Geräumig und gut, so lautete das erste Testfazit für den LMC Tourer Lift H 664 G, der seit Mai den Fuhrpark von AUTO BILD REISEMOBIL bereichert (Heft 7/2024). Ein Freispruch ist das keinesfalls, denn nun muss der Teilintegrierte seine Qualitäten als Dauerläufer unter Beweis stellen. Die eigentliche Bewährungsprobe beginnt im Womo-Alltag, auf Touren, wie sie wohl jeder Camper kennt. Die erste führte nach Südtirol und wurde gleich zu einer Art Bildungsreise, selbst für den erfahrenen Reismobilredakteur.
Erkenntnis Nummer eins: Räder gehören ins Womo, nicht ans Heck. Beim Bulli oder Kastenwagen ist die Sache klar: Fahrräder reisen auf dem Heckträger mit. Ein solcher ist auch am LMC verbaut, wie an vielen Mobilen in dieser Liga. Aber will man den Träger nutzen? Am Heck sind die Räder dem Wetter ausgesetzt und sind selbst angeschlossen ein Appetithappen für Diebe. Zwar gibt es Schutzhüllen, aber die flattern im Wind und verschleißen schnell.

Wie wird das Fahrrad am besten im Reisemobil transportiert?

Wer ein Mobil der Siebenmeterklasse fährt, zieht zum Fahrradtransport sicherlich den Gepäckraum in Betracht. Und steht damit vor einem Problem: Wie die Räder sichern, ohne dass der edle Carbonrahmen zerkratzt? Schließlich reist allerlei Krempel mit. Spanngurte sind eine Lösung, aber fummelig zu bedienen und eigentlich immer im Weg. Insofern bieten sich spezielle Fahrradhalterungen für den Transport im Womo an.
LMC Tourer Lift H 664 G
Passt: Ein Gravelbike und ein leichtes E-Rad finden im 87 cm breiten Heckstauraum Platz, ohne dass die Lenker verdreht werden.
Bild: Matthias Moetsch / AUTO BILD
AUTO BILD REISEMOBIL hat sich Bikeinside angesehen. Das System des Münchner Ingenieurs Christian Teuber gibt es bereits seit 1992. Der Grundträger besteht aus einer leichten Aluminiumschiene, die mittels Knebelschraube teleskopisch verstellbar ist. Drei Auszugslängen stehen zur Wahl, sodass der Träger für eine Einbaubreite zwischen 80 und 175 Zentimeter passt. Auf der Teleskopschiene finden verschieb- und fixierbare Gabelaufnahmen Platz.
An denen wird das Bike mittels Schnellspanner oder Steckachse befestigt. Für die gängigsten Größen sind Adapter erhältlich, außerdem gibt es Extender, um die Fahrräder in Höhe und Länge variabel zu positionieren. Dies ist zum Beispiel nötig, wenn sich die Lenker im Weg sind.
LMC Tourer Lift H 664 G
Raumschiff: üppige Platzverhältnisse, aber es fehlt eine Abtrennung zum Heckbereich, falls Mitreisende früher zu Bett wollen.
Bild: Matthias Moetsch / AUTO BILD
Vorteil von Bikeinside: Das System lässt sich mit wenigen Handgriffen demontieren und anderswo einsetzen, etwa in Hochdachkombis, die Platz für den aufrechten Radtransport bieten. Nachteil: Die Halterung sitzt nicht ganz so fest wie bei Systemen, die fest im Boden verankert sind. Auf der Alpentour im LMC-Kofferraum aber hielt Bikeinside und machte weder auf Serpentinenstrecken noch bei heftigen Fahrmanövern Anstalten, sich zu lösen. Test bestanden.

Technische Daten: LMC Tourer Lift Ford H 664 G

Technische Daten: LMC Tourer Lift Ford H 664 G
Motorisierung
2.0 EcoBlue 170
Motor/Bauart/Zylinder/Einbaulage
Diesel/in Reihe/vier/vorn quer
Hubraum
1995 cm3
kW (PS) bei U/min
125 (170) bei 3500
Nm bei U/min
405 bei 1750
Höchstgeschwindigkeit
140 km/h
Getriebe
Sechsstufenautomatik
Antrieb
Vorderrad
Bremsen vorn/hinten
Scheiben/Scheiben
Testwagenbereifung
235/65 R 16 C
Reifentyp
Continental VanContact Eco
Tankinhalt/Kraftstoffsorte
70 l/Diesel + 24 l AdBlue
Anhängelast gebremst/ungebremst
1400/750 kg
Länge/Breite/Höhe
7060/2320/2830 mm
Radstand
3954 mm
Testwagenpreis
90.495 Euro
Erkenntnis Nummer zwei: Anstiege sind ebenso schön wie Abfahrten. Wer mit dem Auto oder Wohnmobil auf Alpenpässen unterwegs ist und Rennradler sieht, die sich den Berg hochquälen, fragt sich: Wer tut sich so etwas an? Die Antwort lautet: ziemlich viele. 18.000 nahmen beim Sellaronda Bike Day 1700 Höhenmeter und vier Pässe unter ihre schmalen Reifen: Sellajoch, Grödnerjoch, Pordoi-Pass, Campolongo-Pass – 53 Kilometer am Stück.
LMC Tourer Lift H 664 G
Rund 18.000 Radler bezwangen die vier Dolomitenpässe.
Bild: Matthias Moetsch / AUTO BILD
Die langen Anstiege sind ebenso ein Erlebnis wie die (be-)rauschenden Abfahrten inmitten spektakulärer Dolomitenkulisse. Das funktioniert, weil die Strecke an zwei Samstagen im Jahr für den motorisierten Verkehr gesperrt wird. Ein Highlight, das Teilnehmer aus ganz Europa anzieht.
Ja, und dann waren da noch die entzückenden Campingnachbarn Sybille und Jens aus Grimma in Sachsen. Auch sie starteten ihr Sellaronda-Abenteuer in Corvara, auf nicht motorisierten und ziemlich schweren Mountainbikes. Eine respektable Leistung, die sie wohl nur dank ihrer Triathlon-Vergangenheit schafften.
Zufällig kreuzten sich bei der zweiten Station am Kalterer See die Wege erneut. Sybille und Jens wiesen ungefragt den Weg zum besten Campingplatz in der Gegend und zur schönsten Winzerstube. Es folgte der Austausch von AUTO BILD REISEMOBIL-Heften und Weinflaschen.
LMC Tourer Lift H 664 G
Das Insektenrollo am Panoramafenster gab früh seinen Geist auf.
Bild: Matthias Moetsch / AUTO BILD
Erkenntnis Nummer drei: Es muss nicht immer Fiat Ducato sein. Der Ford Transit als Basisfahrzeug konnte wirklich überzeugen, mit flotten Fahrleistungen und narrensicherem Fahrverhalten. Bei einem Verbrauch von 11 bis 13 Liter pro 100 Kilometer ist der 70-Liter-Tank aber zu klein, um große Sprünge zu machen.
Das Raumgefühl ist bestens, der Schlafkomfort im Heck nicht überragend, aber okay. Grobe Patzer leistet sich der LMC bei seiner ersten großen Tour als Dauerläufer nicht – abgesehen von den üblichen Detailmängeln. Aber die lässt fast kein Wohnmobilhersteller aus.