Aus einer fernen Galaxie scheinen die kleinen Kisten zu kommen. Vans? Voll out! Auch das ulkige Styling traf hierzulande nicht auf allzu viel Akzeptanz. Speziell der Cube kam nie über den Exotenstatus hinaus. Der Materia, bis vor ein paar Jahren in unregelmäßigen Abständen im Verkehrsgeschehen anzutreffen, hat sich inzwischen auch zur automobilen Randnotiz degradiert. Das Angebot ist entsprechend überschaubar. Auf autoscout24.de sind mehr gebrauchte Lotus Evora gelistet als Materia und Cube zusammen. Daher sind wir fast schon stolz, dass wir die beiden Aliens zusammen auf ein Bild bekommen haben.

Die Sitzhöhe des Cube überragt die des aktuellen Tiguan

Nissan Cube
Mehr Komfort-Gimmicks im Cube, das Werks-Navi mit Bluetooth funktioniert noch tadellos.
Der Clou dieser japanischen Sonderlinge ist ihr Format. Beide messen unter vier Meter, der Materia ist mit seinen 3,80 Metern sogar satte 25 Zentimeter kürzer als ein Polo. Und doch passt aufgrund der kastigen Form ganz viel rein. Vor allem der Cube offenbart die Vorzüge seines Aufbaus schon beim Einsteigen. Dank großer Türausschnitte lässt sich der Nissan vorn wie hinten angenehm einfach entern. Und die Sitzhöhe überragt mit 675 Millimetern die des aktuellen Tiguan um 2,5 Zentimeter. Außen Box-Design, innen sind Wellenformen das stilprägende Thema. Lautsprecherabdeckungen, die Form des Armaturenträgers und auch der Himmel sind entsprechend dreidimensional gestaltet. Für einen Würfel, so die deutsche Übersetzung des Modellnamens, besitzt der Cube überraschend viele runde Elemente, wie etwa die Klimabedieneinheit.

Gemeinsamkeit: schlechter Komfort bei hoher Geschwindigkeit

Daihatsu Materia
Doppelendrohr-Auspuff, große Räder, kleine Überhänge: Der Materia sieht dynamischer aus als der Cube.
Der Daihatsu verzichtet weitgehend auf solche Design-Spielereien, wirkt innen daher nüchterner. Und hinter dem Lenkrad sitzend mutet der Materia eher wie ein Pkw als ein Mini-Van an. Ausnahme ist der lange Schalthebel im VW-T3-Format, der über ein Gestänge die Gänge im hakeligen Getriebe sortiert. Hier verspricht ein Getriebeölwechsel übrigens Besserung, so behaupten es Materia-Besitzer in den Foren. Auffallend beim Fahren ist das geringe Gewicht, die gut 100 PS sorgen für flotten Vortrieb. Mit seinem Doppelendrohr-Auspuff (kein Fake), großen Rädern, kleinen Überhängen und dem Bilstein-Fahrwerk (Bestandteil der Black Edition) sieht der Materia nicht nur dynamischer aus, er fährt sich auch so. Zumindest im Vergleich zum Cube, der deutlich weicher abgestimmt ist und eine indirekte und ungenaue Lenkung besitzt. Mit seinen 110 PS ist er aber ebenfalls kein längsdynamischer Phlegmatiker. Beiden gemein ist dagegen der schlechte Komfort bei höheren Geschwindigkeiten. Dünne Bleche und steile Windschutzscheiben sorgen für reichlich Windgeräusche. Dazu bringt Seitenwind speziell den Cube schnell vom Kurs ab. Und auch die Dämmung der beiden Mini-Vans lässt zu wünschen übrig. Einige geräuschgeplagte Materia-Besitzer bekleben die Karosserie daher nachträglich mit Körperschalldämmmatten. Im urbanen Verkehrsgetümmel brillieren Cube und Materia dafür mit ihrem schmalen Format und ihren kleinen Wendekreisen. Der Radius des Daihatsu beträgt sogar weniger als zehn Meter.

Trotz hoher Laufleistung ist der Nissan gut in Schuss

Beim Thema Variabilität hat der Cube die Nase leicht vorn. Zwar bieten beide eine verschiebbare Rückbank, deren Rückenlehne sich weit neigen lässt. Doch der Cube sticht den Materia mit der weitaus größeren Anzahl von Ablagefächern und Cupholdern aus. Eher unpraktisch dagegen: die seitlich angeschlagene Hecktür. Fast verblüfft hat uns der Zustand des Nissan, trotz knapp 300.000 Kilometer Laufleistung sind Motor und Getriebe knochentrocken. Klimaautomatik und die komplette Elektronik funktionieren hier wie am ersten Tag. Das trifft auch auf den Materia zu, dessen Vorbesitzer aber deutlich weniger Kilometer abgespult haben. Nicht so gut in Schuss ist sein Unterboden. Rost hat sich an Trägern, Fahrwerksteilen und überall dort breitgemacht, wo Bleche übereinanderliegen. Das sieht beim Cube besser aus, weshalb er am Ende einen halben Stern mehr einheimst.

Bildergalerie

Gebrauchtwagen-Test Daihatsu Materia, Nissan Cube
Gebrauchtwagen-Test Daihatsu Materia, Nissan Cube
Gebrauchtwagen-Test Daihatsu Materia, Nissan Cube
Kamera
Gebrauchtwagen-Test Daihatsu Materia, Nissan Cube

Fazit

In Japan sind Nissan Cube und Daihatsu Materia (läuft dort als Toyota bB) längst Kult. Bei uns in Deutschland interessiert sich fast keiner für so einen Lieferwagen im Bonsai-Format. Schade eigentlich, denn die außergewöhnliche Gattung verdient viel mehr Beachtung: klein, praktisch, auffallend und trotzdem zu rückhaltend. Auch in puncto Qualität sind beide Exoten keine Enttäuschung. Urteil Daihatsu Materia: drei von fünf Punkten, Urteil Nissan Cube: 3,5 von fünf Punkten.