Daimler-Chef Dieter Zetsche im Interview
Deutsche Hersteller "hochwillkommen"

Daimler-Chef Dieter Zetsche möchte mehr Wettbewerb in der Formel 1 und fordert andere deutsche Marken auf, einzusteigen. Das Interview!

Rupert Stadler (Audi, links) und Dieter Zetsche (Daimler) beim Goldenen Lenkrad. Zetsche würde sich über deutsche F1-Konkurrenz freuen.
Bild: Jens-Ulrich Koch
Formel 1 ist interessanter als Le Mans

Zetsche (links) mit Matthias Müller (Porsche). Die Sportwagen-Domäne interessiert den Daimler-Chef aber nicht so sehr wie die Königklasse.
Bild: Christian Spreitz
Kein Verständnis für Langeweile-Kritik
Der Daimler-Chef weist die Kritik an der aktuellen Formel 1 denn auch weit von sich: "Es ist absurd davon zu sprechen, dass die Formel 1 tot ist", so Zetsche. "Ich kann mich schwer an eine spannendere Saison erinnern. Die Kritik wurde zum großen Teil von jenen angeführt, die dieses Jahr nicht erfolgreich waren." Für den Stern-Boss steht dagegen fest: "Das sind superschnelle Rennwagen, die auch super schwierig zu fahren sind. Manche Rennfahrer haben das in diesem Jahr nicht so gut hingekriegt, was das belegt." Eine Spitze in Richtung Ex-Weltmeister Vettel? Ein deutscher Mercedes-Weltmeister ist für Zetsche indes kein Muss. "Ich war nie ein Anhänger von der deutschen Nationalmannschaft im Motorsport", betont er. "Wir verkaufen unsere Autos in 200 Märkten auf der ganzen Welt. Für mich war mir wichtig, dass einer der beiden auf der obersten Stufe steht, in der Hoffnung, dass der andere direkt dahinter steht. Wie rum das ausgeht, haben wir uns komplett neutral verhalten. Alles andere wäre ein Spaßkiller gewesen."
Kommunikation und Vermarktung der F1 ist verbesserungswürdig
Außerdem kritisierte Zetsche die Kommunikationsstrategie von Chefvermarkter Bernie Ecclestone: "Ganz sicherlich nutzen wir das Potential der Formel 1 nicht ausreichend aus, weil wir die Kanäle, die sie zur Kommunikation mit ihren Fans braucht, nicht in professioneller Art und Weise nutzen." Der Daimler-Vorstand kündigt deshalb an: "Wir werden uns da noch stärker engagieren, um einen Beitrag zu leisten, den Sport in dieser Hinsicht zu professionalisieren. Jüngere Fans stärker zu engagieren ist eine zentrale Frage, die auch nicht kostenlos zu adressieren ist." Auch die Agenda der kleineren Teams will Mercedes offenbar unterstützen. "Natürlich haben wir ein Interesse daran, dass wir – innerhalb gewisser Grenzen – ein möglichst breites Teilnehmerfeld haben", sagte Zetsche. "Die Einnahmen in der Formel 1 werden zwischen CVC und den Teams aufgeteilt. Von den großen Teams haben wir dabei das kleinste Stück vom Kuchen abbekommen. Das größte Stück ist beim Shareholder (CVC; d. Red.). Insofern sind wir an konstruktiven Gesprächen beteiligt, sehen uns aber nicht in der vordersten Front stehend."
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