Corinna Schumacher spricht über Michael: "Mein Herz fährt mit"
Neue Schumi-Doku: Corinna Schumacher gibt bewegende Einblicke
1994 wird Michael Schumacher zum ersten Mal Formel-1-Weltmeister – und Deutschland verfällt der Schumi-Mania. Eine neue Netflix-Doku erzählt jetzt von diesem verrückten Jahr.
Bild: Netflix
Wenn Michael Schumacher 1994 den Helm zuklappt, kennt er nur eins: Vollgas. Doch während auf der Strecke jede Zehntelsekunde zählt, gibt es im Fahrerlager einen Menschen, bei dem er nichts beweisen muss: Corinna.
"Er wusste, ich bin auch da, wenn er nicht so schnell ist", sagt sie heute in der neuen Netflix-Doku "Schumacher '94 – Die Geburt einer Legende", die am 2. Oktober startet.
Damals ist Schumacher 25, fährt Benetton und startet mit einem Sieg in Brasilien in die Saison. Neun Monate später ist er Formel-1-Weltmeister, Deutschland hat einen neuen Nationalhelden und aus Michael ist längst "Schumi" geworden.
Doch zwischen diesen beiden Momenten liegt eine Saison, die alles hat, was die Formel 1 groß, dramatisch und manchmal unerträglich macht: Siege und Skandale, Disqualifikationen und Sperren, den tödlichen Horror von Imola mit Ayrton Senna und Roland Ratzenberger und schließlich ein WM-Finale, das bis heute diskutiert wird.
Genau davon erzählt Netflix. Doch vielleicht sind es gar nicht die alten Rennbilder, die dabei am meisten hängen bleiben. Sondern die Sätze von Corinna Schumacher.
Corinna Schumacher: "Bedingungslos da"
Sie ist damals noch Michaels Freundin, aber längst Teil seines Lebens im Fahrerlager. "Benetton war ein fantastisches Team", erinnert sich der damalige Teamchef Flavio Briatore. "Und Corinna war ein Teil der Familie."
In der Dokumentation erzählt sie, wie sie flache Schuhe trägt, um mit Michael Schritt halten zu können, wenn beide dem Trubel im Fahrerlager entkommen wollen. Und von einer Bank auf ihrem Grundstück am Genfer See, auf der sie sich später immer wieder aussprechen. "Wenn ich lauter wurde, wurde er immer leiser", erinnert sich Corinna.

Corinna spricht in der Netflix-Doku über ihre bedingungslose Unterstützung.
Bild: Netflix
Vor allem aber beschreibt sie, was ihre Beziehung trägt, während der Druck um Schumacher immer größer wird.
"Du hast Druck, Du musst für Dein Team viel machen. Er wusste, ich bin aber auch da, wenn er nicht so schnell ist. Und ich glaube, das ist genau der Punkt. Du weißt einfach, dass jemand für Dich bedingungslos da ist. Ob Du jetzt die Leistung bringst, oder ob es Dir gerade nicht gut geht. Und das ist ja das Wichtige eigentlich. Du musst jemanden haben, der Dir … der Dich unterstützt, im Guten wie im Schlechten."
Oder, wie sie es an anderer Stelle auf den Punkt bringt: "Michael wusste, mein Herz fährt mit."
Corinnas Mutter war gegen Schumacher
Dass aus Michael und Corinna einmal eine Ehe fürs Leben werden würde, ist damals offenbar nicht für alle ausgemacht. Ausgerechnet Corinnas Mutter hält zunächst wenig vom jungen Rennfahrer aus Kerpen. Und zwar aus einem ziemlich handfesten Grund: seinem Auftreten auf der Kartbahn.
Corinna: "Meine Mutter war da voll dagegen. Michael war ja immer auf der Go-Kart-Strecke und hat eigentlich immer andere rausgeschubst. Meine Mutter hat immer gesagt: 'Guck' Dir den Schumacher an! Selber haben sie eine Go-Kart-Bahn zu Hause, da schmeißen sie jeden raus, der irgendwas falsch macht, und jetzt schmeißt der die Leute raus!' Meine Mutter hat dann gesagt: 'Der Schumacher, der Schumacher.'"
Aus "dem Schumacher" wird trotzdem ihr Schwiegersohn. Im August 1995 heiraten Michael und Corinna.
Schumacher will immer der Schnellste sein
Wie sehr Schumacher schon damals vom Ehrgeiz getrieben ist, beschreibt in der Doku auch sein früherer Benetton-Renningenieur Pat Symonds. "Michael lebte für den Moment. Freitag-Qualifying: Da wollte er der Schnellste sein. Zweites Training: Da wollte er der Schnellste sein. Er lebte für den Moment."

Mit nur einem Punkt Vorsprung sichert sich Schumacher 1994 seinen ersten Weltmeistertitel.
Bild: Getty Images / Netflix
Symonds und die erfahreneren Leute im Team wissen allerdings, worauf es wirklich ankommt: "Ich denke, dass die etwas reiferen Semester unter uns, die schon mehr Rennerfahrung hatten, wussten, dass es ihm nur auf den Sonntag ankam." Und genau an diesen Sonntagen beginnt 1994 eine Karriere, die die Formel 1 verändern wird.
Ein Punkt macht Schumacher zum Weltmeister
Beim Finale in Adelaide liegt Schumacher in der WM nur einen Punkt vor Damon Hill. Dann kollidieren die beiden Titelrivalen. Beide scheiden aus und Schumacher ist mit einem einzigen Punkt Vorsprung erstmals Weltmeister. Es ist der Anfang einer Titelsammlung, die damals niemand erahnen kann. Sechs weitere Weltmeisterschaften werden folgen.
Und es ist der Beginn der Schumi-Mania. Plötzlich sitzt Deutschland sonntags vor dem Fernseher. Aus dem Kartbahn-Sohn aus Kerpen wird einer der größten deutschen Sportstars.
Dieser Song bringt Corinna heute zum Weinen
Doch Netflix erzählt die Geschichte nicht nur über Pokale, Punkte und Rundenzeiten. Corinna spricht auch über den gemeinsamen Song des Paares, "Rush Rush" von Paula Abdul. Und ein einziger Satz holt die Geschichte aus dem Vollgasjahr 1994 direkt in die Gegenwart: "Wenn ich ihn heute höre, wenn ich im Auto bin, weine ich vor mich hin."
Nach seinem schweren Skiunfall Ende 2013 ist Michael Schumacher nicht mehr öffentlich aufgetreten. Seine Familie schützt seine Privatsphäre seitdem konsequent. Vielleicht wirken Corinnas Erinnerungen deshalb heute stärker als jede Ergebnisliste. "Schumacher '94" erzählt von dem Jahr, in dem Michael Schumacher seinen ersten WM-Pokal gewinnt.
Aber eben auch von der Zeit, in der aus Michael und Corinna ein Wir wird – und aus Michael endgültig Schumi.
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