Audi hat einen, VW auch. Und Porsche neuerdings ebenso. Nur Mercedes muss sich in Ver­zicht üben, kann seine großen ML- und GL-SUV nicht mit Achtzylinder-Dieseln bestücken. 258 V6-PS im ML 350 BlueTec sind deshalb das höchs­te der Gefühle – die Konkurrenz ver­mag mit bis zu 382 PS zu punkten. Carlsson kann derlei riesige Differenzen zwar nicht überbrücken, es gelingt ihm jedoch, den Abstand zu verkürzen: Per Zusatzsteuergerät kommt er auf 310 PS. Die gefällige Tuninghülle lässt sogar deutlich mehr vermuten. Karosserie und Qualität Mit seinem Breitbaukit, angerei­chert durch Zusatzscheinwerfer, Kühlergitter und mächtige Embleme, gelingt Carlsson ein Spagat: Die kraftvollen Formen sollten allen schmecken.
Carlsson ML CD35
Zieht ordentlich durch: Der 310 PS starke V6-Turbodiesel glänzt mit hinreichender Bulligkeit.
Bild: Sassen
Fahrfreude und Antrieb Das geht gut ab: Ein Zusatzsteuergerät ermöglicht es uns, das Auto mit und ohne Mehr­leistung zu fahren. Der direkte Ab­gleich fördert Erstaunliches zutage: Mit mehr Saft zieht der ML gefühlt viel, viel satter durch. Die Papierform überträgt sich tatsächlich nahtlos auf die Straße: Neben 52 zusätzlichen PS sattelt Carlsson zudem 80 zusätzli­che Newtonmeter drauf (700 anstelle 620 Newtonmeter). An einer im Testbetrieb aufgetretenen Fehlermeldung trifft den Tuner keine Schuld: Ursache ist laut Diagnosegerät eine (Serien-)Störung des elektronischen Zünd­schlosses.
Fahrleistungen 0 auf 100 km/h dauern mit Mehrleistung ordentliche 7,3 Sekunden, ohne 7,8. Die Höchst­geschwindigkeit hingegen bleibt kon­stant: Der ML fährt in beiden Modi 224 km/h. Diese auf den ersten Blick enttäuschende Erkenntnis hat ihren Grund: "Unsere Power-Box greift die Abgastemperatur ab. Um ungesunde Werte zu verhindern, kappt sie im Zweifel Leistung. Im Interesse der Haltbarkeit unterbinden wir bei Dau­er-Highspeed deshalb einen messbaren Vorsprung", erklärt der techni­sche Leiter Matthias Löcher.
Carlsson ML CD35
Up to date: Mit der per App steuerbaren Tieferlegung bedient Carlsson den Spieltrieb der Generation Apple.
Bild: Sassen
Fahrwerk und Komfort Eine elektroni­sche Tieferlegung ist heutzutage nichts Besonderes mehr. Carlsson peppt sie jedoch mit einer pfiffigen Zusatzfunktion auf: Per iPhone/iPad-App lässt sich das Auto heben und senken. Das funktioniert im Test tat­sächlich ohne Probleme – der Ver­stellbereich beträgt 0 bis 30 Millime­ter. Auf letzterem Niveau lässt sich der ML mit Schmackes um Kurven pfeffern, an seiner eigentlich gemüt­lichen Veranlagung kommen aber dennoch niemals Zweifel auf. Preis und Kosten Der Veredler lässt sich weder bei TÜV noch Garantie lumpen, kann deshalb mit maximaler Seriosität punkten. Die hat natürlich ihren Preis – einen recht hohen sogar. Mehr Infos zu dem getunten Diesel gibt es oben in der Bildergalerie. Den Artikel im Original Heft-Layout erhalten Sie im Heftarchiv als pdf-Download.

Fazit

von Ben Arnold
Gut gemacht: Carlsson verändert den Charakter des ab Werk recht biederen ML nachhaltig. Mit Mehrleistung, Bodykit und innovativer Tieferlegung wird der Mercedes vom Tiefstapler zum Trendsetter. Der sich flott bewegen lässt, trotzdem nicht radikal sportlich, sondern ganzheitlich harmonisch auftritt.