Die Oberklasse von Carthago. Irgendwie klingt das komisch, es muss also ein bisschen differenziert werden. Denn eigentlich tritt das Aulendorfer Unternehmen ja ausschließlich in der Oberklasse an.
Für komfortverwöhnte Einsteiger gibt's die Submarke Malibu, die auch Kastenwagen führt. Carthago selbst spricht bei seiner chic-Baureihe also lieber von der Linerklasse. Die ist in vier Segmente unterteilt: c-line und e-line (auf Fiat Ducato oder Mercedes Sprinter), s-plus (auf Iveco Daily) sowie liner-for-two (auf Fiat Ducato oder Iveco Daily).
Letzterer spielt eine Sonderrolle, denn er ist ausschließlich mit gemütlicher Hecksitzgruppe erhältlich. Bei allen anderen gibt's eine große Vielfalt an Grundrissen. Besonders beliebt sind darunter die mit Längseinzelbetten im Heck – unter anderem, weil sie hohe und üppige Heckstauräume ermöglichen.
Der Carthago chic s-plus I 50 LE bietet durchdachten Wohnkomfort.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Auch unser Testwagen hat so was. Mit knapp unter acht Metern Länge ist er der kürzeste chic s-plus. Seine großen Geschwister sind 8,60 (I 61 XL LE, ebenfalls Längsbetten) und sogar 8,85 Meter (I 64 XL QB, Queensbett) lang. Sie nutzen den zusätzlichen Raum beispielsweise für einen frei stehenden Waschtisch und eine lange Seitencouch hinterm Beifahrersitz. Finden die, die darauf verzichten können, im getesteten I 50 LE trotzdem das große Glück? Schauen wir mal nach.

Das ist der Carthago chic s-plus

Ein stattlicher Begleiter, der noch handlich genug auch für ganz lange Reisen bleibt. Er empfiehlt sich dafür nicht zuletzt durch seine komfortable Air-Pro-Luftfederung von Chassishersteller Iveco.
Motorisierung
Iveco 50 C 21 
Leistung
152 kW (207 PS) bei 3500/min 
Höchstgeschwindigkeit
100 km/h (> 3,5 t) 
Getriebe/Antrieb
Achtstufenautomatik/Hinterrad 
Länge/Breite/Höhe
7910/2270/3290 mm 
Masse fahrbereit/Zuladung
ca. 4125/1675 kg 
Anhängelast (gebremst/ungebremst)
3500/750 kg 
Grundpreis/Testwagenpreis
187.100 Euro / 257.710 Euro 
Die kostet zwar 13.990 Euro extra, kommt einem aber auf Knopfdruck beim Beladen entgegen und bietet durch ihre adaptive Regelelektronik, die alle zehn Millisekunden den erforderlichen Druck in jedem Dämpfer berechnet, ein Plus an Fahrsicherheit. Das gibt's zudem im Assistenz-Paket (8490 Euro) mit u. a. Spurhalte-, Notbrems- und Abstandsregelung.
Der Tisch ist in alle Richtungen verschiebbar und ausreichend groß.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Wer gerne länger autark unterwegs ist, wird auch die Kapazität der Tanks schätzen oder gerne auf die verschiedenen Optionen bei der Stromversorgung zurückgreifen. Vier Gel- oder zwei Li-Ion- Akkus sowie eine Solaranlage mit bis zu 270 Wp sind hier möglich.

Das hat der chic s-plus I 50 LE

Ein ziemlich unkompliziertes Wesen. Das liegt daran, dass er durchdacht konstruiert und daher einfach zu bedienen ist. Ein schönes Beispiel dafür sind zusammengefasste Funktionen wie die Ablassventile unterm Entree oder der gut nutzbare Doppelboden mit mehreren Durchreichen in den Wohnbereich.
Auch im Schlafbereich ist ein Fernseher möglich, kostet aber 1540 Euro Aufpreis.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
Der fällt mit seiner kuscheligen Sitzgruppe besonders gemütlich aus – um den runden Tisch gesellen sich bestimmt gerne bis zu sechs Reisefreunde. Wer möchte, kann hier anstelle des Hubbetts Dachschränke und zwei Panoramafenster bekommen (2290 Euro). Auch dahinter, in der geschwungenen und dadurch platzoptimierten Küche, kneift es nirgends. Bequem können zwei im Gang aneinander vorbeigehen. Aus jeder Ecke scheint hier nutzbarer Raum hervorgeholt zu sein, was von viel Liebe zum Detail zeugt.
Die zeigt sich auch an der Tür zum Ankleidebereich. Sie ist zweigeteilt und schließt so nach vorn und zum in schicker Schieferoptik gehaltenen WC-Raum zugleich. Geheizt wird serienmäßig übrigens mit einer Alde-Warmwasserheizung. Ihre zugfreie Wärmeverteilung, die unterstützt wird durch die für Carthago typischen stoffbespannten Innenwände aus Aluminium, trägt maßgeblich zur gediegenen Wohnlichkeit bei.
Souveränes Reisen ist mit dem Carthago chic s-plus I 50 LE garantiert.
Bild: Sven Krieger / AUTO BILD
So unkompliziert wie er sich auch am Platz nutzen lässt. Die Übersicht nach vorn ist prima, die Sitze sind bequem, und die Geräuschdämmung ist effizient. Eine Empfehlung ist (nicht nur wegen der Fahrzeuggröße) das Wandlerautomatikgetriebe. Es ist leider nur mit dem großen Motor zu haben – für saftige 11.490 Euro.

Fazit

Mit der Luftfederung schwingt sich auch der kleinste chic s-plus noch mal zu neuen Höhen auf. Souveränes Reisen ist damit garantiert. Dazu passt seine Unkompliziertheit in der Bedienung prima.