Sprachsteuerung zum Nachrüsten

Chris: Sprachsteuerung zum Nachrüsten

Meine neue Freundin Chris

Sprachassistenten mit Gestensteuerung waren bislang Luxusautos vorbehalten. Mit "Chris" ist jetzt ein Nachrüstgerät für jedermann auf dem Markt.
Chris und ich kennen uns erst seit ein paar Tagen. Doch meine Freundin plant offenbar eine längere Beziehung. "Nach zwei Millionen und vierhundertsiebzigtausend und vierhundertdreiundachtzig Kilometern biege links ab", sagt meine neue Sprachassistentin. Echt jetzt? 2.470.483 Kilometer noch? Eigentlich wollen wir nur von Berlin zu unserem Wochenendhäuschen in Brandenburg. Aber Chris hat wohl eine Weltreise im Sinn, mindestens. Das Gerät hat die Größe eines Baseballs und ist ein Minicomputer, der als intelligenter Sprachassistent speziell für Autofahrer konzipiert wurde. Was bislang Oberklasse-Neuwagen vorbehalten war, kann man jetzt in jedem Gebrauchten selbst nachrüsten: Chris ermöglicht Telefonate, SMS- und WhatsApp-Messaging, Navigation und Musikabspielen in einem – via Gesten- und Sprachsteuerung. Dadurch kann man die Hände am Lenkrad und die Augen auf der Straße lassen. Kosten: 199 Euro. Zwar gibt es mit Amazon Echo oder Siri (nur Apple-User) Alternativen, doch die sind nicht fürs Auto gemacht. "Hey Chris, schreibe eine WhatsApp an Lydia." Ich möchte meiner Frau sagen, dass ich später nach Hause komme. Chris textet und verschickt die Botschaft binnen Sekunden. Genauso leicht kann ich mir Nachrichten vorlesen lassen.

In der 9 x 9 Zentimeter großen Hardware steckt viel Hightech

Der Minicomputer kostet 199 Euro und kommt in einem Karton zum Selbsteinbauen.

Handys am Steuer verursachen viele Unfälle. Darum ist das verboten. Allein die Berliner Polizei registrierte im vergangenen Jahr 18.798 Ordnungswidrigkeiten von Kfz-Fahrern wegen Benutzung elektronischer Geräte. Tendenz steigend. Auch Holger Weiss konnte seine Finger nicht vom Smartphone lassen. Der 49-Jährige ist Geschäftsführer von German Autolabs. Das Berliner Start-up hat Chris entwickelt. "An roten Ampeln hatte ich oft das Handy in der Hand", gibt Weiss zu. 2016 gründete er mit Partner Patrick Weissert seine Firma. Ziel: die Entwicklung von Chris. Eine anspruchsvolle Aufgabe. In der nur 9 x 9 Zentimeter großen und 250 Gramm schweren Hardware steckt eine Menge Hightech – eine Speicher- und Prozessoreinheit, fünf Mikrofone sowie ein hochauflösender Gestensensor. Dazu kommt ein 2,1 Zoll großes Farbdisplay. Den Minicomputer befestigt man per Saugnapf an der Windschutzscheibe. Das Verbindungskabel zur 12-Volt-Steckdose haben die Erfinder pfiffigerweise extralang gemacht. So lässt es sich am Armaturenbrett vorbeiführen, das verhindert Kabelsalat.
Sprachsteuerung fürs Auto

Chris Sprachassistent fürs Auto

Preis*: 199,00 Euro

Chris Saugnapfhalterung

Preis: 29,99 Euro

Chris FM Transmitter

Preis: 29,99 Euro

*Preise: Stand 18.09.2019

Chris macht das "Sorry" zum "Saurier"

Die Chris-App gibt's im Internet. Damit das System funktioniert, benötigt es ein bluetoothfähiges Smartphone mit Android 7.1.1 oder höher oder mit einem aktuellen iOS. Das Auto selbst muss dagegen nicht bluetoothkompatibel sein. Für ältere Fahrzeuge lässt sich ein FM-Transmitter (29,99 Euro) dazukaufen, der Chris per FM-Frequenz mit dem Auto koppelt. Aber: Trotz der fünf Mikrofone zeigt sich Chris im Test leider manchmal noch recht schwerhörig. Ganz wichtig ist, dass man langsam und deutlich spricht. Bei längeren oder zu schnellen Ansagen reagiert die Assistentin überfordert und verschickt Nonsens. So machte Chris aus dem "Sorry" in einer Whats-App-Nachricht das Wort "Saurier". Richtig anstrengend wird Chris auf der Autobahn. Ab 120 km/h musste ich meine Freundin wegen der lauten Geräusche anschreien. Dafür entschädigt sie mit einem Wortschatz, der sogar Emoticons wie "Smiley glücklich" enthält.

Einmal pro Monat gibt es ein kostenloses Update

Während des mehrtägigen Tests lotst mich Chris zuverlässig durch den Verkehr – ob in der Innenstadt oder auf dem flachen Land. Nur plötzliche Routenänderungen mag Chris gar nicht. Zwar berechnet sie rasch Alternativen, doch jede spontane Kursänderung meinerseits wird mit der Zweimillionensoundsoviel-Kilometer-Ansage bestraft. Auch Echtzeitnavigation bietet Chris noch nicht. Negativ fiel außerdem die schlechte Audioqualität bei Telefonaten mit anderen Handys auf. Am anderen Ende der Leitung beschwerten sich Gesprächsteilnehmer über nervige Echos. Diese "Kinderkrankheiten", so der Hersteller, sollen rasch behoben werden. Einmal pro Monat gibt es ein kostenloses Update. So steht neuerdings auch Offline-Kartenmaterial zur Verfügung. Inzwischen sind wir an unserem Wochenendhäuschen im Grünen angekommen, verkündet die Stimme stolz: "Du hast das Ziel erreicht." Geht doch, Chris!

Sprachsteuerung zum Nachrüsten

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Fazit von Haiko Prengel: Tipp, tipp, tot – Handynutzung während der Autofahrt ist lebensgefährlich und verboten. Mit der Sprachassistentin Chris können die Hände am Lenkrad bleiben und die Augen auf der Fahrbahn. Der Minicomputer hat Zukunft – zumindest dann, wenn seine Erfinder die Kinderkrankheiten beheben.

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