Ein Concorde als Geldspar-Modell: Das funktioniert tatsächlich, aber es dauert etwas länger, bis es so weit ist. Fast 30 Jahre und 80 Prozent Wertverlust hat dieser ST 620 hinter sich. Weniger als 10.000 Euro soll er jetzt noch kosten. Mit 6,35 Meter Außenlänge und Alkoven überm Fahrerhaus entspricht das Nobeldomizil dem gängigen Wohnmobil-Layout der späten Achtziger, aber das muss kein Nachteil sein: Die Technik und der Zeitgeschmack mögen sich seit damals verändert haben, nicht aber der Platzbedarf reisefreudiger Familien.

Der Vorbesitzer steckte viel Herzblut und Geld in die Substanz

Concorde 620 ST
Korrosion am Frontscheibenrahmen: Rostschäden am Fahrerhaus sind teuer zu sanieren.
Das ist er: Ein Hochwert-Modell aus gutem Hause. Was die SKW Fahrzeugbau GmbH in Zellingen da im Einheitsjahr 1990 auf die Räder stellte, verdient noch immer Respekt. Der Grundriss mit Alkovendoppelbett und Doppelstockliegen im Heck ist optimal für eine vierköpfige Familie geeignet. Der technisch versierte Vorbesitzer kann es bestätigen: Er steckte viel Herzblut und Geld in die Substanz, will den Concorde aber abgeben, weil die Kinder nicht mehr mit in den Urlaub fahren. TÜV und AU mit Gasprüfung hat der 149.000 Kilometer gelaufene Concorde 2017 gepackt, 2018 wurden die Bremsanlage revidiert und der Zahnriemen sowie die Reifen erneuert. An der Bodengruppe finden sich keine größeren Roststellen, allerdings blüht die Korrosion am Frontscheibenrahmen – eine seriöse Instandsetzung ist nicht billig. Auf dem Dach des Aufbaus wurde eine Fläche im DIN-A3-Format geflickt, der Boden im Heckstaufach ist ebenfalls ausgebessert worden. Es gibt jedoch keine Anhaltspunkte für akute Feuchtigkeitsprobleme.
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Auch Flachbildschirm-TV und Rückfahr-Kamera sind an Bord

Concorde 620 ST
Was den Concorde von der Masse abhebt, sind seine vielen aufwendigen Details und eine selbst im Alter noch immer überzeugend anmutende Verarbeitung.
Das hat er: Einen beeindruckenden Ausbau, der den massivhölzernen Charme der Achtziger konserviert und mit bis zu sechs Schlafplätzen sowie einem vollwertigen Bad nebst separater Dusche enorm viel Praxiswert bietet. Die technische Basis stellt der Ducato-Doppelgänger Peugeot J5, dessen 2,5-Liter-Saugdiesel tapfer mit 2,4 Tonnen Leergewicht kämpft. Sanfte 73 PS und Lenkradschaltung lassen beim Fahren nostalgische Gefühle wach werden, während die aufwendige Heizungs- und Lüftungsanlage, Wandisolierung und massive Echtholzfronten selbst den Vergleich mit deutlich jüngeren Womo-Modellen nicht scheuen müssen. Zum Glück ist aber nicht alles von 1990: Der langjährige Vorbesitzer hat Flachbildschirm-TV und halbautomatische Sat-Antenne installiert, DVD- und CD-Player erweitern das Entertainmentprogramm. Und eine Rückfahr-Kamera gibt's auch. Wetten, dass die schon der Erstbesitzer gerne gehabt hätte?!

In der Praxis sind 85 km/h realistisch

So fährt er: Die Peugeot J5 ist eine Entwicklung der späten Siebziger. Die Bedienkräfte sind hoch, die Bremsen eher schwach. Und über 90 km/h berserkert der alte Diesel so laut, dass das Radio kaum noch zu hören ist. ABS, Airbags oder gar ESP? Waren 1990 so eine Art Transporter-Science-Fiction. Wer den Luxus des alten Oberklasse-Kreuzers genießen will, muss also auch verzichten können, vor allem auf hohe Reiseschnitte: Die Papiere versprechen 115 km/h Spitze, in der Praxis werden es eher 85 Sachen sein. Immerhin, es ist ein sanftes Schweben zwischen den drängelnden Vierzigtonnern auf der rechten Spur: Auch Luftfedern an der Hinterachse bekam der Concorde im Laufe seines langen Lebens spendiert. Mag der Wertverlust auch abgeschlossen sein: Luxus vergeht nicht.

Fazit

Ein Concorde für rund 10.000 Euro ist kein Überflieger, aber der hochwertige Ausbau kann bei guter Pflege noch lange halten. Jedoch ist die Technik des Basisfahrzeugs inzwischen überholt und das Reparaturrisiko schon aufgrund des Alters hoch. Urteil: 3,5 von fünf Punkten.