Dacia Dokker: Gebrauchtwagen-Test
Darauf sollten Sie beim gebrauchten Dokker achten

Als günstiger Hochdach-Kombi machte sich der Dacia Dokker einen Namen. AUTO BILD checkt die Marktlage, erklärt Stärken und Schwächen.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Er ist kein Statussymbol. Und dennoch extrem begehrt. Ein junger Dacia Dokker ist gegenwärtig, wenn überhaupt, kaum günstiger als einst als Neuwagen zu haben. Doch warum ist der rund 62.000-mal in Deutschland verkaufte Hochdachkombi der Renault-Tochter Dacia gebraucht so enorm beliebt?
Die Wertstabilität des Dokker ist enorm
Das ist er: Der ungekrönte Pragmatiker in der Dacia-Modellpalette. Ende 2012 auf dem deutschen Markt eingeführte, nutzt der Dokker reichlich Renault-Konzerntechnik und wurde im Werk Tanger in Marokko gefertigt. In der Kategorie Raumvolumen pro Euro ist er als Pkw-Modell kaum zu schlagen, selbst mit sehr ordentlicher Stepway-Plus-Ausstattung kostete er zum Baureihenende selten mehr als 15.000 Euro. Das gilt für Gebrauchtfahrzeuge jedoch nicht immer. Bedingt durch die hohe Nachfrage sind junge Fahrzeuge mit guter Ausstattung und Stepway-Paket gesucht und teuer. Selbst für zehn Jahre alte Exemplare mit Laufleistungen von unter 150.000 Kilometern werden gebraucht meist gut und gerne 6000 bis 7000 Euro aufgerufen.
Ein wesentlicher Grund für die enorme Wertstabilität ist das mit 800 bis 3000 Litern benchmarkverdächtige Ladevolumen. Es übertrifft den indirekten Nachfolger Dacia Jogger (neu als Essential 5-Sitzer aktuell ab 16.900 Euro) deutlich. Dieser kann maximal 1809 Liter zuladen, was absolut gesehen immer noch reichlich ist, aber einen gravierenden Laderaumverlust von 1191 Litern bedeutet. Für etliche nutzwertorientierte Dacia-Fans scheint dies indiskutabel zu sein. Wesentlich hemdsärmeliger und gebraucht billiger sind die nackten, gewerblich oftmals hart vorgenutzten Express-Versionen mit bis zu 3900 Liter Laderaumvolumen. Nicht werksoriginal sind wiederum Dokker-Campingumbauten: Etliche Kunden nutzten die Fahrzeugbasis als Ausgangspunkt für ein individualisiert ausgebautes Mikro-Wohnmobil.
Technische Daten
Blue dCi 95 | TCe 130 | SCe 100 LPG | |
|---|---|---|---|
Motor | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer | Vierzylinder/vorn quer |
Ventile/Nockenwellen | 2 pro Zylinder/1 | 4 pro Zylinder/2 | 2 pro Zylinder/1 |
Hubraum | 1461 cm³ | 1332 cm³ | 1598 cm³ |
Leistung | 70 kW (95 PS) bei 3750/min | 96 kW (131 PS) bei 5000/min | 75 kW (102 PS) bei 5500/min |
Drehmoment | 220 Nm bei 1750/min | 220 Nm bei 1750/min | 145 Nm bei 4000/min |
Höchstgeschw. | 168 km/h | 189 km/h | 164 km/h |
0–100 km/h | 12,5 s | 9,4 s | 13,1 s |
Tank/Kraftstoff | 50 l/Diesel | 50 l/Super | 33,6 l/LPG |
Getriebe/Antrieb | Sechsgang man./Vorderrad | Sechsgang man./Vorderrad | Fünfgang man./Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 4390/1767/1804 mm* | 4390/1767/1804 mm* | 4390/1767/1804 mm* |
Kofferraumvolumen | 800-3000 l | 800-3000 l | 800-3000 l |
Leergewicht/Zuladung | 1382/525 kg | 1322/525 kg | 1280/546 kg |
Was spricht speziell für einen späten Dokker nach dem 2017 vorgestellten Facelift? Neben einem frischen Frontdesign und 16-Zoll-Alufelgen für die Stepway-Version wurde der Innenraum mit einer schmalen Armlehne für den Fahrer, zwei Klapptischchen im Fond sowie einer Rückfahrkamera für das Infotainmentsystem aufgewertet. Weitere Fahrassistenzsysteme bietet der für rustikale Fahr- und Transportbedarfe konzipierte Dokker nicht. Er blieb bis zum Auslauf der Baureihe 2021 stets ein ungewöhnlich kerniger Auto-Typ.
Fünf Personen plus Gepäck sind kein Problem
Das hat er: Mit je nach Ausstattung ein oder zwei 70 Zentimeter breiten Schiebetüren und seiner 1,80 Meter hohen Dachlinie macht der Dokker unmissverständlich klar, dass bei ihm die Musik im Fond spielt. Sein enormes Platzangebot reicht für fünf Personen und reichlich Gepäck locker aus. Notfalls schiebt man eine Europalette direkt in den Frachtraum. Nicht stören darf man sich an den großen, unverkleideten Blechpartien im Innenraum und scheppernd schließenden Schiebetüren. Eine dritte Rücksitzbank gab es im Gegensatz zum älteren Logan MCV leider nie. Die von uns gefahrene Stepway-Plus-Version bietet passablen Komfort und bemüht sich mit umlaufenden Kunststoffbeplankungen und Alufelgen um etwas Coolness.

Riesiges Heckabteil mit maximalem Nutzwert. Wer sich an hartem Plastik stört, hat das Konzept nicht verstanden.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Wie sauber sind die Antriebe? Anfangs war noch Euro 5 Standard, 2015 wurde die neue Euro- 6-Motorengeneration eingeführt. 2019 folgte die Umstellung auf die nochmals strengere Euro-6d-Temp-Abgasnorm. Besonders begehrt bei Sparfüchsen sind die werksseitig umgerüsteten LPG-Versionen. Durch die niedrigeren Autogaspreise fährt der Dokker besonders günstig.
Eine entspannte Fahrweise ist empfehlenswert
So fährt er sich: Ursprünglich – wer sich für einen Dokker begeistern möchte, sollte seine Ansprüche an Fahrdynamik und Fahrkomfort nicht allzu hoch setzen. Die Vorderachse ist eine MacPherson-Konstruktion mit unteren Querlenkern und Querstabilisator. Sie verhielt sich bei unserem 59.978 Kilometer jungen Fotofahrzeug unauffällig, leidet jedoch laut TÜV-Statistik überdurchschnittlich oft bereits im zweiten HU-Prüfzyklus unter verschlissenen Lagern. Als Hinterachslösung entschieden sich die Dacia-Ingenieure für eine schlichte, aber dafür recht robuste Verbundlenker-Konstruktion mit Schraubenfedern. Entspannte Fahrweise ist empfehlenswert. Dann nervt auch nicht, dass die Lenkung indirekt arbeitet und die Schaltwege arg lang sind. In engen Kurven merkt man schnell, dass das Fahrwerk weich, aber recht sicher abgestimmt ist und die schaumigen Sitze keinen nennenswerten Seitenhalt bieten.
Gefällt uns
- Enormes Raumangebot
- Gute Wirtschaftlichkeit
Gefällt uns nicht
- Contra IconSchlichte Verarbeitungsqualität
- Rustikaler Fahrkomfort
Ab Landstraßengeschwindigkeit schwillt im Innenraum die Geräuschkulisse an. Tempo 130 ist das auf Dauer erträgliche Maximum. Welche Motorisierungen passen zum Dokker? Im Laufe der Bauzeit gab es nicht weniger als 15 unterschiedliche Optionen mit Diesel-, Benzin- und zusätzlichem LPG-Antrieb. Der 1600er-Saugbenziner sieht auf dem Papier schlapp aus, gilt aber in der Dacia-Szene als robuste Konstruktion mit angenehmer Elastizität. Ebenfalls empfehlenswert ist der dCi 95-Turbodiesel (Euro 6), ihn fährt man ohne große Anstrengung mit einer Fünf vor dem Komma.
Die moderneren TCe-Turbobenziner fallen teilweise mit Ölverbrauchsproblemen negativ auf. Erstaunlich agil geht der drehfreudige 1300er-Topbenziner mit 131 PS zur Sache. Laut Fahrzeugpapieren wäre mit ihm Spitzentempo 189 möglich. Wichtiger: Unser bei Dacia scheckheftgepflegter Dokker zeigte sich fahrwerkstechnisch von der erfreulich unauffälligen Seite. Bei der Probefahrt traten weder Poltergeräusche noch Lenkspiel oder andere Indizien für Fahrwerksdefekte auf.
Vorsicht bei den einst beliebten Reimporten
Das macht Ärger: Trotz des Billig-Images und knapp kalkulierter Neupreise bot Dacia Deutschland konkurrenzfähige Garantieumfänge: drei Jahre oder 100.000 Kilometer Neuwagengarantie, zwei Jahre Lackgarantie sind ordentlich. Unterdurchschnittlich fällt hingegen die Durchrostungsschutzgarantie aus, sie gilt nur magere sechs Jahre lang. Positiv ist wiederum die Mobilitätsgarantie: Sie gilt bei Einhaltung der Serviceintervalle ein Autoleben lang und europaweit. Vorsicht ist jedoch bei den zahlreichen Reimporten angebracht, die aufgrund langer Lieferzeiten beliebt waren. Hier können die Garantieumfänge auch mal anders aussehen!
Rückrufe: Beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sind sechs Rückrufe für das Raumwunder Dokker hinterlegt. 2014: unzureichend befestigte Rücksitzbank; 2016: Lenkungsausfälle durch Spurstangenbrüche; 2016: Späne im ABS-Block; 2017: mangelhafte Schiebetürenmechanik; 2019: Funktionsbeeinträchtigungen des Fahrerairbags; 2020: beschädigte Katalysatoren durch Schweißfehler.
Unterhaltskosten: Dacia Dokker Stepway Plus TCe 130
Testverbrauch | 7,4 l S/100 km |
|---|---|
CO2 | 138 g/km |
Inspektion | 220-500 Euro |
Haftpflicht (19)* | 585 Euro |
Teilkasko (17)* | 591 Euro |
Vollkasko (16)* | 863 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 164 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine | 1035 Euro |
|---|---|
Anlasser | 791 Euro |
Wasserpumpe | 515 Euro |
Zahnriemen | entfällt, Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 521 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 1522 Euro |
Bremsscheiben und -klötze v. | 654 Euro |
Infotainmenteinheit | 500 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 195/55 R 16 91V) | 730 Euro |
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