DFSK Glory 580: Gebrauchtwagen-Test
Was kann das gebrauchte China-Schnäppchen?

Das China-SUV DFSK Glory 580 war neu ein Dumpingangebot. Doch wie geil ist der Geiz im Alter letztendlich? AUTO BILD macht den Test.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Fast zu gut, um wahr zu sein, klang das Neuwagenangebot. Mit dem Glory 580 trat die Marke DFSK ab 2018 nach den desaströsen Vorstellungen von China-Marken wie Brilliance und Landwind auf dem deutschen Markt an. Deutlich moderner und konstruktiv reifer, aber noch immer zu Kampfpreisen ging das chinesische Mittelklasse-SUV des Herstellers Dongfeng Sokon auf Kundenfang.
Qualität zu gnadenlos günstigen Preisen versprach Importeur Indimo optimistisch. Doch wie gut steht das SUV nach fünf Jahren Alltagsbetrieb wirklich da? Um diese Frage zu klären, haben wir ein scheckheftgepflegtes Exemplar mit 107.583 Kilometern auf der Uhr im niedersächsischen Liebenau auf Herz und Nieren geprüft.
Bis zu sieben Sitzplätze: Der Glory 580 ist eine Alternative zum Van
Das ist er: Als Mittelklasse-SUV trifft der DFSK noch immer den Nerv der Zeit. 4,68 Meter Länge taugen für ein stattliches Raumangebot an Bord, allerdings muss das Fahrzeug auch gegen bärenstarke Konkurrenten wie den Skoda Kodiaq bestehen. Gemessen am recht jungen Baujahr wirkt die Formgebung bereits vergleichsweise angestaubt, jedoch keinesfalls hässlich. Der Glory 580 ist eine ehrliche Haut, wirkt routiniert verarbeitet und rappelt auch nach knapp über 100.000 Kilometern nicht nennenswert. Seine große Stärke ist die gute Funktionalität. Die Bedienung klappt auch ohne Blick ins Bordbuch. Sein Raumkonzept mit bis zu sieben Plätzen macht den Glory 580 zur Van-Alternative.

Erfreulich praxistaugliche dritte Sitzreihe. Hier können es selbst Jugendliche eben noch aushalten.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Durchdacht wirkt die längs verschiebare zweite Sitzreihe mit Easy-Entry-Funktion zur leichteren Erreichbarkeit der bei Bedarf aus dem Kofferraumboden ausklappbaren dritten Sitzreihe. Umgeklappt hat der Laderaum XL-Format. Bis zur Fahrersitzlehne gemessen, ist er campingtaugliche 1,96 Meter lang. Mit ausgeklappter dritter Rücksitzbank sind es jedoch nur magere 39 Zentimeter. Daran änderte auch ein moderates Facelift samt Umbenennung in DFSK Fengon 580 nichts.
Technische Daten
Motor | Vierzylinder/vorn quer |
|---|---|
Ventile/Nockenwellen | 4 pro Zylinder/2 |
Hubraum | 1499 cm³ |
Leistung | 107 kW (145 PS) bei 5600/min |
Drehmoment | 210 Nm bei 4000/min |
Höchstgeschw. | 180 km/h |
0–100 km/h | 12,8 s |
Tank/Kraftstoff | 60 l/Super |
Getriebe/Antrieb | CVT-Automat/Vorderrad |
Länge/Breite/Höhe | 4680/1845/1715 mm |
Kofferraumvolumen | 390-1960 l |
Leergewicht/Zuladung | 1510/575 kg |
Haltbarkeit? Da müssen die Händler Engagement zeigen
Das hat er: Wie rund 30 Jahre zuvor die Japaner, setzte der Importeur auf die Formel viel Auto zu Kampfpreisen. Wo andere Hersteller mit ellenlangen Aufpreislisten für Frust sorgen, liefert DFSK Kunstlederpolster mit hellen Kontrastnähten, Keyless-Entry, Wurzelholzimitat, Panoramaschiebedach von Webasto, eine dritte Sitzreihe, stufenlose Automatik und sogar eine Dashcam ohne Aufpreis. Natürlich gibt es auch sechs Airbags und ESP, aufwendige Assistenten sind jedoch Mangelware. Für bescheidene 22.900 Euro Neupreis passte das Angebot trotzdem.

Cockpit mit Designanleihen bei BMW und Mercedes. Qualitativ ist der Glory jedoch meilenweit von deutschen Premiummarken entfernt.
Bild: Christoph Börries/AUTO BILD
Vom Engagement des Händlers abhängig ist die Haltbarkeit des Fahrzeugs: Der Rostschutz ab Werk war extrem dürftig, daher sollte unbedingt wie bei unserem Fotofahrzeug fachkundig nachkonserviert werden. Einige Dosen Sprühwachs aus dem Baumarkt genügen nicht! Auch die standardmäßig montierten China-Reifen taugen wenig. Händler rüsteten daher oft auf hiesige Markenreifen um.
Antriebsvielfalt gibt es nicht: Einziger Motor ist ein 1,5-Liter-Turbo-Benziner mit 145 PS, mageren 210 Newtonmeter Drehmoment und Euro 6. Er harmoniert nicht wirklich gut mit dem CVT-Getriebe, ist ab Landstraßentempo angestrengt und kann unter Last einen enormen Durst entwickeln. Rund neun bis zehn Liter Super sind Standard, in der Stadt und zügig gefahren werden es schnell auch zwei Liter mehr. Achtung: Die Ersatzteilversorgung ist über den Importeur gesichert, jedoch liegen Teile – und Wartungskosten – nicht auf Dumpingniveau. Und längst nicht jeder Versicherer hat das Fahrzeug in seiner Datenbank gelistet!
Stärken
- Sehr gutes Raumangebot
- Serienausstattung großzügig
Schwächen
- Gemessen am Fahrzeugalter altmodische Detailanmutung
- Mäßige Fahrleistungen bei stattlichem Benzinverbrauch
- Ohne zusätzliche Konservierung hohe Rostgefahr
Die Bremsleistung ist nur mittelmäßig
So fährt er: Auf der weichen Welle surfend bietet der Glory 580 ordentlichen Langstreckenkomfort und verführt zu defensivem Fahren. Auf Hektik reagiert er trotzig mit seinem robust konstruierten, recht weichen Fahrwerk. Er stoppt trotz roter Bremssättel nur mittelmäßig. Mit optionaler Anhängerkupplung sind Anhängelasten bis 1500 Kilogramm erlaubt. Die Bodenfreiheit ist mit 20 Zentimetern üppig, allerdings fehlt für Ausflüge ins Gelände eine Allradoption.

Kurven nimmt der Glory 580 mit verhaltener Dynamik. Dafür ist der Komfort durchaus okay.
Bild: Christoph Börries / AUTO BILD
Falsch verlegte Abläufe verursachen Wassereinbrüche
Das macht Ärger: DFSK bot standardmäßig zwei Jahre Neuwagengarantie. Gegen Aufpreis waren zunächst ein drittes und später auch ein viertes und fünftes Jahr möglich. Die Antriebstechnik ist bis auf Turboladerschäden recht robust. Typisch sind Probleme durch ausflockende blaue Kühlmittelflüssigkeit, Wassereinbrüche im hinteren Dachbereich durch falsch verlegte Abläufe sowie defekte LED-Blinker.
Die Abgasanlage korrodiert früh, jedoch ist dies aktuell noch kein TÜV-relevantes Thema. Ohne zusätzliche Konservierung muss mit einer Vielzahl von Rostherden gerechnet werden. Elementar für die Erhaltung von Garantieansprüchen ist die Einhaltung der Wartungsintervalle: Erstmals sollte der Glory 580 nach 5000 Kilometern zum Service, danach jährlich oder alle 20.000 Kilometer. Beim Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) sind keinerlei Rückrufe hinterlegt.
Unterhaltskosten
Testverbrauch | 9,8 l S/100 km |
|---|---|
CO2 | 173 g/km |
Inspektion | 350–700 Euro |
Haftpflicht* | 705 Euro |
Teilkasko* | 796 Euro |
Vollkasko* | 1125 Euro |
Kfz-Steuer (Euro 6) | 186 Euro |
Ersatzteilpreise*
Lichtmaschine | 700 Euro |
|---|---|
Anlasser | 430 Euro |
Wasserpumpe | 600 Euro |
Zahnriemen | entfällt, Steuerkette |
Nachschalldämpfer | 520 Euro |
Kotflügel vorn links, lackiert | 770 Euro |
Bremsscheiben und -klötze | 510 Euro |
Infotainmentbildschirm | 690 Euro |
4 Sommerreifen (Dimension 225/60 R17) | 620 Euro |
Service-Links





































