Beim Blick ins Heck des Landstar RL kommt mir gleich ein Obelix-Zitat in den Kopf: Die spinnen, die Briten. Wollen die von Cristall wirklich, dass ich jeden Abend die Sitzbänke zu Betten umbaue? Und am Morgen wieder zurück? Tock, tock, tock ... Doch es zeigte sich schon am ersten Abend auf der heimischen Einfahrt: Der Umbau ist nur eine Seite der Medaille. Es wurde noch richtig gemütlich im Cristall. Trotz warmer Abendsonne ließ sich die nachbarschaftliche Runde nicht mehr aus dem Landstar vertreiben. Ein Bier ergab das nächste, am liebsten wären sie alle mitgefahren. Doch das Wohnmobil bietet nur Platz für zwei. Noch mal Glück gehabt.
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Cristall Landstar RL
Nah am Pkw: Die Sitzposition ist relativ niedrig, die Sprinter­-Seriensitze lassen sich drehen.
Das ist er: Wo kommt er eigentlich her, der große Unbekannte? Cristall ist eine Marke, die zu Lunar Caravans gehört. Und die ist in Großbritannien eine große Nummer. In Lancashire, einer Grafschaft im Nordwesten Englands, produziert Lunar seit 45 Jahren Wohnwagen und Wohnmobile. Mit dem Cristall Landstar wollen die Briten nun bei uns Erfolg haben. Die Basis dafür ist ein ellenlanger Sprinter mit Serienhochdach, 130 oder 163 PS und wahlweise zwei ungewöhnlichen Grundrissen: RL (Rear Lounge) – unser Testwagen – und EW (End Washroom) mit Bad im Heck. So fährt er: Soft und sicher. Der 4,32 Meter lange Radstand des Sprinter garantiert hohen Komfort. Federweich schaukelt der lange Lulatsch über Landstraßen. Und der starke 163-PS-Diesel brummt dazu ein gemütliches Lied. Am besten kombiniert man ihm gleich mit der Siebenstufenautomatik (2419 Euro Aufpreis). Die Einbauten sind nicht mucksmäuschenstill, in der Machart aber meilenweit entfernt vom Klischee, dass die luschige British-Elend-Qualität der 70er- und 80er-Jahre ins Autotester-Gedächtnis gebrannt hat. Einzig die Rahmen der Faltverdunklungen knisterten auf schlechten Wegen dicht neben den Ohren. Außerdem verstellen sie – je nach Sitzposition – den Blick auf die Außenspiegel.
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Cristall Landstar RL
Unendliche Weiten: Die weichen Stoffe sind gegen Schmutz imprägniert, die Wände mit Stoff bespannt. Der Tisch verschwindet nachts im Schrank.
Das hat er: Gut ausgestattet ist der Mega-Quader, mit Ofen, Mikrowelle, Dreiflammenherd und einem großzügigen Bad. Und beim Stil des Innenraums setzen die Briten auf traditionelle Landhaus-Kuscheligkeit: Eichenholz-Dekor, dicke Textil-Auslegeware, mit Stoff tapezierte Seitenwände. Fehlt nur noch der offene Kamin. Doch, das können die Briten: einen Wohnraum gemütlich einrichten. Dazu passt das Sofagefühl auf den beiden Sitzbänken im Heck. Tagsüber ist so viel Lebensraum grandios: Die Wohnlandschaft lädt zur gemütlichen Runde ein oder zum Genießen, Faulenzen, Chillen, Lesen. Das kann man mögen – bis spät abends das dritte Glas Rotwein geleert ist, der Tisch im Schrank verschwindet und das Bettenbauen schwer von der Hand geht. Am besten ist man zu zweit, weil der ausziehbare Lattenrost leicht verkantet. Lohn der Mühe: eine superbreite Lümmelwiese. Knapp ist hier nur der Gepäckraum, denn in den Kästen unter den Bänken verschwindet tagsüber das Bettzeug. Eine Heckgarage oder ein anderes Fach für Sperrgut wie Campingmöbel gibt es nicht.

Fazit

von

Andreas Borchmann
Es gibt lange Kastenwagen mit mehr Stauraum. Und solche, in denen das Bettenbauen leichter fällt. Ein Paar, das mit diesen Einschränkungen leben kann, wird sich im Landstar RL wohlfühlen. Die Supersize-Sitzgruppe macht das Bordleben gemütlich und kommunikativ. Und: Das Bett ist fast unvernünftig breit. So was kann man mögen. Sie spinnen doch nicht, die Briten.

Von

Andreas Borchmann