Sie machen Deutschlands größte Sicherheitsaktion seit 25 Jahren erst möglich – die Instruktoren. DVR-Mann Jürgen Bente ist Chef im A-Team. Und ein guter Lehrer hat nur eine Sorge: zu lehren, wie man ohne ihn auskommt.
Ohne die Instruktoren würde bei Deutschlands beste Autofahrer nichts laufen. Einer von ihnen ist Jürgen Bente (58), Chef-Instruktor beim Deutschen Verkehrssicherheitsrat (DVR), Mann der ersten Stunde, Autoflüsterer. Einer, den nichts aus der Ruhe bringt. "Ich mache Sicherheitstraining seit 35 Jahren, und das immer noch leidenschaftlich gern", sagt er. Ein typischer Arbeitstag im Fahrsicherheitspark von Schaeffler in Rheinmünster nur die Temperaturen liegen mit 30 Grad über normal. Gestern ist das Team angekommen, hat die Übungen aufgebaut, Markierungen gesetzt. Jede Menge Routine, doch keine Langeweile. Für Abwechslung sorgen schon die Locations und natürlich die Teilnehmer. Jede Veranstaltung ist anders, die eine dynamisch, die andere gemächlich.
Mit mehr Kraft. MEHR. MEEEHR!
"Sagt dem Auto, was es tun soll": Chef-Instruktor Jürgen Bente (Mitte) erklärt den Teilnehmern, warum Auto fahren so viel mit Gefühl und so wenig mit Kraft zu tun hat.
Die gelbe Gruppe tritt an diesem Tag ein wenig schüchtern an. Jürgen Bente lockert die Runde auf, fragt nach Fahrpraxis, gefahrenen Kilometern im Jahr, nach den Erwartungen. Eine Prognose, wen er als potenziellen Tagessieger scannen könnte, wagt er nicht. Zu unwägbar sei alles, die Nerven, der Ehrgeiz im Wettbewerb. Los geht's mit der richtigen Sitzeinstellung. Das kann doch jeder? Von wegen. Bente stellt viele Fragen, kitzelt Antworten aus den Teilnehmern. Einer muss es vormachen: Hintern weiter nach hinten, Kupplung treten. "Mit mehr Kraft. MEHR. MEEEHR", insistiert Bente. Der Mann hinterm Steuer drückt sich hinten hoch, das Bein stramm durchgestreckt. Falsch. Vor einem möglichen Zusammenprall bei einem Unfall hieße es, locker zu bleiben. Denn: "Aus welcher Höhe müsste man von einem Turm springen, um unten mit 50 km/h anzukommen?", fragt Bente. Richtig ist: zehn Meter. "Was ist, wenn man Wasser durch Beton ersetzt?" Und was passiert, wenn man bei dem Tempo das Bein straff gestreckt hat? Okay, schon klar.
Spaßfaktor 10 von 10 Punkten!
Karin Rudnik (23) fährt leidenschaftlich gern und liebt Autos, seitdem sie denken kann. Das zahlt sich aus: Als beste Frau belegte sie Platz 22 in der Vorrunde.
Das ist nur eins von vielen Beispielen, wie die Instruktoren scheinbar banales Grundwissen bildhaft machen. Stefan Burkhardt (47) ist "Wiederholungstäter". Der Unternehmer für Babyprodukte war vor fünf Jahren schon mal dabei, will sich verbessern. Was hält er von seinem Instruktor? "Der ist sympathisch, locker, hat Esprit und kann anschaulich erklären", lobt Burkhardt. Karin Rudnik (23), die einzige Frau in der gelben Gruppe, ist "Wiederholerin in zweiter Generation". Ihr Vater hat 2001 teilgenommen. Karins Fazit: "Spaßfaktor 10 von 10 Punkten! Die Sitzeinstellung werde ich immer umsetzen." Das weitere Training von Slalom, Bremsen/Ausweichen und Elchtest absolviert Bente ebenfalls ohne erhobenen Zeigefinger. Dafür mit viel Humor. Der Asphalt glüht, so mancher Kopf ebenfalls. Er verteilt Lob und Tadel. Die Zahl purzelnder Pylonen steigt. Bente muss viel laufen.
Beim Slalom gibt keiner den Draufgänger, darauf achten auch die Instruktoren.
"Sei hemmungslos!", fordert er beim einen übers Funkgerät. "Du hältst nicht vor der Eisdiele mach 'ne Vollbremsung!" Einen anderen fragt er: "Fährst du Manta?" Mehr ist nicht nötig, der Ertappte nimmt den Ellbogen vom Fenster und lacht. Aber natürlich geht im Laufe der Jahre doch mal was daneben. Der Anekdoten-Fundus der Profis ist groß: Bei einer Veranstaltung fuhr ein Teilnehmer trotz 50 Meter Auslaufreserve mit Schmackes in ein Stahltor. Ein anderer zerlegte die komplette Messanlage. Totalschaden. Bente blieb stets gelassen, die Hasardeure unverletzt. "Die machen das ja nicht mit Absicht, sondern weil sie überfordert sind." Am Ende dürfen sich zwei aus seiner gelben Gruppe über einen Titel freuen; Stefan Burkhardt ist Tagessieger, und Karin Rudnik führt die Liste der Frauen an. "Ich muss mich noch bei meinem Chef bedanken, der alles so gut erklärt hat", sagt sie. Jürgen Bente ist sich sicher, dass jeder hier etwas fürs Autofahrerleben mitnimmt: "Ich hoffe, dass ihr das, was wir heute gemacht haben, im Alltag nie brauchen werdet."