Citroën Berlingo: TÜV-Report 2026
So schneidet der Citroën Berlingo beim TÜV ab

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Wer viel transportieren und Strecke machen will, sollte sich diesen französischen Lastkahn ansehen. Aber bitte ganz genau, denn er fängt schon früh an zu schwächeln.
Bild: Roman Raetzke / AUTO BILD
Worauf Gebrauchtwagenkäufer beim Citroën Berlingo achten sollten: die wichtigsten Infos aus dem aktuellen TÜV-Report!
Citroën Berlingo III
- Bauzeit: 2018 bis heute
- Motoren: 75 PS (BlueHDi 75) bis 136 PS (ë-Berlingo)
- Gebrauchtpreis: ab 8900 Euro
Das ist er: Ein Allesmacher in mittlerweile dritter Generation, so groß und vielseitig wie nie zuvor: zwei Radstände, zwei Schiebetüren, einzeln ausbaubare Rücksitze und sogar Wohnmobilumbauten. Eine vielseitige Plattform, die auch bei Fiat, Opel, Peugeot und sogar Toyota (Proace City) zum Einsatz kommt. Das immense Platzangebot ist für Familien und Sportler mit großem Gerät gleichermaßen interessant. Seit 2021 als ë-Berlingo auch elektrisch zu haben.
Das kann er: Nahezu grenzenlos einladen. Bei bis zu 2693 Liter Stauraum (XL-Version) schluckt der Kasten noch ganze Kommoden, wenn ein Kombi schon pickepackevoll ist. Der Fahrkomfort ist erstaunlich gut.
Das macht Ärger: Der Sparzwang, unter dem er gebaut wird. Zu spüren an einfachen Materialien im Innenraum, der Lackqualität, den Spaltmaßen oder der mangelhaften Rostvorsorge. Die beliebten HDi-Motoren können bei viel Kurzstrecke unter Turboladerschäden leiden. Reichlich Rückrufe, unter anderem wegen Mängeln an eCall, Motorsteuergerät, Batteriesteuergerät, Klimakompressor, zudem Brandgefahr. Eine recht frische Aktion betrifft die 1.5-blue-HDi-Diesel, denen Motorschäden wegen frühzeitig verschleißender Nockenwellenketten drohen.
Citroën Berlingo II
- Bauzeit: 2008 bis 2018
- Motoren: von 67 PS (Electric) bis 120 PS (1.6 VTi/HDi)
- Gebrauchtpreis: ab 2300 Euro
Das ist er: Eine günstige Möglichkeit, vieles oder alle mitzunehmen. Bei bis zu 2650 Liter Laderaum müssen die meisten Konkurrenten passen. In seiner zweiten Generation wuchs der Berlingo vom Kasten zum Pkw mit entsprechender Sicherheit dank ESP, Front- und Seitenairbags. Das zweite Facelift 2015 brachte u. a. ein Sieben-Zoll-Display im Cockpit und eine Rückfahrkamera.
Das kann er: Bis zu sieben Personen oder eine ganze Werkstatt mitnehmen. Das Fahrwerk ist straff, da es auf hohe Zuladung ausgelegt wurde und weniger auf Komfort. Beliebt waren der HDi 100 FAP-Diesel, der ab April 2015 die Euro-6-Norm erfüllt, und der 110 PS starke Turbobenziner. Geht nichts außerplanmäßig kaputt, sind die Fixkosten schön niedrig.
Das macht Ärger: Mit zunehmendem Alter das Knarzen und Knacken an allen Ecken und Enden. Zickende Elektronik, ausfallende Zündspulen und Motoren (defekte Thermoschalter). Als Schwachstellen gelten die Turbolader des 1.6 HDi und der Zahnriemen des 1,2-Liter-Benziners. Rückrufe gab's wegen nicht auslösender Airbags, zu wenig Bremskraft und zu schnell alternder Reifen.
Das TÜV-Urteil
Fahrwerk
Federn und Dämpfer sowie die Achsaufhängungen sind gut dimensioniert und besser als der Schnitt, Ausnahme sind die ältesten IIer. Lenkgelenke und Lenkanlage zeigen insgesamt zu viele Mängel bei der HU. Auch die Antriebswellen dürften gern zuverlässiger sein.
Licht
Ein einziges Rotlichtviertel. Allenfalls die vordere Beleuchtung ist noch akzeptabel. Alle anderen Werte liegen in allen Alterklassen weit, zum Teil sogar sehr weit über dem Durchschnitt.
Bremsen
Hier sind beide Generationen insgesamt verlässliche Partner. Die Bremsleitungen zeigen sich durchweg solide, die Schläuche des IIIers ebenfalls. Auch Fuß- und Feststellbremse arbeiten ohne große Ausrutscher. Problematisch sind die vielfach verschlissenen Bremsscheiben, beim IIIer mitunter sogar häufiger als beim IIer.
Umwelt
Düster: Schon ab der ersten Pflichtprüfung rutscht der Berlingo bei der Abgasuntersuchung sowieso wegen Ölverlust am Antrieb in die roten Zahlen. Immerhin: Die Abgasanlagen sind recht haltbar.
Mängeleinteilung*
Alter | Ø Laufleistung in km | Ohne Mängel | Geringe Mängel | Erhebliche Mängel | Verkehrsunsicher |
|---|---|---|---|---|---|
2-3 Jahre** | - | - | - | - | - |
4-5 Jahre | 70.000 (Ø 65.000) | 76,7 (Ø 84,7) | 10,3 (Ø 5,3) | 13,0 (Ø 10,0) | 0,0 (Ø 0,0) |
6-7 Jahre | 99.000 (Ø 88.000) | 65,0 (Ø 78,8) | 15,0 (Ø 7,6) | 20,0 (Ø 13,6) | 0,0 (Ø 0,0) |
8-9 Jahre | 118.000 (Ø 112.000) | 58,6 (Ø 71,7) | 16,1 (Ø 10,0) | 25,3 (Ø 18,3) | 0,0 (Ø 0,0) |
10-11 Jahre | 142.000 (Ø 131.000) | 52,9 (Ø 64,7) | 17,5 (Ø 12,4) | 29,6 (Ø 22,9) | 0,0 (Ø 0,0) |
12-13 Jahre | 159.000 (Ø 150.000) | 45,9 (Ø 56,0) | 19,0 (Ø 15,5) | 35,1 (Ø 28,4) | 0,0 (Ø 0,1) |
Fazit
Was die ganz jungen Berlingo treiben, ist wegen der zu geringen Zahl an Hauptuntersuchungen unklar. Allerdings sprechen die Zahlen der anderen Jahrgänge eine deutliche Sprache: Bereits bei den 6- bis 7-Jährigen fällt jeder fünfte Berlingo durch die HU, nach der doppelten Zeit besteht nicht einmal jeder Zweite. Kaufinteressenten sollten nach gut gewarteten Autos mit niedrigen Laufleistungen schauen.
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