In Zeiten steigender Spritpreise denken sicher viele Autofahrer über mögliche Alternativen zum klassischen Verbrenner nach. Aber jetzt vergessen Sie mal den ersten Gedanken an Elektro, denn es geht auch kreativer! Wie wäre es mit einem Holzgasantrieb? Was völlig absurd klingt, funktioniert in der Realität sogar ziemlich gut, wie dieser Chevrolet-Pick-up des Tüftlers "Jp Prat Projets" zeigt.

Holz als Kraftstoff

Die Basis für den experimentellen Antrieb bildet ein Chevrolet Fleetside aus dem Jahr 1983. Unter der Haube arbeitet ein 5,7-Liter-V8 aus dem Jahr 1972, der laut Besitzer seit mehr als 100.000 Kilometern keinen Tropfen Benzin mehr gesehen hat. Stattdessen wird der Motor mit sogenanntem Holzgas betrieben.
Dafür befindet sich hinter der Fahrerkabine eine große Vergasungsanlage. Dort werden Holzstücke oder Holzspäne erhitzt. Dabei entsteht ein brennbares Gasgemisch aus Kohlenmonoxid und Wasserstoff. Dieses wird anschließend gekühlt, gefiltert und dem Motor zugeführt. Ruß und Asche bleiben dabei in speziellen Filtern hängen, bevor das Gas im V8 verbrannt wird.

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Ganz ohne Aufwand läuft das System allerdings nicht. Vor dem Start müssen die Holzspäne entzündet werden, was der Bastler kurzerhand mit Zeitungspapier und einem Lüfter in Gang bringt. Erst nach etwa fünf bis zehn Minuten liefert die Anlage ausreichend Holzgas, damit der Motor gestartet werden kann. Hier ist also etwas Geduld gefragt.

Durstig nach jeder Menge Brennholz

Und nicht nur Geduld ist gefragt: Denn wer glaubt, Holz sei eine tolle Alternative zum Stromer oder Verbrenner, sollte einen Blick auf den Verbrauch werfen. Der Chevy benötigt laut Besitzer etwa 35 bis 40 Kilogramm Holz auf 100 Kilometer. Für längere Reisen muss deshalb ordentlich Nachschub mitgeführt werden. Wie passend, dass der Chevy eine riesige Ladefläche mit sich bringt.
Doch wir wollen hier auch über den Vorteil des ungewöhnlichen Antriebs sprechen: Wer Zugang zu günstigem Brennholz hat, kann praktisch unabhängig von der Zapfsäule unterwegs sein. Zudem gilt Holzgas als vergleichsweise klimafreundlich, weil beim Verbrennen hauptsächlich jene CO₂-Menge freigesetzt wird, die die Bäume zuvor während ihres Wachstums aufgenommen haben.
Chevy Fleetside mit Holzgaantrieb
In einem Kessel werden Holzstücke verbrannt, das dabei entstehende Gasgemisch sorgt für den Vortrieb.
Bild: JP Prat Projects / YouTube

Der Chevy ist überraschend schnell

Aber nicht nur die Antriebsidee ist beeindruckend, sondern auch der Speed des Chevy: Der ungewöhnliche Pick-up ist alles andere als ein Schleicher. Bei einem sogenannten "Standing-Mile-Event" auf einem ehemaligen Flugplatz erreichte das Holzgas-Auto eine Höchstgeschwindigkeit von immerhin 125 km/h, was aus dem neuesten Video des Youtube-Kanals hervorgeht.
Als technisches Kuriosum zeigt der V8-Pick-up zwar, dass Verbrennungsmotoren auch mit deutlich ungewöhnlicheren Kraftstoffen laufen können. Sie sollten sich dennoch nach einer passenderen Alternative umschauen. Denn: Alltagstauglich für die breite Masse dürfte das System wohl kaum sein.