Reisemobilisten, die sich schon mal mit dem Kauf eines kleinen Campervans beschäftigt haben, kennen diese Argumente: Er ist alltagstauglich. Er passt in jedes Parkhaus, da er unter zwei Meter Höhe misst. Er ist flexibel. Die Hersteller versprechen das Rundum-sorglos-Paket aus Campingfahrzeug, Kleintransporter und Pkw. Aber stimmt das auch? Wir haben in Hamburg den Alltagstest gemacht – mit dem neuen Crosscamp auf Basis des Toyota Proace Verso.

Die Verwandtschaft zum Pössl Campster ist unverkennbar

Crosscamp
Typisch Campervan: Der Grundriss aus Küche und Bank ist altbewährt. Das Aufstelldach spendet Licht und Bewegungsfreiheit.
Das ist er: Der neueste Sprössling der Erwin Hymer Group und der allererste kleine Campervan aus dem Konzern. Gebaut und entwickelt wird der Crosscamp bei Dethleffs in Isny. Also genau dort, wo auch der Pössl Campster entsteht. Ihre Verwandtschaft können die beiden Wohnmobile nicht leugnen. Sowohl der Ausbau als auch das Basisfahrzeug haben – vorsichtig ausgedrückt – sehr viele Gemeinsamkeiten. Kein Wunder, denn Proace und Citroën SpaceTourer werden im gleichen Werk gebaut. So wundert es auch nicht, dass der Grundriss des kleinen Toyota mit Schlafbank, Schränken, Küchenblock und Aufstelldach fast schon klassisch zu nennen ist. Für Experimente bleibt auf so beschränktem Raum aber auch kaum Platz. Der matte grau-weiße Ausbau ist hochwertig verarbeitet, passt hervorragend zum edlen Basaltgrau unseres Testwagens und unterstreicht seinen städtischen Lifestyle-Charakter.
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Wo Dickschiffe aufgeben, passt der Crosscamp durch

So fährt er: Teststrecke sind dieses Mal die engen Gassen, schmalen Garagen und winzigen Parkplätze der Hamburger Innenstadt. Also dort, wo andere Reisemobile normalerweise draußen bleiben müssen. Dass die erste Parkhauseinfahrt nur 1,90 Meter hoch ist, mag noch Pech sein. Doch nachdem wir vor dem siebten öffentlichen Parkhaus rund um die Alster umdrehen müssen, zeichnet sich ein Muster ab. Das Problem: Entweder ist der Crosscamp zu hoch oder – und das ist das größere Hindernis – zu schwer. Selbst in ein großes Einkaufszentrum im Hamburger Norden, wo die Häuser nicht alt und die Flächen nicht dicht bebaut sind, dürfen wir nicht rein. Die Gewichtsbeschränkung auf zwei Tonnen lässt uns zum achten Mal an diesem Tag vor der Einfahrt wenden. Genau hier liegt dann allerdings die Stärke des Crosscamp. Mit 4,96 Meter Länge und 1,92 Meter Breite misst er nicht mehr als ein moderner Kombi und lässt sich damit leicht in schmalen Gassen rangieren. Und falls es doch mal etwas knifflig wird, unterstützen die Rückfahrkamera mit 180-Grad-Vogelperspektive und die Parksensoren (Safety-Sense-Paket, 1199 Euro) das Manöver. Die butterweiche Achtstufenautomatik gepaart mit dem kraftvollen 177-PS-Diesel (4649 Euro) lassen die Erinnerung an die Parkhaus-Misere schnell verschwimmen. Einen dicken Pluspunkt gibt's noch für das geschmeidig federnde Fahrwerk. Ein Wermutstropfen für sportliche Fahrer: Der Proace ist bei 170 km/h abgeregelt, obwohl unser Testwagen da erst bei 2500 U/min lief.

Der Küchenblock lässt sich schnell ausbauen

Das hat er: Eine Serienausstattung, die weder besonders üppig noch besonders spartanisch ist. Zum Einstiegspreis von 42.999 Euro kommen noch u. a. die Webasto-Dieselheizung (2199 Euro), die fest verbaute Kühlbox in der Küche (699 Euro) und die Schwanenhalsleuchten mit integrierter USB-Buchse (159 Euro) hinzu. Dafür sind die gemütliche Schlafsitzbank, das Aufstelldach und der herausnehmbare Küchenblock an der zweiten Schiebetür schon ab Werk verbaut. Steht die Küche erst einmal im Freien, gibt's im Toyota auch genug Platz, um im Möbelhaus des Vertrauens eine kleine Shoppingtour zu unternehmen.
Fazit von Jenny Zeume: Bis in den letzten Winkel der Stadt fährt der Crosscamp dann doch nicht. Dafür ist er zu hoch und zu schwer. Doch seine Wendigkeit und seine Assistenten machen ihn zu einem tollen Alltags- und Freizeitbegleiter. Den Proace als Basis wünschen wir uns öfter! Urteil: vier von fünf Punkten.

Bildergalerie

Der Crosscamp im Wohnmobil-Test
Der Crosscamp im Wohnmobil-Test
Der Crosscamp im Wohnmobil-Test
Kamera
Der Crosscamp im Wohnmobil-Test

Von

Jenny Zeume