Dass Familie Klien Campervans ausbaut, klingt irgendwie logisch. Bei genauerer Betrachtung fragt man sich, warum die drei überhaupt jemals etwas anderes getan haben. Denn bei so viel Kompetenz ist der Weg eigentlich vorbestimmt: So sind Andrea und Thomas von Haus aus seit mehr als 30 Jahren leidenschaftliche Camper, Thomas ist zudem Reisejournalist, Andrea arbeitet passioniert mit Stoffen, und Sohn Tim ist gelernter Kfz-Mechatroniker und absolviert derzeit das Masterstudium in Fahrzeugtechnik. Von Kastenwagen über Alkoven bis hin zum Van haben die sympathischen Kliems alles probiert, bis der Gedanke kam: Das machen wir selbst, das können wir besser!
Und so startete im Dezember 2020 das Familien-Start-up in Kalkar am beschaulichen Niederrhein zunächst mit zwei privat ausgebauten Fahrzeugen. Als dann die ersten Interessenten vor ihnen standen und die Camper kaufen wollten, war der Entschluss gefasst. Beim Ausbau der alltagstauglichen Mobile gibt es ein klares Konzept: "Im Prinzip bauen wir die Fahrzeuge so, weil wir selber damit in den Urlaub fahren. Deshalb entwickeln wir Lösungen, die zwar simpel erscheinen, aber die Qualität des Reisens erhöhen", erklärt Tim. Und das sieht man sofort!
Oben Office, unten Ausbauhalle: die ehemalige Motorradwerkstat.
Bild: Stefan Rogge
So stecken jede Menge Details in dem Dailycamper, auf die nur waschechte Camper kommen können. "Wir dachten zum Beispiel, dass es doch schön wäre, wenn man das Heckfenster von innen öffnen könnte", berichtet der Student. Ist das von Werk aus bei dem Fiat Scudo, der als Basisfahrzeug dient, nicht möglich, hat Familie Kliem kurzerhand einen Mechanismus entwickelt, um das Fenster zu öffnen und einen Spalt offen zu halten. "So kann das Fenster auch bei Regen offen bleiben, und der Wagen ist trotzdem abschließbar", verdeutlicht Thomas.

Arbeiten routiniert zusammen: Jede einzelne Schraube geht durch Tims und Thomas' Hände.
Bild: Stefan Rogge

Detailverliebtes Ausbaukonzept

Solche raffinierten Ideen ziehen sich durch das gesamte Ausbaukonzept. Derzeit arbeitet das Familienunternehmen zum Beispiel an einem Belüftungsgitter für das Schiebefenster. Und beim Blick auf die Sitzgruppe fällt auf, dass der einhängbare Klapptisch einen schrägen Fuß hat. "So haben beide die nötige Beinfreiheit", sagt Tim. Hinzu kommen zahlreiche Standards, die einfach, aber gut verbaut sind, wie zum Beispiel Kühlbox, Gaskocher, Standheizung, ein Schwerlastauszug am Heck oder der Stromlaufplan, den ebenfalls der Sohn entwickelt hat.
Ein besonderes Augenmerk legen die Kliems auf die Isolierung der Fahrzeuge. "Das ist uns wirklich wichtig", berichtet Thomas. Beim Möbelbau werden nur Materialien verwendet, die hitzebeständig sind und kratzfeste Oberflächen haben.
Absolute Detailverliebtheit: Beinfreiheit dank schrägem Tischbein.
Bild: Stefan Rogge
Sämtliche Kanten bekommen Alukappen. Sogar eine mobile Toilette bekommen Vater und Sohn in dem knapp fünf Meter langen Wagen unter. Sie steckt unter der Bettkonstruktion und kann bei Bedarf herausgezogen werden.

Ausbau dauert drei bis vier Wochen

Zehn bis zwölf Fahrzeuge bekommen die drei im Jahr fertig. Für einen Ausbau benötigen sie ungefähr drei bis vier Wochen. Den Scudo als Basisfahrzeug nehmen die Kliems aus Überzeugung. "Das Fahren ist einfach komfortabel, hinzu kommt ein geringer Verbrauch", erklärt Thomas. Für Schlafkomfort sorgt eine Kaltschaummatratze mit zusätzlicher Fleeceauflage. Alles in Handarbeit von Andrea genäht. "Bei der Verdunkelung vorne schauen wir, dass die Stoffe wirklich blickdicht sind", berichtet sie. Auch Tisch und Stühle dürfen im Dailycamper nicht fehlen. "Das Auto ist so ausgestattet, dass man jederzeit damit reisen kann, wir wollen keine Extras verkaufen", sagt Thomas.
Scheint zu passen! Andrea testet ihre Verdunkelung für die Beifahrertür.
Bild: Stefan Rogge
Das Konzept der Kliems scheint gut anzukommen. So haben bereits 40 Fahrzeuge den Besitzer gewechselt. Eine Kundin kam sogar extra aus Österreich an den Niederrhein, um ihren Dailycamper abzuholen. Überhaupt schauen immer mal wieder Kundinnen und Kunden bei den Kliems vorbei. "Wir denken dann: Jetzt kommen sie und haben schlecht geschlafen oder beschweren sich, aber es kommt zum Glück immer nur positives Feedback", erzählt Thomas. Kein Wunder, vermittelt ein Dailycamper doch die Begeisterung der Kliems für ihr Fahrzeug in jedem Winkel.