Auch wenn es die gusseiserne 911-Fraktion bis heute nicht wahrhaben will: Gelegentliche Flirts zwischen Porsche und Volkswagen gehören schon lange zur Tradition beider Hersteller. Ob 914, 912 oder 924 – der Teiletransfer ist so alt wie der Vorwurf des "nicht echten Porsche". Leider übersehen die Lüfterrad- Romantiker dabei gern, dass es Porsche trotz kreuzbraver Großserientechnik immer wieder gelang, eigenständige Modelle zu kreieren – mit klassischem Design und natürlich dem markentypischen Fahrgefühl. Daran hat sich bis heute kaum etwas geändert, auch wenn aus der einstigen Zweckehe längst eine konzernpolitische Gemeinschaft geworden ist. Denn irgendwie schaffen es die Zuffenhausener noch immer, aus konventioneller Stangenware etwas Besonderes zu machen.
JE Design Panamera Diesel
JE Design hält nicht viel von Zurückhaltung.
Bild: Ronald Sassen
Wie der Panamera Diesel, den zweiten Porsche mit Audi-TDI. Für Puristen markiert er die ultimative Entweihung des sportlichen Markenkerns – und das, obwohl die 250-PS-Limousine sportlicher ist, als es ein Audi A7 jemals sein wird. Selbst beim Motor wurde wesentlich mehr geändert, als es das symbolische Plus von fünf PS vermuten lässt. Ansaugsystem, Abgasanlage, Motorsteuerung, Getriebeabstimmung und die Kardanwelle mit speziellen Tilgern sind lupenreine Porsche-Entwicklungen. Und sollte die Leistung doch nicht ausreichen, so bleibt immer noch der Gang zum Tuner. Wobei man im Falle des Diesel-Panamera tatsächlich die Qual der Wahl hat. Schließlich lockt der flotte Ölbrenner nicht nur reine Porsche-Spezialisten an, sondern auch Tuner, die sonst eher in VW- oder Audi-Kreisen beheimatet sind.
Cargraphic Panamera Diesel
Cargraphic gelingt die etwas agilere Abstimmung.
Bild: Ronald Sassen
Wie zum Beispiel JE Design. Der Trupp rund um Jochen Eckelt hat die Limousine einer umfangreichen Sanierung unterzogen und stellt sich nun mit seinem 300 PS starken Entwurf der 285-PS-Kreation aus dem Hause Cargraphic. Und schindet mit dem offensiv modellierten Bodykit von Anfang ordentlich Eindruck. JE Design hält nicht viel von Zurückhaltung, verschraubt vorn einen mächtigen Stoßfänger mit eigens eingepassten LED-Leuchten (Tagfahrlicht, Positionsleuchten, Blinker), montiert hinten ein entsprechendes Schürzenpendant samt dicker Vierrohr-Abgasanlage, passt kaum weniger prägnante Seitenschweller ein und rundet die optische Kraftkur mit einem feststehenden Heckflügel ab. Preislich rangiert das Bodykit samt Heckflügel und Auspuff zwar auf selbstbewusst hohem Porsche-Niveau (12.258 Euro), ist aber alltagstauglich.Cargraphic gelingt der Spagat zwischen XXL-Radsatz und Restkomfort weniger überzeugend. Der Tuner ergänzt das konventionelle Fahrwerk mit der PASM-Dämpferregulierung (Aufpreis bei Porsche: 1547 Euro) und implantiert einen etwas strafferen Federnsatz von H&R. Im Sportmodus harmoniert auch diese Kombination ausgesprochen gut, im Komfortmodus vereint sie dagegen unterdämpftes Nachwippen mit teils starker Stuckerneigung. Unter fahrdynamischen Gesichtspunkten steht das günstigere Fahrwerks-Upgrade der teuren JE Design-Lösung dagegen kaum nach. Im Gegenteil: Der Cargraphic-Panamera fährt sich sogar etwas leichtfüßiger, reagiert mit leichtem Übersteuern auf Lastwechsel. Den kompletten Artikel finden Sie als Download im Heftarchiv. Wie der Vergleich ausgeht, erfahren Sie oben in der Bildergalerie.

Fazit

von

Manuel Iglisch
Bei aller optischen Diskrepanz unterscheiden sich die beiden Panamera längs- wie querdynamisch nur in Nuancen. JE Design ist etwas stärker und komfortabler, vernäht die Leistungssteigerung aber nicht so sauber wie Cargraphic-Partner McChip. Cargraphic selbst erzielt das feinfühligere Handling zum kleineren Preis – und damit auch den Sieg.