Denza Z9 GT: Power-Kombi aus China
Showcar oder Porsche-Schreck?

Bild: Denza
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Denza. Klingelt bei dem Namen vielleicht etwas? Ganz neu ist die Marke nicht. Entstanden ist sie aus der Shenzhen BYD Daimler New Technology Co. Ltd., die 2010 als Joint Venture von Mercedes und BYD gegründet wurde. Das erste Fahrzeug, das zwei Jahre später aus dieser Zusammenarbeit hervorging, trug eben diesen Namen: Denza.
Mittlerweile ist Mercedes aus der Unternehmung ausgestiegen, und BYD hat eigene Pläne für die Marke. Denza steht nun für "Diverse, Elegant, Novel, Zenith, Aspirational" und avanciert zur Premium-Marke unter dem Dach von BYD. Der Anspruch ist klar: Luxus und Emotion.
Das erste Modell, das auf dem europäischen Markt eingeführt wird, der Denza Z9 GT, präsentierten die Chinesen im Rahmen der Design Week in Mailand. Denn genau damit soll der dynamische Kombi, der zugegeben etwas an den Porsche Taycan erinnert, die Kundschaft überzeugen: außergewöhnliches, dynamisches Design gepaart mit modernster Technologie. Ob das klappen wird? Das hat sich AUTO BILD bei der ersten Fahrt angeschaut.
Die Datenblätter der beiden zum Start verfügbaren Varianten (PHEV und BEV) lesen sich schon mal beachtlich: In beiden Modellen gibt es jeweils drei Motoren. Der vollelektrische Z9 GT wird von einem 230 kW (313 PS) starken E-Motor vorne sowie zwei je 220 kW (299 PS) starken E-Motoren an der Hinterachse angetrieben. Beim Plug-in-Hybrid gibt es die gleichen E-Maschinen an der Hinterachse, unterstützt von einem 2,0-Liter-Turbobenziner mit 200 kW (272 PS).

Der dynamische Kombi erinnert etwas an den Porsche Taycan. Mit dem will er offenbar auch gemessen werden.
Bild: Denza
Doch das Besondere am Denza Z9 GT sind nicht in erster Linie seine Fahrleistungen, sondern die technischen Innovationen, die BYD eingebaut hat. Am eindrucksvollsten ist wohl der sogenannte "Crab Walk" (Krabbengang). Wer sich mit Autos beschäftigt, der kennt das Feature bereits von Hyundai. Bei Denza sieht der Crab Walk etwas anders aus, ist aber ebenfalls eine enorme Hilfe beim Einparken – denn die E-Motoren an der Hinterachse sorgen nicht nur für Beschleunigung, sondern erlauben auch, die Räder unabhängig voneinander und von der Vorderachse zu bewegen. Dadurch können sie sich in jede Richtung um 10 Grad neigen und so den Krabbengang ermöglichen, wodurch der Wagen besonders enge Kurven nehmen oder knappe Parklücken nutzen kann.
Noch innovativer ist das Vehicle Motion Control-System, (VMC; auf Deutsch: Fahrzeugbewegungssteuerung), das das Fahrwerk bei kaputten Reifen innerhalb von Millisekunden stabilisiert. Das System erkennt einen Reifenplatzer und passt sofort Drehmoment und Kraftverteilung der intakten Reifen an, um die Fahrzeugstabilität zu sichern. Gleichzeitig halten die übrigen Assistenzsysteme die Spur und bringen das Fahrzeug sicher zum Stehen. Das System ist auf eine Geschwindigkeit von bis zu 180 km/h ausgelegt. Die Demonstration zeigt: Das Ganze funktioniert auch bei extrem hohem Tempo.
Insgesamt will der Denza Z9 GT außen Sportwagen und innen Luxuslimousine sein. Denn der Power-Kombi fährt sich wie eine Sänfte: Das Luftfahrwerk ist sehr weich abgestimmt, federt extrem und ist bemüht, möglichst jede Unebenheit, die auszugleichen. Das sorgt innen schon fast für ein SUV-Feeling. Einen Nachteil hat das extrem weiche Fahrwerk aber auch: Es fühlt sich beim abrupten Abbremsen tendenziell etwas instabil an und gibt leichte Wankbewegungen weiter.

Lena Trautermann durfte den PHEV bereits fahren.
Bild: AUTO BILD
Mit dem Plug-in-Hybrid durften wir auf der Teststrecke nahe Mailand einmal richtig durchbeschleunigen. Im Datenblatt verspricht der Denza Z9 GT den Sprint auf 100 km/h in 3,6 Sekunden. Messen konnten wir es nicht, doch gefühlt dürfte es gern noch sportlicher sein. Klar, fast drei Tonnen Gewicht müssen auch erst mal in Bewegung gebracht werden. Doch gerade wenn dem PHEV viel Leistung abverlangt wird, gönnt es sich auch mal eine kurze Denkpause. Als würde sich der Antrieb noch überlegen, ob der Elektro- oder der Verbrennungsmotor die optimale Leistung beisteuern soll. Gleichzeitig entsteht das Gefühl eines Turbolochs beim Zuschalten des Verbrenners bei höherer Geschwindigkeit.
Während der Z9 GT außen "Taycan" schreit, ist es innen eher "S-Klasse", denn hier ist alles auf maximalen Komfort getrimmt. Die Sitze sind sehr bequem, bieten Belüftung, Heiz- und Massagefunktion und geben guten Seitenhalt. Das Cockpit wird von drei Bildschirmen dominiert, wobei der größte über 17 Zoll misst.
Die Bedienung läuft intuitiv und flüssig. Knöpfe für die wichtigsten Funktionen gibt es auch bei den Chinesen noch. Das Raumangebot ist großzügiger, als man es von außen erwartet. Das dürfte nicht zuletzt der Integration der Batterie in die Karosserie (Cell-to-Body-Structure) zu verdanken sein. Denn das spart Platz, der sich im Innenraum bemerkbar macht.

Das Raumangebot des Denza Z9 GT ist großzügiger, als man es von außen erwartet.
Bild: Denza
Etwas gewöhnungsbedürftig: Die Türen lassen sich nur auf Knopfdruck öffnen. Und auch nur dann, wenn die Parkbremse aktiviert ist. Über einige Details kann man streiten, so wirken zum Beispiel die Öffnungen für die Lüftungsdüsen ziemlich lieblos ins Armaturenbrett gefräst. Auf der anderen Seite gibt es für die Passagiere gleich zwei (!) Kühlschränke an Bord, um jederzeit Zugriff auf gekühlte Getränke zu haben. Das obligatorische Karaoke-Mikro darf natürlich auch nicht fehlen.
Was davon tatsächlich auch beim europäischen Modell zu finden sein wird, ist noch nicht final entschieden. Das Modell ist in Europa nämlich noch nicht homologiert. Die offizielle Markteinführung soll erst im Spätherbst 2025 folgen.

Im Datenblatt verspricht der Denza Z9 GT den Sprint auf 100 km/h in 3,6 Sekunden.
Bild: Denza
Dann wird es auch Infos zum Preis geben. Dazu heißt es bisher nur, kein Modell werde günstiger als ein BYD sein. Schauen wir auf das aktuelle Topmodell, den BYD Tang, der aktuell bei rund 75.000 Euro startet, ist schnell klar: Das wird kein günstiger Spaß.
Im Interview verrät BYD-Europa-Chefin Stella Li als Antwort auf den Schätzpreis von 80.000 Euro zumindest so viel: Der Preis werde deutlich darüber liegen. Schauen wir uns den Denza Z9 GT mal genau an, will er mit dem Taycan gemessen werden. Und der startet aktuell bei 102.600 Euro. Da kann man sich ja schon denken, wohin es geht ...
Fazit
Der Denza Z9 GT will ein äußerlich extrem sportliches Auto sein, dessen innere Werte auf hohen Komfort und Luxus getrimmt sind. Während die Fahrleistung eher Durchschnitt ist, heben sich die Chinesen durch besondere Features und technische Innovationen vom Rest des Marktes ab. Preisen das Auto aber gleichzeitig so hoch ein, dass er nach seinem Marktstart wohl eine Seltenheit auf unseren Straßen sein wird.
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