Es gibt kaum ein Wort, das in einer gemütlichen Runde von Menschen über 30 mehr Diskussionen auslöst als "Thermomix". Während die einen nicht mehr ohne leben wollen, tun die anderen das Flaggschiff der Firma Vorwerk als überflüssiges Brimborium für Kochmuffel ab. Ich gebe zu: Ich gehörte immer zur zweiten Gruppe. Nachdem mir aber eine Freundin erzählte, dass sie den Thermomix auch im Urlaub in ihrem Wohnwagen dabeihat, musste ich das Wundergerät einfach testen.
Er vereint Kocher, Dampfgarer, Waage, Mixer, Rezeptbuch und noch mehr in einem Gerät. Star der Kochshow ist der Mixbecher aus Edelstahl mit Griff und integriertem Messer im Boden, der in das Basisgerät gestellt wird.
In diesem befinden sich ein Industriemotor zum Zerkleinern, eine bis auf ein Gramm genaue Waage sowie ein Heizsystem zum Kochen, Dämpfen und Braten. Und natürlich ein Display, über das man die verschiedenen Funktionen steuern kann und auch Zugriff auf die hauseigene App Cookidoo hat, in der rund 10 000 speziell für den Thermomix kreierte Rezepte mit Schritt-für-Schritt-Anleitung gespeichert sind. Über den Drehregler wird die jeweilige Koch- oder Mixstufe eingestellt.
Entscheidet man sich für einen Thermomix, muss die bisherige Küchenausstattung überdacht werden.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD

Der TM6, wie das aktuelle Modell heißt, hat sogar eine Funktion zum Vorreinigen für widerspenstige Kochreste. Besonders praktisch für Camper! Bei so vielen Funktionen ist natürlich auch klar, dass der Thermomix kein leichtes, kompaktes Küchengerät ist. Ein wenig Platz in der Campingküche ist Voraussetzung.

Thermomix ist der Chef

Da kam mir der Carthago liner-for-two mit großer L-Küche, den AUTO BILD REISEMOBIL gerade als Testwagen für einen Fahrbericht vor Ort hatte, gerade recht. Die meiste Zeit habe ich den Thermomix auf die geschlossene Glasabdeckung des Gasherds gestellt und als Schutz vor den Vibrationen noch ein dickes Bambusbrett untergelegt. Der Motor des Mixers hat es nämlich in sich!
Wer gern kocht und eine gewisse Routine entwickelt hat, wird sich erst einmal umgewöhnen müssen. Das Kochen mit dem Thermomix erfordert am Anfang eine gewisse Bereitschaft zur Unterordnung. Während Mengenangaben bei Gewürzen und Zutatenlisten für mich vorher eher Empfehlungen waren, sollte man sich beim Thermomix exakt an das Rezept halten.
Thermomix meets Omnia. Die Zucchini-Lasagne gelingt auch in dem Campingofen-Klassiker.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD

Die dort vorprogrammierten Garzeiten und Schnittstärken sind nämlich genau an die angegebenen Mengen angepasst. Zwar kann zwischendurch immer ein wenig nachjustiert werden, doch für mich war die Einschätzung der richtigen Stufe gar nicht so leicht. Ich kann mir allerdings gut vorstellen, dass der Thermomix mit ein wenig Erfahrung ein wirklich genialer Küchenhelfer sein kann, mit dem auch schwierige Gerichte gelingen, an denen Hobbyköche bisher verzweifelt sind. Ich sage nur: Sauce Hollandaise.

Smartphone-App ersetzt das Kochbuch

Ohne Landstrom bzw. Wechselrichter auf 220 Volt geht natürlich nichts in der Thermomix-Campingküche. Ein Internetzugang für die Rezeptsammlung ist ebenfalls hilfreich, doch nicht unbedingt notwendig. Die Rezepte können auch am Smartphone in der App heruntergeladen werden und erscheinen dann automatisch im Display des Geräts.
Auf dem Display wird das Rezept Schritt für Schritt erklärt. Inklusive der richtigen Mahl- oder Kochstufe.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD

Problematisch wird es bei der Lautstärke. Der Motor des Thermomix hat ordentlich Power. Und das hört man auch. Wer also morgens um sechs gern gemahlene Nüsse zum Porridge hätte, sollte sich auf Beschwerden der Campingnachbarn einstellen. Camper, die nicht sofort nach Ankunft ihre Wasserwaage aus der Tasche holen, um das Reisemobil akkurat auszurichten, haben außerdem mit einer ungenauen Waage zu kämpfen. Die funktioniert nämlich nur dann ganz genau, wenn der Thermomix auf einer ebenen Fläche steht. Hinzu kommt das leichte Schaukeln des Fahrwerks bei Bewegungen im Reisemobil, das die Anzeige zusätzlich hin- und herspringen lässt.
Dafür kann man, während der Thermomix das Risotto und den Lachs gleichzeitig auf den Punkt gart, guten Gewissens draußen sitzen, Wein trinken und den Sonnenuntergang genießen. Es brennt tatsächlich nichts an. Niemals!
Heiße Sache: Im Garaufsatz gelingen sogar leckere Desserts. Funktioniert auch mit Emaillebechern.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD

Die Vorbereitung der Gerichte ist allerdings nicht immer campingfreundlich. Da der Mixtopf für fast jeden Arbeitsschritt gebraucht wird, musste ich die zerkleinerten Zutaten oft zwischenlagern und hatte am Ende viele dreckige Schüsseln in der Küche.
Für meine Freundin und ihren Mann, die während des Kochens drei herumtollende Kinder bespaßen müssen, ist der Thermomix mit seinen Funktionen, Rezeptideen und den vorprogrammierten Garzeiten eine echte Erleichterung. Er sorgt dafür, dass sie die schöne Urlaubsstimmung auch mal genießen können.
Meine Lieblingsrezepte
  • Eisteesirup: Perfekt für den Sommer. Der Sirup hält sich eine Weile im Kühlschrank.
  • Spinat-Käse-Knödel auf Tomatensugo: Wer liebt es nicht? Knödel rollen muss man aber leider noch selbst.
  • Lachs auf Fenchel-Orangen-Risotto: Einfach himmlisch! Während unten das Risotto kocht, garen oben im Garaufsatz Fenchel und Lachs. Alles ist gleichzeitig fertig und perfekt auf den Punkt gegart!
  • Goldene-Milch-Porridge: Das Porridge macht sich morgens (fast) von selbst. Anbrennen ausgeschlossen.
  • Kokos-Cheesecakes im Becher: Super, wenn man Lust auf Kuchen, aber keinen Ofen zur Hand hat.
  • Zucchini-Lasagne: Zucchini, Tomaten, Käse, Hackfleisch – die Kombination ist eine Bank! Must-have dafür im Camper: ein Omnia.

Fazit

von

AUTO BILD
Der Thermomix ist etwas für Camper, die gern mit frischen und regionalen Zutaten kochen, aber nicht die ganze Zeit am Herd verbringen wollen. Kommt der Küchenhelfer mit auf Reisen, sind Strom und Wasserwaage allerdings Pflicht.