Zittau greift durch: platte Reifen statt Mahnung
Stadt treibt Schulden mit platten Reifen ein - auf Kosten der Sicherheit?

Zittau setzt auf eine umstrittene Methode gegen Schuldner: Mit Ventilwächtern drohen säumigen Zahlern platte Reifen – die Stadt spricht von Erfolg, der ADAC von Risiko.
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Wer in Zittau (Sachsen) seine Rechnungen bei der Stadt nicht bezahlt, riskiert jetzt einen Platten. Seit März 2025 setzt die Kommune sogenannte Ventilwächter ein, kleine Geräte am Reifenventil, die beim Losfahren für Luftverlust sorgen.
Nach Angaben des Rathauses führt der Einsatz fast immer zum Erfolg: Schuldner melden sich sofort – und zahlen. Zahlen nennt Zittau zwar nicht, spricht aber von einer "sehr erfolgreichen" Bilanz. Hintergrund: Bei rund 25.000 Einwohnern hat die Stadt über 16.800 offene Forderungen, insgesamt rund zwei Millionen Euro.
Was sind Ventilwächter?
Die Geräte werden am Ventil des Autoreifens befestigt. Wer trotz Warnaufklebern losfährt, hat nach wenigen Hundert Metern einen platten Reifen. Entfernt werden können die Ventilwächter nur mit einem Spezialschlüssel von der Stadt, sobald der Schuldner reagiert.

Der ADAC sieht durch den Einsatz der Ventilwächter ein Unfallrisiko.
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Genau das sorgt für Diskussionen. In sozialen Medien hagelte es Kritik, auch der ADAC sieht Unfallrisiken: Ein Reifen, der während der Fahrt Luft verliert, könne gefährlich sein. Die Verkehrswacht empfiehlt deshalb eher den Einsatz von Parkkrallen. Zittau verweist dagegen auf deutliche Warnhinweise und die Sorgfaltspflicht der Fahrer.
Ventilwächter nicht nur in Zittau
Die "Plattmacher" sind keine neue Idee. Auch Städte wie Dresden, Görlitz oder Grimma nutzen sie seit Jahren. In Dresden wurden 2024 insgesamt 60 Fahrzeuge blockiert, in 47 Fällen wurde anschließend bezahlt.
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