Wer im Süden Dänemarks campt, macht immer irgendwie Urlaub am Meer, ganz egal, wohin genau die Reise geht. Denn kein Ort ist weiter als 50 Kilometer von der See entfernt. Klassischer Fall von Sandwich-Lage.
Im Westen nagt die wilde Nordsee an den Dünen, auf der anderen Seite die Ostsee. Dazwischen gibt es vieles zu entdecken: die schwarze Sonne von Tønder, faule Robben, Königsschlösser, jütländische Kalorienbomben, tolle Strände oder kultige Imbissbuden mit Seeblick. Willkommen zwischen den Meeren!

Tønder: Schwarze Sonne

Im Herbst wird das Vogelrastgebiet bei Tønder zur Bühne für ein einzigartiges Himmelsschauspiel: die "schwarze Sonne". Hier, im dänisch-deutschen Grenzgebiet, sammeln sich Millionen Stare, um gemeinsam dem nahen Winter nach Süden und Westen auszuweichen. Bevor sie aber die Flatter machen, legen sie noch einen ganz großen Auftritt hin: ein riesiges Starenballett, bei dem Tausende, manchmal Hunderttausende der schwarzblau schimmernden Singvögel im Formationsflug Flügel an Flügel durch die Herbstluft schießen. Das atemberaubende, die echte Sonne verdunkelnde Schauspiel wiederholt sich tagelang, und zwar immer bei Sonnenauf- und kurz vor Sonnenuntergang. Ziel der Staren-Flugschau ist es, Raubvögel zu verwirren, um morgens möglichst ungeschoren aus dem Schilf aufsteigen oder sich dort abends zur Ruhe setzen zu können. Ein Naturereignis der Kategorie "Muss man gesehen haben".
Infos zu Zeiten und guten Standorten unter www.romo-tonder.dk/de, "schwarze Sonne" eingeben, Saison ist von August bis Oktober bzw. im März und April 

Møgeltønder: Schloss Schackenborg

Die einstige Bastion der dänischen Krone liegt fast etwas versteckt hinter viel Grün am Ortsrand von Møgeltønder. Die heruntergekommene Festung musste in den 1660ern einem dreiflügligen Barockschloss weichen. Prominentester Bewohner war bis 2014 die Nummer 6 der dänischen Thronfolge, Prinz Joachim von Dänemark, ein Sohn von Königin Margrethe II. Heute nutzt "Nummer 6" das Schloss nur noch als Zweitwohnsitz. Gut einstündige Touren führen durch "hygge" Wohn- und Schlafgemächer und prunkvolle Salons und Säle mit knarzenden Bodendielen. Dazu gibt’s Infos zur rund 1000-jährigen Bastions- und Schlosshistorie sowie zu einigen, nun ja, Merkwürdigkeiten.
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Das Schloss Schackenborg in Møgeltønder.
Bild: Picture Alliance/dpa
In den Schlossgeschichten geht es beispielsweise um einen ominösen Silberarm und einen verkommenen Charakter: die böse Gräfin. Unbedingt ansehen: die Slotsgade, eine uralte Backsteinallee, die von reetgedeckten Backsteinhäuschen und in Form geschnittenen Linden flankiert wird. Sie gilt als schönste Dorfstraße Dänemarks und verbindet das Schloss mit der Møgeltønder Kirche, die schon oft Schauplatz royaler Taufen und Trauungen war.
Schackenborg 1, 6270 Tønder, Tel. +45-79-30 69 00, www.schackenborg.dk/de, Infos zu Schlosstouren unter Tel. +45-70-20 20 96

Rømø: Bunkertour

Für Rømø-Fans steht fest: Die Insel ist wie Sylt, nur viel schöner. Denn auf Rømø hält sich der sommerliche Touristenansturm eher in Grenzen. In den Dünenbergen und am endlosen Weststrand findet sich immer ein ruhiges Plätzchen. Weniger ruhig ging es hier im 2. Weltkrieg zu. Die deutschen Besatzer bauten das Nordsee-Eiland zur Festung aus. Gut 50 Bunker zeugen von dieser finsteren Zeit. Längst haben Wind und Sand die meisten Kriegsrelikte verschluckt, einige sind aber noch sicht-, manche sogar begehbar, allerdings nur mit Guide. Es ist zu gefährlich, die maroden Betonkolosse auf eigene Faust zu betreten. Und es ist nicht immer ganz einfach: Manche Kriegsbauten sind beispielsweise nur über Lüftungsrohre zugänglich. Eine interessante und sehr bedrückende Tour zurück in die Zeit, als Rømø eine Wehrmachtsfestung war.
Infos zur Lage der Bunker: www.roemoe.de/sehenswuerdigkeiten/bunker, Touren: Blåbærvej 32, 6792 Rømø, Tel. +45-74-75 52 57, www.tonnisgaard.dk 

Rømø: Friedhof der Kapitäne

Rømøs schneeweißes Gotteshaus aus dem 12. Jahrhundert ist eine klassische Seefahrerkirche. Ihrer Lage nahe dem Meer entsprechend ist sie dem heiligen Clemens gewidmet, dem Schutzpatron der Seeleute. Auf den Kirchenbänken finden sich Hinweise auf die Kirchensponsoren, darunter Vorfahren der Reeder-Dynastien Möller und Maersk. Heute ist "AP Möller Maersk" die größte Containerschiff-Reederei der Welt. Auf dem Gottesacker nebenan ruhen die sterblichen Überreste wohlhabender Walfangkapitäne. Davon zeugt eine Sammlung von 36 uralten, oft stark verwitterten Kommandør-Steinen an der Nordmauer. Viele weitere konnten nicht erhalten werden und dienen heute als "Bodenfliesen" auf dem Friedhof. Die meisten Kapitäne ließen sich ihre kunstvoll gearbeiteten Grabsteine übrigens schon zu Lebzeiten anfertigen. Ging auf Walfangfahrt etwas schief, hatten die Angehörigen nicht mehr viel Arbeit: Sie mussten nur noch das (ungefähre) Todesdatum auf dem ansonsten fertigen Stein ergänzen und ihn auf dem Kirkegård aufstellen. Sehr praktisch.
Havnebyvej 152, 6792 Rømø, Tel. +45-74-75 52 31, www.sctclemensromo.dk 

Mandø: Robben-Safari

Die kleine Nordseeinsel Mandø ist bei Niedrigwasser über einen Damm erreichbar. Sie zählt nur 27 menschliche Einwohner, dafür aber umso mehr Schafe und Robben. Wenn Letztere nicht gerade auf Fischfang sind, liegen sie faul am Strand oder auf Koresand, der aktuell größten Sandbank des Wattenmeeres. Auf diesem wüstenartigen Satelliten Mandøs tummeln sich stets Dutzende der Tiere. Zur Robben-Safari nach Koresand geht es je nach Gezeiten mit dem Traktor-Bus durchs Watt oder per Boot.
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Zur Robben-Safari nach Koresand geht es je nach Gezeiten mit dem Traktor-Bus durchs Watt oder per Boot.
Bild: Malene L Olesen
Auf Koresand können Touristen nicht nur Robben beobachten, sondern auch im Wortsinn baden gehen. Und zwar mit den Robben! Die Tiere sind oft sehr neugierig und umkreisen nicht nur das Boot, sondern auch die Badenden. Schwimmen mit Robben – das erleben nicht viele im Urlaub. Dieses außergewöhnliche Badeerlebnis bedarf allerdings einiger Überwindung – und viel Vertrauen zu den Meeresraubtieren. Risikolose Alternativen: Ein Herbsttrip nach Koresand zum Bernsteinsammeln oder ein Ausflug zu den natürlichen Austernbänken vor Mandø. Natürlich inklusive Verzehr.
Infos und Preise im Internet unter www.vadehavskysten.de 

Gram: Paläontologisches Museum

Glasvitrine an Glasvitrine, graue Knochen in endloser Reihe: So langweilig sahen früher die meisten paläontologischen Museen aus. Gerade Kindern raubten sie oft jegliches Interesse an Fossilien. Das kleine Museum in Gram ist da völlig anders: Zwar gibt es auch hier blasse, übrigens sehr imposante Walknochen zu sehen, manche davon über zehn Millionen Jahre alt. Doch nach dem kurzen Rundgang durch den Ausstellungssaal graben die Museumsgäste selbst nach Fossilien von Lebewesen, die in dunkelgrauer Vorzeit gelebt haben. Und zwar im Meer. Denn die gesamte Region war über Millionen von Jahren schlicht Meeresgrund. Wer hier gräbt, findet versteinerte Schnecken, Muscheln, Krebse und Seeigel, mit Glück auch Reste von Walen, Haien, Robben oder Rochen. Die meisten Funde dürfen Besucher behalten. Ein schweißtreibendes, interessantes Museum – und eher nichts für Vitrinengucker.
Lergravsvej 2, 6510 Gram, Tel. +45-65-37 08 06, Öffnungszeiten: April-Oktober tägl. 10-17 Uhr, Preise: 85 DKK (Erw., ca. 11,40 Euro), 40 DKK (Kinder bis 18 J., ca. 5,40 Euro), bis einschl. 6 J. frei

Ribe: Altstadt und Hafen

Ribe ist alt. Sehr alt. Der Küstenort ist die älteste Stadt Dänemarks, und das ist Ribe auch an jeder Altstadtecke anzusehen. Die Stadtgeschichte reicht ungefähr bis ins Jahr 700 und damit weit in die Wikingerzeit zurück. Bei einem ziellosen Rundgang durch die Altstadtgassen kommen Besucher zwangsläufig an der Domkirke mit Turm (unbedingt hinaufsteigen!), dem uralten Rathaus, dem Dominikanerkloster, etlichen fachwerkschiefen Wohnhäusern und dem Hafen vorbei. Bis ins 17. Jahrhundert war er der wichtigste Dänemarks. Für eine kleine kulinarische Stärkung empfehlen sich Vægterkælderen (Wächterkeller) und Den Gamle Arrest (altes Gefängnis). Wer sich für Königsmord oder Hexenverbrennung interessiert, bucht einen kleinen Stadtrundgang. Der Guide hat reichlich wahre Schauergeschichten auf Lager.
Informationshuset, Mandø Byvej 22, 6760 Ribe 

Ribe: Radeln in den Marschen

Nicht nur Ribe selbst, auch das weite Marschland westlich der Stadt ist einen Abstecher wert – und ideal für Radfahrer. Denn die Gegend hinter dem Deich ist platt, wild und abwechslungsreich. Eine schöne Radtour trägt den verheißungsvollen Namen "Vikinger og Vadehavet" (Wikinger und Wattenmeer). Konsequenterweise führt der 28-Kilometer-Rundweg dann auch vorbei am Wikinger- und dem Wattenmeerzentrum, Start und Ziel ist Ribe. Eine tolle Tour zum Verlieben durch die von Wasser geprägte "Schwammlandschaft" am Meer.
Infos: www.vadehavskysten.de, "Ribe", "Aktivitäten" und "Fahrradurlaub" anklicken 

Fanø: Blokart-Fahren

Anders als beim Radfahren (Ziel 8) ist der manchmal raue Küstenwind beim Blokart-Fahren ein guter Freund. Denn er bringt die Strandsegler auf Geschwindigkeit. Mit bis zu Tempo 40 sausen die dreirädrigen Vehikel über den superflachen Strand von Fanø – wenn die Person im luftigen Cockpit ihr Handwerk beherrscht und geschickt die "Strippen" am Segel zieht. Das erforderliche Know-how liefert das erfahrene Personal der Blokart-Schule. Neben den nötigen Infos stellt es Handschuhe, Helm – und natürlich ein Blokart. Nach der Intensiv-Einweisung geht es direkt an den Start, auch Anfänger haben den Bogen meist sehr schnell raus. Bei zu starkem Wind sollten Greenhorns ihre Blokart-Premiere aber besser auf einen windärmeren Tag verschieben. Ein Riesenspaß, auch für Kinder ab elf. Kleinere Kids können bei den Eltern im Blokart-Beiwagen mitfahren.
Club Fanø Blokart-Schule, 6720 Fanø, Tel. +45-42-41 25 65, Preis: 350 DKK/Std. (ca. 47 Euro), Treffpunkt: Camp am Buggy-Strand, zwei Kilometer südl. von Rindby

Fanø: Bernsteinsuche

Das Gold von Nord- und Ostsee wird vor allem durch die großen Stürme an die Küsten gespült. Wer im Herbst auf Fanø urlaubt, hat beste Chancen, Bernstein am Strand zu finden. Besonders aussichtsreich ist die Suche an Fanøs Nordweststrand, Søren Jessens Sand. Erfahrene Bernsteinjäger richten ihren Blick bei der Suche nicht auf den Boden, sondern gen Horizont. Wo Möwen über dem Strand kreisen, hat das Meer meist Muscheln, Krebse und häufig auch Bernstein an Land gespült. Unbearbeitet sieht er übrigens meist unscheinbar und blass wie gekochtes Eigelb aus. Erst geschliffen und poliert erhält Bernstein seinen typischen goldbraunen Glanz und Schimmer.
Infos zur Bernsteinsuche unter www.visitfanoe.dk/de

Esbjerg: Sand's Restauration

Hot Dog, Smørrebrød, Frikadeller: Die dänische Küche hat nicht den besten Ruf. Das Sand’s Restaurant arbeitet intensiv daran, ihn aufzupolieren. Mit modern interpretierten Klassikern wie Schollenfilet mit Kapern und Zitrone, Bœuf Stroganoff oder spannenden neuen Kreationen, wie sanft gedämpftem Spargel mit Garnelen. Für süße Nachspeisen haben die Dänen ohnehin ein echtes Händchen. Kalorienmäßig taugen Walnuss-Marzipan-Torte mit hausgemachtem Eis oder Sand's sündhafte Pfannkuchen auch locker als Hauptgang. Wirklich günstig sind Restaurantbesuche in Dänemark allerdings nicht. Im Sand's starten Hauptgerichte bei etwa 200 Kronen (ca. 27 Euro), Nachspeisen bei 75 (ca. 10 Euro).
Skolegade 60, 6700 Esbjerg, Tel. +45-75-12 02 07, www.sands.dk

Esbjerg: Hafen

Bei der Energiewende liegt das einstige Fischernest Esbjerg ganz weit vorn. Im Hafen ist das besonders gut sichtbar. Zwar wird von hier aus auch Equipment für Ölbohrinseln verschifft. Vor allem ist der Hafen aber zum Umschlagplatz für riesige Betonröhren, Rotorblätter und Turbinen für Offshore-Windanlagen geworden. Für die Bauteile ist die Hafeninsel letzte Station an Land, bevor sie verladen und in der Nordsee montiert werden. Die Kaianlagen wachsen mit ihren Aufgaben, mittlerweile bringt es Esbjerg auf eine Kaikantenlänge von zwölf Kilometern. Vor der Küste stehen einige der größten Windräder der Welt. Sie ragen bis zu 200 Meter in den Himmel über der Nordsee. Wer sich ansehen will, wie solche Giganten auf Frachter gehievt werden, geht oder radelt einfach von der Innenstadt über den stählernen Landgangen, eine große Brücke, zum Dockhafen. Tipp: die große Fischauktion für Touristen in der alten Fischauktionshalle. Die Halle ist kaum zu verfehlen: nur immer dem Geschrei der Händler und dem intensiven Fischgeruch folgen.
Hulvejen 1, 6700 Esbjerg, Tel. +45-76-12 40 00, www.portesbjerg.dk/en, Fischauktion im Juli und August immer mittwochs um 11 Uhr

Esbjerg: Festtage

Jeden Sommer feiert sich Dänemarks fünftgrößte Stadt selbst. Und zwar mit Musikkonzerten auf dem Marktplatz, Open-Air-Theateraufführungen, Kleinkunst, Aktionen von Vereinen und der Kirche. Während der "Festuge" ist die ganze Stadt auf den Beinen, und zwar Tag und Nacht. Eine Esbjerger Fest-Spezialität ist die Kunstausstellung. Sie findet einer Hafenstadt angemessen direkt an der Kaikante statt. Die rund 60 teilnehmenden Künstlerinnen und Künstler präsentieren ihre Werke in Überseecontainern. Da lässt sich sicher ein Souvenir für zu Hause finden.
Tourist-Info: Nørregade 19, 6700 Esbjerg, Tel. +45-76-16 20 00, www.esbjergfestuge.dk, Termin: 11.-20.8.23 

Hjerting: Esbjergs Badewanne

Esbjergs Seebad liegt nur zehn Kilometer vom Stadtzentrum entfernt an der Ho Bay. Der feine Sandstrand fällt kinderfreundlich sanft ab, und die Nordsee zeigt sich wegen der vorgelagerten Halbinsel Skallingen sowie Fanø im Südwesten meist von ihrer gutmütigen Seite. Dazu die knapp 700 Meter lange, hölzerne Strandpromenade mit reichlich Sitzplätzen – ein idealer Badeort. Das finden auch die betuchteren Westküsten-Dänen, die hier gern sommerfrischen, schon wegen der Möglichkeit, mit Rennbooten durch die Bucht zu düsen. Gemütlicher lässt sich Esbjergs Badewanne mit Miet-Kajaks oder ganz klassisch erkunden: schwimmend. Bis zum Sonnen- und Badedeck, das vor dem Strand verankert ist, schafft es jeder. Tipp für ein außergewöhnliches Urlaubsfoto: die Monumentalskulptur "Der Mensch am Meer" von Svend Wiig Hansen auf halbem Weg zwischen City und Hjerting. Sie besteht aus vier sitzenden Männern aus weißem Beton, jeder neun Meter hoch. Die Jungs sind den Kolossen am Eingang des Tempels von Abu Simbel in Ägypten nachempfunden, erinnern aber auch ein wenig an die Moai-Statuen auf den Osterinseln. 
Tourist-Info: Nørregade 19, 6700 Esbjerg, Tel. +45-76-16 20 00, www.vadehavskysten.dk

Blåvand: Kurbad

An der dänischen Nordseeküste ist nicht immer eitel Sonnenschein. Für die wettermäßig eher durchwachsenen Tage fahren Camper am besten ins Kurbad Blåvand. Im Wellnesscenter haben Gäste die Wahl zwischen diversen Saunen, Dampfbädern, Anwendungen und wohlig-warmen Schwimmbecken. Die klimaneutrale Energie für das Center liefern übrigens Erdwärmeschläuche im Boden sowie Sonnenkollektoren auf dem Dach. Bei besserem Wetter locken der weitläufige Sandstrand und die wilden Dünen. Blåvand zählt nicht umsonst zu den beliebtesten dänischen Kurorten.
Tourist-Info: Fyrvej 106, 6857 Blåvand, Tel. +45-75-27 54 11, www.blaavandkurbad.dk/de und www.blavandstrand.de

Kolding: Harkevaerket Experimentarium

Welche Verbindung besteht zwischen Magnetismus und Elektrizität? Kann Butter Feuer fangen? Wie genau trägt CO2 zur globalen Erwärmung bei? Das Harkevaert Experimentarium gibt Antworten auf naheliegende und abseitige Fragen. In Shows erklären Fachleute anhand von Experimenten, was die Welt im Innersten zusammenhält, kurz: wie sie funktioniert. Zusätzlich haben Besucher die Möglichkeit, den Dingen im Selbstversuch auf den Grund zu gehen. Ein kurzweiliges und nicht nur für Kinder sehr lehrreiches Experimentiermuseum.
Tuborg Havnevej 7, 2900 Hellerup, Tel. +45-39-27 33 33, www.experimentarium.dk, Öffnungszeiten: tägl. 9.30-17 Uhr, Preise: 215 DKK (Erw., ca. 28,80 Euro), 135 DKK (Kinder von 2-12 J., ca. 18 Euro)

Kolding: Schloss Koldinghus

Über Jahrhunderte war Koldinghus einer der wichtigsten dänischen Königspaläste. Das gilt heute unverändert, obwohl das Schloss 1808 bei einem Brand völlig zerstört wurde. Erst um 1890 begann der Wiederaufbau, der sich bis in die 1970er hinzog. Dabei wurde die Burgruine als historisches Zitat in die neue Architektur integriert. Nichts für Schloss-Puristen, aber sehr spannend. Die Dänen sind stolz auf ihr wiedererstandenes Koldinghus und sehen es zu Recht als Schloss von Weltrang. Im Gebäude ist heute ein Museum untergebracht, das die wilde Geschichte des Baus nachzeichnet. Zudem sind hier wechselnde Kunstausstellungen zu sehen.
Koldinghus 1, 6000 Kolding, Tel. +45-33-18 60 99, www.kongernessamling.dk/koldinghus, Preise: 130 DKK (Erw., ca. 17,50 Euro), unter 18 J. frei 

Kolding: Geografischer Garten

In der über 100 Jahre alten grünen Oase Koldings liegen China und die USA, Japan und Kanada, Korea und Südamerika nur einen kurzen Spaziergang voneinander entfernt. Auf 14 Hektar Fläche stehen mehr als 2000 Bäume, Büsche und Sträucher von verschiedenen Kontinenten. Der Spaziergang um die ganze Welt wird durch mehrere Themenzonen wie den Naturgarten, den Biokräutergarten, die Staudenabteilung oder den preisgekrönten Rosengarten ergänzt.
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Das gesamte Areal des Geografischen Gartens ist top gepflegt und wunderbar still.
Bild: Geografisk Have
Das gesamte Areal ist top gepflegt und wunderbar still. Perfekt für ein Picknick auf einer Bank. Vielleicht ja im Siebental (Syvdalen), einem von einem Bächlein durchflossenen Parkbereich mit kleinen Grotten und extra viel Vogelgezwitscher. Skurril: "Kolding Miniby", die in den Park integrierte begehbare Mini-Fachwerkstadt mit Schloss und Kirche. Aktuell stehen rund 500 knie- bis hüfthohe Häuschen, 700 sollen es einmal werden.
Christian 4 Vej 23, 6000 Kolding, Tel. +45-79-79 70 00, geografiskhave.dk, Infos zu Führungen durch Miniby und die Häuserwerkstatt unter Tel. +45-75-54 08 21, koldingminiby.dk

Christiniansfeld: Herrnhuter Brüderngemeinde

Christiansfeld, eine Siedlung der Herrnhuter Brüderngemeinde aus dem 18. Jahrhundert, ist seit 2015 Unesco-Weltkulturerbe und in jeder Hinsicht außergewöhnlich. Anders als andere Siedlungen ihrer Zeit ist sie rasterartig angelegt: Hier verlaufen alle Straßen schnurgerade und im rechten Winkel zueinander. Die Geschichte von Christiansfeld beginnt in den Niederlanden, wo Dänen-König Christian VII. anno 1768 auf die Herrnhuter Brüdergemeinde trifft, bibeltreue Christen und fleißige Handwerker und Händler. Der Monarch lockt einige von ihnen nach Dänemark, indem er das für seine Zeit supermoderne Christiansfeld aus dem Boden stampft. Die Mustersiedlung ist auch heute noch bewohnt. Bei einem Rundgang sollten Besucher den Honigkuchen probieren, eine rund 250 Jahre alte Christiansfelder Spezialität. In der Brødremenighedens Honningkage Bageri (Lindegade 36) gibt es sie auch zum Mitnehmen für den späteren Verzehr vorm Reisemobil. Die Bäckerei beliefert auch den dänischen Hof mit Honigkuchen.
Infos und Führungen: Nørregade 14, 6070 Christiansfeld, Tel. +45-79-79 17 73, museumkolding.dk/christiansfeld/

Haderslev: Oldtimerzug

Die alten Personenwagen aus dem 20. Jahrhundert sind nicht klimatisiert, die Holzbänke buchstäblich bretthart, und die Federung der museumsreifen Waggons lässt stark zu wünschen übrig. Hygge ist anders. Trotz des spürbaren Komfortdefizits ist der Oldtimerzug zwischen Haderslev und Vojens eine der großen Attraktionen der Region. Lang- und mühsam stampft der Veteran über die alte Bahnstrecke von 1866 über Felder und Wiesen nach Westen. Zwischenstopps sind in Hammelev und Styding. Eine Kurzreise in Zeitlupe, die perfekte Entschleunigung.
Simmerstedvej 1A, 6100 Haderslev, Tel. +45-73-54 56 30, veteranbanen-haderslev-vojens.dk; Abfahrten 10.30, 13 und 15 Uhr, Preise: 150 DKK (Erw., ca 20 Euro), 75 DKK (Kinder 4-14 J., ca. 10 Euro) 

Sillerup/Haderslev: Brotbacken für Einsteiger

Auf einem Hügel nahe dem Dorf Sillerup vor den Toren von Haderslev steht seit mehr als 160 Jahren die Windmühle Sillerup Mølle. Sie ist nicht nur top in Schuss, sondern wird auch noch genutzt. Besucher können sich hier als Müller versuchen und Getreide zu Mehl mahlen. Natürlich unter Anleitung, denn die alte Technik ist recht speziell. Nach geglücktem Mahlen geht es weiter ins Mühlen-Backhaus, wo die Besucher als Bäcker gefordert sind. Auch hier helfen Profis, damit aus dem Mehl auch wirklich etwas Essbares wird: köstliches, frisches Brot. Eine tolle Erfahrung.
Sillerup Møllevej 35, 6100 Haderslev, Tel. +45-20-44 53 74, sillerupmoelle.dk

HADERSLEV: Stauseefahrt auf dem E-Schiff Dorothea

Der im Mittelalter angestaute See westlich von Haderslev lässt sich ausgezeichnet zu Fuß oder mit dem Rad umrunden. Gemütlicher ist allerdings eine Schiffstour mit der „Dorothea“. In den Sommermonaten sticht das moderne Dammboot dreimal täglich in See. Und zwar sehr leise: Es fährt rein elektrisch, eine komplette Seerunde entlang der grünen Uferzone dauert rund anderthalb Stunden. Für den Kern der historischen Handelsstadt sollten Besucher dagegen mindestens einen halben Tag einplanen. Der lässt sich auch problemlos auf dem Torvet vertrödeln, dem Marktplatz aus dem 12. Jahrhundert mit Cafés, Restaurants und einer Weinbar.
Infos: Visit Haderslev, Gåskærgade 28, 6100 Haderslev, Tel. +45-73-54 56 30, www.haderslevdambaad.dk/deutsch, Preise: 120 DKK (Erw., ca 16 Euro), 50 DKK (Kinder v. 2-12 J., ca. 6,70 Euro) 

Årø: Weingut Lei

Wein aus Dänemark? Gibt es tatsächlich. Mittlerweile zählt unser nördliches Nachbarland rund zwei Dutzend Winzer. Einer davon ist Jakob Lei von der kleinen Ostseeinsel Årø. Seit 2015 bewirtschaftet er den vor 20 Jahren gegründeten Årø-Vingård. Den größten Teil seiner Rot-, Weiß- und Roséweine vermarktet er direkt ab Hof. Mittlerweile wachsen knapp 6000 Reben auf dem Weingut. Jedes Jahr kommen rund 20 000 Besucherinnen und Besucher, um Lei-Wein zu verkosten oder zu kaufen. Darunter war auch schon Königin Margrethe II. Die Proben dauern (noch) nicht allzu lang: Der Vingård produziert insgesamt vier verschiedene Weinsorten
Årø 210, 6100 Haderslev, Tel. +45-29-71 70 25, www.aaro-vin.dk 

Aabenraa : Fahrt mit dem Railbike

Der alte Bahnhof in Aabenraa ist Startpunkt für Railbike-Fahrten nach Rise. Die Vehikel sind quasi Fahrräder auf Schienen und für jeweils zwei Erwachsene und ein Kind ausgelegt. Für ein Picknick unterwegs eignet sich ein lauschiger Rastplatz mit Tischen und Bänken, aber auch ein Stopp auf freier Strecke ist jederzeit möglich. Abgesehen von den ersten Metern verlaufen die Schienen versteckt durch Wiesen und Wälder – eine der schönsten Bahnstrecken Dänemarks. Sagen die Dänen.
Railbike-Verleih: Jernbanegade 2, 6200 Aabenraa, www.visitsonderjylland.de, Preis: 100 DKK (ca. 13,50 Euro), Aabenraa-Stadtführungen unter www.visitsonderjylland.de

Sønderborg: Slot Sønderborg

Der vierflügelige Backsteinkasten bewacht seit mehr als 800 Jahren die Einfahrt zum Alsensund. Über Jahrhunderte war das Schloss Stammsitz des Adelshauses Schleswig-Holstein-Sonderburg. Heute beherbergt es ein Museum, das sich mit der sehr wechselvollen Geschichte des dänisch-deutschen Grenzlandes beschäftigt. Die aktuelle Ausstellung befasst sich schwerpunktmäßig mit der Zeit ab 1920, als die Grenze zwischen Dänemark und Deutschland per Volksabstimmung neu gezogen wurde. Museumsbesucher können sich auch in den fürstlichen Schlossgemächern aus dem 16. Jahrhundert oder dem Rittersaal umsehen.
Sønderbro 1, 6400 Sønderborg, Tel. +45-65-37 08 07, msj.dk/de/schloss-sonderburg, Öffnungszeiten: April bis Oktober tägl. 10-17 Uhr, im Winter kürzer, Preise: 105 DKK (Erw., ca. 14 Euro), 84 DKK (ermäßigt, ca. 11,30 Euro), Jugendliche bis 18 J. frei

Sønderborg: Jütländische Kaffeetafel

Im Süden Dänemarks geht es nachmittags bevorzugt kalorienreich zu. Dann wird nämlich reichlich aufgetischt. Bei einer südjütländischen Kaffeetafel stehen traditionell sieben verschiedene Torten und sieben unterschiedliche Kekskreationen auf dem Tisch. Dazu gibt’s Kaffee, bis der Puls bei 180 ist. Die Tradition geht zurück auf die Zeit der preußischen Herrschaft (1864-1920). Damals trafen sich die Jütländer, um ihre Angelegenheiten zu besprechen und dänische Lieder zu singen – und jeder brachte eine üppige Kleinigkeit mit. Wirklich gesund ist die Tradition nicht, aber da muss man auch als Urlauber wenigstens einmal durch. Schließlich ist das Ritual ein wichtiger Teil der hyggeligen dänischen Lebensweise. Klassische Kaffeetafeln bieten einige Cafés in Sønderborg. Alternative: die südjütländische Kaffeetafel auf "Den Røde Plads" im benachbarten Nordborg: Bis Anfang August findet hier immer mittwochs von 14 bis 16 Uhr "das große Keks- und Kuchen-Fressen" statt (Preis 2022: 30 DKK, ca. 4 Euro).
Infos: Touristenbüro Perlegade 50, 6400 Sønderborg, Tel. +45-74-42 35 55, www.visitsonderborg.de 

Broager: Gendarmstien

Der Gendarmstien, ein kleiner unbefestigter Küstenweg, führt über 84 Kilometer von Padborg bei Flensburg immer an der Förde entlang bis nach Høruphav auf der Halbinsel Als. Früher patrouillierten hier dänische Gendarmen im Grenzgebiet zu Deutschland, immer auf der Suche nach Schmugglern. Heute ist der Pfad eine beliebte Wanderstrecke mit fast durchgehendem Ostseeblick. Der ganze Gendarmstien lässt sich locker in fünf Tagen schaffen, aber Wanderer können natürlich überall nach Gusto "einchecken" und nur ein Stück des Weges gehen. Zum Beispiel in Broager, wo der Pfad eine weite Schleife um die Halbinsel Broager Land zieht. Die Runde ist gut 25 Kilometer lang und verläuft komplett entlang der Küste. Zwischenstationen sind Brunsnæs und Skelde. Eine herrlich ruhige Küstentour, auch für Radler geeignet.
Infos: Touristenbüro Perlegade 50, 6400 Sønderborg, Tel. +45-74-42 35 55, www.gendarmsti.dk/de

Gråsten: Schloss der dänischen Königsfamilie

Im Juli wird es hektisch auf Schloss Gråsten. Traditionell reist die dänische Königsfamilie zu ihrer zweimonatigen Sommerfrische an. Dann ist es auch im Ort mit der Ruhe vorbei: Jeden Tag, Schlag 12, lösen sich die königlichen Wachen auf dem Schlossplatz ab, freitags inklusive Musik- und Tambourkorps und großer Parade durch die 4000-Seelen-Gemeinde. Sie führt vom Gelben Palais gegenüber dem Ahlmannsparken über den alten Rathausplatz bis zum Schloss. Ein schönes Spektakel, nicht nur für Touristen. Die Gråstener sind stolz auf ihre royalen Sommergäste, obwohl Schlosspark und -kapelle während des Aufenthalts von Margrethe II. und ihrem Gefolge für sie tabu sind. Darum spricht vieles dafür, Gråsten außerhalb der königlichen Saison zu besuchen. Denn Schlosspark und Kapelle sind sensationell. Das Schloss natürlich auch. Doch das ist allein den Royals aus Kopenhagen vorbehalten. 
Gråsten Slot 5A, 6300 Gråsten, Infos zu Kapelle und Schlosspark unter www.visitsonderjylland.de

Kruså: Annies Kiosk

Wer Hot Dogs liebt, darf auf keinen Fall ohne Stopp an Annies Kiosk in Kruså vorbeifahren. Zwar ist die Kioskbetreiberin 2016 verstorben. Doch ihr Kult-Kiosk mit Fördeblick und ihre sechs Hot-Dog-Variationen leben weiter. Der neue Betreiber hält Annies Spezialrezepte in Ehren, schließlich haben sie sich über Jahrzehnte bewährt. Der Hot Dog "Ringrider" wird beispielsweise mit Brat- statt Bockwurst zubereitet und sehr großzügig mit Röstzwiebeln garniert. Wie die selige Annie haut auch der neue Betreiber noch reichlich eingelegte Gurkenscheiben obendrauf. Die Monster sind nicht so leicht zu essen. Auf der Karte stehen auch eine vegetarische Hot-Dog-Variante sowie ein Dutzend Imbiss-Klassiker. Tipp: Wer gerade die südjütländische Kaffeetafel (Ziel 26) hinter sich hat, sollte Annies Kiosk am gleichen Tag besser meiden.
Fjordvejen 67, 6340 Kruså (Sønderhav), Tel. +45-74-67 88 00, annies-kiosk.business.site, Öffnungszeiten: tägl. 10-22 Uhr