Das braucht es, um einen Campingplatz zu betreiben
Der Traum vom eigenen Campingplatz

Arbeiten im Grünen, nur nette Leute um sich herum – und im Winter monatelang frei. Wirklich? Eigentümer, Suchende und Vermittler von Campingplätzen erzählen hier, was davon stimmt, was man unbedingt draufhaben muss und welche Rolle der Zufall spielen kann.
Bild: Jäger
- Roland Kontny
Das Paradies steht zum Verkauf. 1,2 Millionen Euro wünscht sich Eckhard Jäger (68) für sein Camping-Paradies Grüner Jäger mit 99 Stellplätzen auf Eigenland in Sottrum bei Bremen. Ihm und seiner Frau Sieglinde (63) sicherte er über Jahrzehnte die Existenz. Mal gut, sagt er, als ein Schild direkt an der nahen A 1 auf den Platz hinwies, mal nicht so gut, als 2010 die nahe gelegene Autobahnauffahrt verschwand.
Als Achtjähriger kassiert er 1962 die Gäste auf der Liegewiese an der Wümme ab, repariert als Teenager mit seinem Vater Dächer, macht eine Lehre in einem Bremer Hotel, verzichtet in den vergangenen 15 Jahren auf Urlaub.
Ein Leben für den eigenen Platz. "Wir haben bei unseren privaten Plänen häufig 'Später' gesagt. Jetzt wissen wir: 'Später' gibt es nicht." Aus gesundheitlichen Gründen muss jetzt ein Nachfolger her.
Eigener Campingplatz bleibt oft ein Traum
Eine einschneidende Entscheidung, bei der Alexander Friedrich die Jägers begleitet. Eine Handvoll Campingplätze vermittelt der Berliner Makler im Jahr. Eine schwierige Aufgabe: "Für jeden Verkäufer ist es ein sehr emotionaler Prozess. Gleichzeitig geht es nicht nur um eine Immobilie, sondern um eine Unternehmensnachfolge. Für den einen hat es einen Wert, für den anderen einen Preis."
Emotionen hüben, kaufmännisches Kalkül drüben – das benötige Zeit, die sich nicht verkürzen lasse. Es dauere Monate, bis ein Geschäft stehe. Das sagt auch Klaus Miegel aus Iffeldorf (Bayern), der seit 20 Jahren Plätze vermittelt und von 10.000 Interessenten in der Kartei spricht. Bundesweit sind ständig etwa 100 Angebote auf dem Markt. Der Traum vom eigenen Campingplatz bleibt für viele ein Traum.
Olga und Florian Ullrich leben ihn seit 2022 mit dem MainCamping. Bei der Ausschreibung der Pacht durch die Gemeinde Miltenberg (Bayern) erhielten die beiden den Zuschlag. Zumindest Florian wusste, worauf er sich einlässt, denn der Platz gehörte einst seiner Oma und dann den Eltern: "Der Tag beginnt um sechs und endet um 22 Uhr. Auch im Winter bin ich jede Woche mindestens einmal hier", sagt der 35-Jährige.

Olga (37) und Florian (35) Ullrich sind seit 2022 glückliche Pächter. Ihr Platz MainCamping in Miltenberg hat 60 Touristenplätze.
Bild: MainCamping
Neben handwerklichem Geschick ist noch etwas unbedingt gefragt: immer freundlich bleiben, um im entscheidenden Moment doch die Ellenbogen auszufahren. Für die Ullrichs wohl kein Problem, denn mit dem Platz haben sie auch ihr Glück gefunden.
Ganz ähnlich geht es Patricia und Mirko Foltys, die dem Zufall dankbar sind: 2018 feiern die beiden Bankfilialleiter ihre Hochzeit auf dem Campingplatz Badesee Vogel in Trebur (Hessen). Der damalige Eigentümer fragt auf der Feier, ob sie Lust hätten zu übernehmen: Platz, Schwimmbad, Gastro. Sie grübeln in den Flitterwochen – und schlagen ein.

Gastgeber am Badesee Vogel sind Patricia (32) und Mirko (37) Foltys. Den Platz in Trebur bot ihnen der Vorbesitzer 2018 auf ihrer Hochzeitsfeier an.
Bild: Foltys
Noch heute freuen sich die Eheleute über diese Fügung: "Es ist noch mehr Arbeit als gedacht, aber wir sind glücklich. Dass uns ausgerechnet ein Campingplatz so erfüllt, hätte ich in 1000 Jahren nicht gedacht", so Mirko Foltys.
Verkauf eines Campingplatzes ist ein emotionaler Prozess
Bei Peter Jensen und seiner Frau Geli half einst "Kanu-Doms" nach: 1996 überredet der Freund und Bootsbauer den Fernfahrer und die Verkäuferin, eine Zeltwiese für Kanuten am Flüsschen Treene auf der Rückseite ihres Hofs in Silberstedt (Schleswig-Holstein) einzurichten. Heute, mit 70 Jahren, blicken sie auf 60 Stellflächen, einen Kanuverleih, die Gaststätte – und 27 Jahre Erinnerungen, die für ein Buch reichen: "Wir hatten schon den polnischen Konsul als Gast, und jedes Jahr treffen sich hier diverse Oldtimerclubs."
Peter Jensens Augen leuchten beim Erzählen; gerne wären er und seine Frau noch einmal 30 Jahre jünger. Nicht um alles anders, sondern um einfach weiterzumachen. Doch die Entscheidung steht: Verkauf. Mit Peter Marschner (34) ist gerade ein Interessent vor Ort, der ein "Investment" sucht. Persönlicher Wert versus nackte Zahlen. Dazwischen: einige Hunderttausend Euro.

1996 fingen die Jensens mit einem Zeltplatz für Kanuten an. Nun sind sie 70 und wollen kürzertreten. Die Lage ist gut: direkt an der Treene (Schleswig-Holstein).
Bild: Jensens
Nicht immer gibt es ein Happy End. Tourismuswirtin Antje Vollmer aus Büsum startete 2015 ihre Suche. Bildete sich fort, fuhr sechs Jahre kreuz und quer, sprach mit Banken, Besitzern, Behörden, zog um, richtete ihr Leben aufs Finden aus – ohne Erfolg. Ihre Erfahrungen und Kenntnisse gibt sie in einem Buch an aktive Träumer und Unternehmer in spe weiter.
Konzept gefragt – mal eben pachten ist nicht
Andernorts stehen Beteiligte vor großen Herausforderungen. In Prerow (Mecklenburg-Vorpommern) sucht das Nationalparkamt einen neuen Pächter für den Platz im Schutzgebiet. Von dem verlangt es nicht weniger als ein "Konzept mit Modellcharakter", das die "Schutzziele im Nationalpark" ebenso berücksichtigt wie eine "klimaneutrale Bauweise und Energieversorgung". Mal eben pachten ist nicht.
Im bayerischen Fischbachau steht noch immer die 2019 angekündigte Eröffnung der Glockenalm aus. Zu den Gründen gibt der Eigentümer keine Auskunft; die lokale Presse mutmaßt, er habe er sich mit seinen diversen touristischen Angeboten verzettelt. In Schöneck (Sachsen) können sich die politischen Lager nicht einigen, ob ein seit Jahren geplanter Campingplatz mit oder ohne öffentliches Freibad entstehen soll.
Am Ende, sagt Makler Friedrich, würde jeder Platz von einem neuen Betreiber zum Leben erweckt. Vor deren Willen und Mut lässt sich nur der Hut ziehen.
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