Nach dem passenden Reisemobil zu suchen, ist ja stets eine spannende Aufgabe. Das gilt besonders, wenn es ein gebrauchtes sein soll, das noch fit genug für viele Jahre ist. Eine Option: eine Marke mit gutem Ruf wählen. Carthago zum Beispiel. Der Hersteller betont ja seit jeher, er setze "kompromisslos auf Qualitätsführerschaft". Starke Worte, deren Gehalt sich an neuen Mobilen prüfen lässt. Und noch viel besser an älteren. Zu unserem Check tritt ein Chic T47 an, den Carthago 2004 in Form eines Teilintegrierten auf Fiat-Ducato-Basis samt AL-KO-Tiefrahmenchassis aufgebaut hat. 33.999 Euro ruft der auf Reisemobile spezialisierte Händler my-caravaning im schwäbischen Herrenberg auf – günstig für einen Carthago, aber nicht wenig für ein 13 Jahre altes Gebrauchtmobil.

Bei unserem Wohnmobil bleibt ein fader Beigeschmack

Carthago Chic T47
Die Küche bietet vom Backofen über die Doppelspüle bis zum großen Kühlschrank samt Froster viel. Nur die Arbeitsfläche ist etwas knapp.
Neu lag der Chic T47 einst bei 63.322 Euro. ABS war 2004 bereits inklusive, Airbags noch nicht. Dafür gab's (ohne Mehrpreis) bereits elektrische Fensterheber und Zentralverriegelung, ebenso eine Alde-Warmwasserheizung. Die Fahrerhaus-Klimaanlage ließ sich der erste Besitzer 1570 Euro extra kosten, und auch an anderen Stellen hatte der Herr aus Güstrow bei Rostock nicht gespart: In der Küche findet sich ein Gas-Backofen, eine Duomatic schaltet automatisch zwischen den beiden Gasflaschen um, ein Becker-Radio ist ebenso an Bord wie eine Rückfahrkamera, auf dem Dach sitzen zwei Solarpaneele und eine Sat-Antenne. Unterm Strich dürfte dieser noble Teilintegrierte deutlich über 70.000 Euro gekostet haben. Nach 13 Jahren soll er nun knapp die Hälfte kosten. Allerdings stehen nur nachvollziehbare 112.000 Kilometer auf dem Tacho. Davon sind die zweiten Besitzer allein in den vergangenen beiden Jahren die Hälfte gefahren. Das wäre ein gutes Zeichen, bliebe nicht ein fader Beigeschmack: Ein Ölwechsel aus dieser Zeit ist nicht dokumentiert. Da zeigte sich der erste Eigner noch bedeutend sorgsamer: Er ließ jede nötige Dichtigkeitsprüfung fein säuberlich abstempeln, um die Zehnjahresgarantie von Carthago nicht zu gefährden.
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Knarzen, Fiepen oder Quietschen kennt der Carthago nicht

Carthago Chic T47
Hier stehen Investitionen an: Die hinteren Reifen sind bereits sechs Jahre alt. Und auch an den beginnenden Rostfraß an der Karosserie muss man ran.
In der Tat überzeugt der Zustand des Carthago-Aufbaus. Nicht nur, weil die Alu-Sandwich-Konstruktion so frisch und unversehrt aussieht, sondern besonders, weil beim Fahren keinerlei Knarzen, Fiepen oder Quietschen von hinten zu hören ist. Die Möbel: mucksmäuschenstill. So still, wie es selbst bei neuen Reisemobilen selten ist. Das metallische Scheppern, das bei der Testfahrt nach vorne schallt, ist sogleich beseitigt: Es sind nur die losen Roste im Ofen. Schnell sind sie besser verstaut. Was dagegen weniger Freude macht, ist der Pflegezustand im Detail. Zwar sind Bad und Küche bis hin zum Kühlschrank sauber, doch die Wasseranlage benötigt eine gründliche Reinigung – der zweite Besitzer hat sich, siehe versäumten Ölwechsel, vor lauter Reisen kaum um die Pflege seines Mobils gekümmert. Nur die Reifen an der Vorderachse hat er tauschen lassen: Es sind zwei Hankook aus dem Jahr 2016 mit Winterprofil. Die Conti-Allwetterreifen der Hinterachse sind bereits sechs Jahre alt. Dass jetzt ein paar größere Investitionen fällig sind, zeigen auch Details wie der beginnende Rostfraß an der Karosserie, der nach einem Zwischenstopp beim Blechprofi ruft. Sicher ist: Dieser Carthago bietet seinem neuen Besitzer eine Menge Komfort. Der luftige Grundriss des T47 passt perfekt für zwei Personen, eine dritte (oder zwei kleine Enkel) findet auch noch Platz. Besonders seine Bauqualität spricht klar für ihn – Carthago hat sein Versprechen jedenfalls gehalten.

Fazit

"Zu diesem Chic T47 ein klares Wort zu sprechen, fällt mir schwer. Top: Er ist wenig gelaufen, bis auf einige Details gepflegt und gut erhalten – ein tolles Mobil für viele künftige Reisen. Ein Risiko birgt der lange versäumte Ölwechsel. Und erster Rost fordert den beherzten Eingriff." Urteil: drei von fünf Punkten.