Cadillac CTS 2.0 Turbo RWD "Premium": Fahrbericht
Dieser Ami will BMW 5er & Co ans Blech

Mit dem neuen CTS greift Cadillac in Deutschland bei den Premium-Limousinen die Platzhirsche BMW 5er, Mercedes E-Klasse und Audi A6 an. Erste Fahrt im sportlich-schicken US-Amerikaner mit Vierzylinder-Turbo.
Bild: Werk
- Boris Pieritz
Gerade einmal 138 neue Cadillac wurden 2013 in Deutschland verkauft. 2014 fuhren bislang insgesamt zwölf Cadillac der Baureihen ATS, CTS, SRX und Escalade von den Höfen der Caddy-Vertragspartner. Au weia! Das soll nun mit der Einführung des neuen CTS – mal wieder – besser werden. Um diesem Vorhaben auch nur geringe Chancen einzuräumen, müssen die US-Amerikaner dringend das Image der Marke aufpäppeln und die Vertriebsstrukturen ändern. Vielleicht entfacht der Rückzug von Chevrolet aus dem europäischen Markt neuen Aktionismus für Cadillac. Doch bevor wir betriebswirtschaftlich analysieren, wollen wir begutachten, ob das neueste Modell etwas taugt.
Angriff auf den 5er: Der neue Cadillac CTS
16 Zentimeter mehr und 128 kg weniger als der Vorgänger
Video: Cadillac CTS
So klingt der Cadillac CTS
Verbrauch im Segment-Vergleich zu hoch
Bei gleichmäßiger Fahrt ist der Motor angenehm laufruhig. Beim Beschleunigen (6,6 Sekunden von 0 auf 100, 240 km/h Spitze) klingt das Aggregat für einen Vierzylinder schön kernig. Drei Fahrwerksmodi (Tour, Sport, Schnee/Eis) stehen zur Verfügung. Das Fahrwerk und die Bremsen wurden speziell für den europäischen Markt modifiziert. Ein wenig enttäuschend ist die Sechsgangautomatik. Die agiert leicht hektisch und ist in der Oberklasse leider nicht mehr "state of the art". Hier kommt die deutsche Konkurrenz aktuell bereits mit sanft agierenden Achtgang-Automatikgetrieben daher. Wie leider bei vielen nordamerikanischen Modellen lässt auch der Verbrauch des CTS zu wünschen übrig. Laut Hersteller soll der bei 8,5 Litern auf 100 Kilometern liegen, der Bordcomputer spuckt jedoch einen Wert von 12,5 Litern aus. Bei nicht gerade aggressiver Fahrt. Im Vergleich zur europäischen Konkurrenz (ein BMW 528i ist beispielsweise mit 6,3 Litern angegeben, hat im AUTO BILD-Test 8,8 Liter geschluckt) ist das zu viel! Positiv: Die serienmäßige Brembo-Frontbremse beißt kraftvoll zu und sorgt für eine optimale Negativbeschleunigung.
Schnelle Smartphone-Anbindung via Bluetooth

Praktische Multimedia-Hilfen und unwichtige Gimmicks finden sich im Cockpit des ambitionierten Amis.
Bild: Werk
Passende Dämpferwirkung dank "Magnetic Ride Control"
Nettes, wenn auch überflüssiges Gimmick: die elektrische Abdeckung der Getränkehalter in der Mittelkonsole. Gar nicht überflüssig ist die serienmäßige "Magnetic Ride Control". Dieses intelligente Assistenzsystem misst bei beispielsweise 50 km/h jeden Zentimeter die Straße und ordnet die passende Dämpferwirkung zu. Das merkt man auch – der CTS nimmt jede noch so harte Bodenwelle und jedes Schlagloch mit Bravour. Das "Drive Awareness"-Paket (Serie ab "Luxury") warnt den Fahrer bei diversen Gefahrensituationen durch Vibration des Sitzes. Somit gibt's im CTS kein nerviges Gepiepe. Der Cadillac CTS steht in Deutschland ab sofort ab 49.900 Euro (Basisversion "Elegance" mit Heckantrieb) beim Händler. Voll ausgestattet (Ausstattungslinie "Premium") und mit optionalem Allradantrieb werden 59.850 Euro fällig. Zum Vergleich: Die Preisliste eines BMW 535i xDrive – mit Achtgang-Automatik – beginnt bei 57.400 Euro.
Technische Daten Cadillac CTS 2.0 Turbo RWD • vier Zylinder in Reihe • Turbo-Aufladung • 1998 cm³ • 276 PS • 400 Nm bei 3000 bis 4500 U/min • Hinterradantrieb • Sechsgang-Automatikgetriebe • Vmax 240 km/h • 0-100 km/h in 6,6 sek. • 8,5 l/100 km (Werksangabe), 198g CO2/km • 12,5 l/100 km (Testverbrauch laut Bordcomputer) • L/B/H 4.966/1.834/1.438 mm • Preis 57.350 Euro.
Fazit
Der Cadillac CTS ist eine bildschöne, kraftvolle, technisch hochwertige Limousine für Individualisten. Der Turbo-Motor macht Laune, die Verarbeitung im Innenraum wirkt solide und edel. Wenn Cadillac jetzt noch den hohen Verbrauch in den Griff bekommt, stimmt das Gesamtpaket. Aufgrund des fehlenden Images der Marke, einer suboptimalen Vertriebsstruktur und dem relativ stolzen Preis wird es der CTS in Deutschland dennoch sehr schwer haben.
Service-Links