diese Richtung, läuft sie nach links, fährt das Auto eine Linkskurve. Mattel nennt dies: "Powered bei EleCRICKETy" – ein Wortspiel aus Electricity (Elektrizität) und Cricket (Grille). Vier Fahrmodi sind wählbar, darunter auch eine Drag-Race-Variante, bei der zwei Grillen quasi gegeneinander antreten.
An dieser Stelle finden Sie eingebettete Inhalte von YOUTUBE.
Um diese Inhalte darstellen zu können, benötigen wir Ihre Zustimmung.
Um eingebettete Inhalte anzuzeigen, ist Ihre jederzeit widerrufliche Einwilligung (über den Schalter oder über „Widerruf Tracking und Cookies“ am Seitenende) zur Verarbeitung personenbezogener Daten nötig. Dabei können Daten in Drittländer wie die USA übermittelt werden (Art. 49 Abs. 1 lit. a DSGVO). Mit dem Aktivieren des Inhalts stimmen Sie zu. Weitere Infos finden Sie hier.
Der Spielzeughersteller sieht es offenbar nicht als Tierquälerei an, wenn lebende Tiere in ein Plastikauto (mit passendem Insekten-Look) gesteckt werden. Im Gegenteil: Man könne ganz wunderbar so eine Grille samt ihren Fress- und Lebensgewohnheiten besser kennenlernen, heißt es auf der Internetseite. Besorgen muss man sie sich allerdings selber: Das Tier wird nicht mitgeliefert.
"Auf spaßige Art Verantwortung lernen"
Nach Mattels Meinung lernen Kinder mit dem Bug Racer, sich verantwortungsvoll um Tiere zu kümmern.
Die Reaktionen der Käufer oder Interessenten – der Bug Racer wird beispielsweise bei Amazon USA angeboten – sind sehr unterschiedlich. Während manche finden, das Teil sei das genialste Spielzeug aller Zeiten, hält ein anderer es für einen "kranken Witz": "Was für Werte habt ihr, wenn ihr auch nur eine Sekunde lang denkt, es wäre okay, ein lebendes Tier als Spielzeug zu nutzen? Völlig grundlos eine Grille in eine kleine Plastikbox zu schmeißen, wo sie von einer Seite zur anderen geschleudert wird, das zeigt uns, wie weit manche Firmen um des Profits willen gehen. Schämt euch", schreibt Kevin Irlam beispielsweise. Mattel antwortet auf Irlams Facebook-Post folgendermaßen: "Sich um Insekten zu kümmern und sie zu beobachten ist ein wichtiger Aspekt, wenn es ums Lernen über Natur und Wissenschaft geht. Mit dem Bug Racer können Kinder auf eine spaßige Art und Weise lernen, Verantwortung für die Pflege von Insekten zu übernehmen."