Der Westerwald ist ideal für Wanderer – überrascht aber auch mit Kuriosem wie einem Korallenriff, kuschelwilligen Kühen, ewigem Eis und einem Ort, den es nicht gibt. Tipp: Es geht nicht um Bielefeld, das bekanntlich auch nicht existiert. Schauen Sie sich auch die entsprechenden Camping- und Stellplätze für den Westerwald an.

Biermuseum – Bitzen

Louis de Sousa hat eine große Leidenschaft. Der gebürtige Portugiese liebt Bier. Und zwar anders als die meisten Biertrinker nicht nur eine regionale Marke, sondern so ziemlich jedes Gebräu der Welt. In seinem privaten Biermuseum präsentiert de Sousa Zigtausende Bierflaschen, -dosen, -deckel und -krüge sowie Kronkorken aus fünf Kontinenten. Wer hier Staub wischt, hat viel zu tun – und geht im Anschluss am besten erst mal ein Bier trinken, um die trockene Kehle zu befeuchten. Mit einer Bierflasche aus Dänemark fing übrigens alles an. Mittlerweile kommen fast täglich weitere Bierexponate aus aller Welt hinzu. De Sousas Wohnung war schnell viel zu klein für die wachsende Zahl schmuckvoll etikettierter Pullen und all die anderen Ausstellungsstücke. Da lag die Idee nah, die Bier-Devotionalien in ein Museum auszulagern. Bier macht halt erfinderisch. Eine großartige interkontinentale Reise durch die Welt des Bieres.
Mittelstraße 4, 57539 Bitzen,
Tel. 026 82-96 83 00
https://luis-biermuseum.de
Öffnungszeiten: Sa. und So. 12-15 Uhr
Eintritt frei

Auenlandweg – Mittelhof

In der Fantasie von J. R. R. Tolkien ist das liebliche Auenland Teil von Mittelerde und Heimat der Hobbits. So schrieb der britische Autor zumindest in seinem weltberühmten Werk "Der Herr der Ringe". Das reale Westerwälder Auenland ist definitiv nicht minder lieblich und zudem von einem idyllischen Weg durchzogen. Bei der Wahl des Wandermagazins zu "Deutschlands schönstem Wanderweg" hat der Auenlandweg in der Rubrik Tagestouren den zweiten Platz gemacht. Das liegt einerseits sicher an der wunderschönen Wald-und-Wiesen-Naturlandschaft und zum anderen an diversen holzgeschnitzten Fabelwesen wie Zauberern, Zwergen oder Baummenschen, die den Pfad säumen. Tolkien lässt grüßen. Der Erlebnisweg ist drei Kilometer kurz und auch dank der fantasievollen Schnitzereien perfekt für Familien mit Kindern.
57537 Mittelhof
www.westerwald-sieg.de
"Wandern", "Erlebniswege" und "Auenland" anklicken.
Hier gibt es Infos zu den besten Startpunkten

Grube Bindeweide – Steinbach an der Sieg

Rund 200 Jahre lang förderten Bergleute Eisenerz aus der Grube Bindweide, bis zu ihrer Schließung 1931 mehr als 5,1 Millionen Tonnen. Danach war mehr als 50 Jahre Ruhe, bis die Grube Mitte der 1980er als befahrbares Schaubergwerk für Besucher öffnete. An Multimediastationen erfahren sie, wie das Erz vor Millionen Jahren entstand, wie es gefördert und schließlich verarbeitet wurde. In der grubeneigenen Schmiede ist Letzteres live zu sehen. Wer mag, kann auch beim Schmieden helfen. Wichtig: Im Gegensatz zur kuschelig warmen Schmiede ist es im Bergwerk mit etwa zehn Grad ziemlich frisch. Profis tragen daher Zwiebel-Look.
Besucherzentrum
Bindweider Straße 2, 57520 Steinebach/Sieg
Tel. 027 47-78 45
www.bindweide.de
Öffnungszeiten: Mi., Sa., So. 14-17 Uhr, Führung nach Anmeldung
Preise: 9 Euro (Erw.), 5 Euro (Kinder von 5-14 J.), ab 20 Euro (Familien)

Korallenriff – Erdbach

Der Westerwald war nicht immer ein Mittelgebirge. Im Devon vor rund 400 Millionen Jahren schwappten die Wellen eines Urmeeres über die Region hinweg. In dieser Zeit entstand ein gigantisches Korallenriff, dessen kalkige Überreste sich Besucher auf dem Karst- und Höhlenlehrpfad ansehen können.
Weitere Wohnmobil-Stellplätze finden Sie auf pincamp.de
Für viele zunächst erstaunlich: Zu den noch immer imposanten Riffresten geht es steil bergauf! Schließlich wuchsen die Korallen einst vom Meeresgrund empor. Wer will, kann aber auch abtauchen, und zwar in die Schauhöhle Breitscheid. Der Weg führt exakt 124 Stufen hinab in eine effektvoll beleuchtete Tropfsteinhöhle. Hier finden hin und wieder Konzerte statt. Zu hören sind beispielsweise Popklänge, Alphörner oder Kristall-Klangschalen.
Schauhöhle an der K 68, 35767 Breitscheid
Tourist-Info, Tel. 027 77-91 33 21
www.schauhoehle-breitscheid.de
Öffnungszeiten (April bis Oktober): Sa. und So. 11-18 Uhr
Preise: 9 Euro (Erw.), 6 Euro (Kinder 4-14 J.)

Draisinenfahrt – Rennerod

Auf der 1907 eröffneten Westerwald-Querbahn zwischen Fehl-Ritzhausen und Rennerod rollen schon eine Ewigkeit keine Züge mehr. Dennoch ist die rund sechs Kilometer lange Strecke gut in Schuss. Denn seit 2008 bietet eine Interessengemeinschaft hier an Wochenenden Draisinenfahrten mit Handantrieb an. Geschultes Personal ist natürlich mit an Bord, das gibt allerdings meist nur Anweisungen. An die "Pumpe" müssen die Fahrgäste schon selbst. Aber keine Angst: Man kann sich ja ablösen – oder Rückenprobleme vortäuschen. Und wenn die Vehikel erst einmal Fahrt aufgenommen haben, rollen sie fast von allein, und die Passagiere können die Landschaft genießen. Einen Vorgeschmack auf die Tour durch den Wald und über die Wiesen des Hohen Westerwalds gibt es im Netz.
IG Westerwald-Querbahn (IWQ)
Tel. 026 64-9 93 90 93
Abfahrt: Industriestraße, Bahnhof 56472 Fehl-Ritzhausen
www.westerwald-querbahn.de
Fahrzeiten, Anmeldung und Preise siehe Internet

Schifffahrtstunnel – Weilburg

Der Weilburger Schifffahrtstunnel zählt wohl zu den außergewöhnlichsten Wasserwegen Europas. Definitiv ist er der älteste noch befahrbare Schiffstunnel Deutschlands. Seit 1847 unterquert er den Mühlberg, auf dem sich die Stadt Weilburg befindet. Durch die 195 Meter lange Unterführung sparten sich Schiffer den rund zwei Kilometer langen Umweg über eine Lahnscheife, die um den Mühlberg herumführt. Petitesse am Rande: Schon zehn Jahre nach seiner Eröffnung verlor die Lahnschifffahrt und mit ihr das Meisterwerk der Ingenieurskunst an Bedeutung. Grund dafür war der Bau der Lahntalbahn. Dennoch überdauerte der Tunnel anderthalb Jahrhunderte vollkommen unbeschadet und ist noch heute jederzeit von außen, aber auch von innen per Kanu, Kajak oder Ruderboot zu besichtigen.
Ahäuser Weg, 35781 Weilburg
Tel. 064 71-3 14 67
www.weilburg.de
Kanuverleih beispielsweise unter www.residenztours.de

Ewiges Eis – Dornburg

Das "ewige Eis" verorten die meisten von uns eher in der Arktis oder Antarktis und nicht im Westerwald. Doch nahe dem hessischen Dornburg gibt es tatsächlich ein einzigartiges Permafrost-Phänomen zu bestaunen! Unter einer Geröllhalde stießen Arbeiter im Sommer 1839 einen halben Meter unter der Erdoberfläche auf eine massive Eisschicht, die auch heute noch etwa acht Meter in die Tiefe reicht. Das Rätsel hängt mit außergewöhnlichen Luftströmungen im Innern der Halde zusammen. Wie lang uns das "ewige Eis" mitten in Deutschland noch erhalten bleibt, ist angesichts des fortschreitenden Klimawandels allerdings ungewiss. Noch ist die Permafrost-Halde ein Geheimtipp bei Hitzewellen.
65599 Dornburg
Lage: nahe der L 3278 zwischen Frickhofen und Wilsenroth
Infos: Nationaler Geopark Westerwald
Tel. 064 43- 82 46 14
www.geopark-wlt.de/eisstollen

Grab von Beethovens Opa – Salz

Der geniale Komponist und Pianist Ludwig van Beethoven (1770-1827) wurde bekanntlich in Bonn geboren und ruht seit fast 200 Jahren auf dem Wiener Zentralfriedhof. Doch gibt es eine enge Verbindung zwischen dem weltberühmten Musiker und dem Westerwald. In Salz, einer kleinen Gemeinde nordöstlich von Montabaur, liegt Ludwigs Großvater mütterlicherseits, Johann Heinrich Keverich, begraben. Mit Musik hatte er zumindest beruflich nichts am Hut, denn er war Oberhofkoch auf Schloss Phillipsburg bei Koblenz, später "Mundkoch" der Grafen von Walderdorff. Dem Adel schien Keverichs Kost gemundet zu haben. Denn als der 1759 im Alter von 58 Jahren starb, ließen sie ihn in ihrem Erbgrab in der Salzer Kirche beisetzen. Dort liegt Beethovens Opa im südlichen Seitenschiff, ganz ohne Grabtafel oder Inschrift. Schließlich war er zu Lebzeiten "nur" ein Koch. Nicht der Großvater eines Genies.
Hauptstr. 24
56414 Salz
Infos unter www.montabaur.de

Apothekengarten – Bad Marienberg

Lavendel, Kamille oder Salbei kennen selbst viele Garten-Laien. Doch wie sieht es mit Engelwurz, Alant, Mädesüß oder Beifuß aus? Da steigen die meisten von uns aus. Nicht so Iris Franzen. Die ausgebildete Kräuterexpertin kümmert sich seit Jahren darum, dass im Bad Marienberger Apothekergarten die Heilkräuter sprießen. Bei Führungen erklärt die Expertin, welches Kraut gegen welches Leiden gewachsen ist und wie genau es in unserem Körper wirkt. Wer mag, kann auch einmal probieren, wie Blüten oder Blätter einzelner Pflanzen riechen und schmecken. Anknabbern ist erlaubt im Apothekergarten. Natürlich unter Aufsicht. Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Besucher vorher besser Kräuterexpertin Iris Franzen.
Auskünfte bei der Tourist-Info
Wilhelmstraße 10, 56470 Bad Marienberg
Tel. 026 61-70 31
www.badmarienberg.de
Der Garten ist durchgehend geöffnet

Stöffel-Park – Enspel

Westerwälder kennen den Stöffel als Berg bei Enspel. Vor rund 100 Jahren war er immerhin 500 Meter hoch, doch ist er seitdem um etwa 90 Meter geschrumpft. Grund dafür ist der intensive Abbau von Basaltgestein, der Stöffel wurde zu einem gigantischen Steinbruch. Menschen und Maschinen förderten hier nicht nur den begehrten Basalt, sondern immer wieder auch steinalte Fossilien zutage. Darunter sind Versteinerungen eines gleitfliegenden Säugetiers, karpfenartiger Fische sowie Fossilien von Krokodilzähnen, Amphibien und Insekten.
Die sensationellen Funde brachten dem Berg den Weltruf als bedeutende Tertiär-Fossillagerstätte ein. Im Jahr 2000 endete der Basaltabbau auf dem 140 Hektar großen Gelände, doch die vielen historischen Industriebauten blieben erhalten. Heute sieht der Stöffel-Park aus wie eine verlassene Goldgräberstadt. Dabei ist der Stöffel alles andere als verlassen, sondern sehr gut besucht. Denn das Gelände wurde zum Tertiär-und Industrie-Erlebnispark entwickelt, 2016 eröffnete hier das Museum Tertiärum, in dem zahlreiche Fossilien zu sehen sind. Darunter ist auch die 25 Millionen Jahre alte Stöffel-Maus, die es zu einer Art Wappentier des Parks gebracht hat. Ein spannendes Freilichtmuseum für Industrie- und Erdgeschichte.
Stöffelstraße, 57647 Enspel
Tel. 026 61-9 80 98 00
www.stoeffelpark.de
Öffnungszeiten: Di.-Do. 10-17, Fr.-So. bis 18 Uhr
Preise: 7 Euro (Erw.), 4 Euro (Kinder), 14 Euro (Familien)

Kuh-Kuscheln – Gieleroth

Was ist bis zu 39,5 Grad warm, tiefenentspannt und mindestens doppelt so flauschig wie ein Frottee-Bademantel? Exakt, eine Westerwälder Kuh. Die Wiederkäuer von Kim Ramseger zählen vermutlich zu den glücklichsten im gesamten Westerwald, was damit zu tun haben dürfte, dass sie sehr viele Streicheleinheiten bekommen. Nicht nur von ihrer Eigentümerin, sondern auch von wildfremden Menschen, die bereit sind, sich in friedlicher "Kuh-Existenz" auf Körperkontakt mit den bis zu 800 Kilogramm schweren Hornviechern einzulassen. Wer es richtig angeht und sich den Tieren behutsam nähert, wird mit tierischer Zuneigung belohnt. Die Kühe kuscheln zurück und reiben wie zum Dank für die Streicheleinheiten vorsichtig ihren Kopf an den Hofbesuchern. Auch Zungenküsse sind möglich, deshalb: Handtuch mitbringen!
57160 Gieleroth
Tel. 026 81-7 06 41
www.facebook.com/westerwaelderkuschelkuehe

Elvis-Museum – Kircheib

Von einem Dorf namens Kircheib hat Elvis Presley vermutlich nie gehört. Ganz zu schweigen davon, dass der King of Rock 'n' Roll die kleine Westerwald-Gemeinde (550 Einwohner) je besucht hätte. Dennoch gibt es eine Verbindung zwischen Elvis und Kircheib – beziehungsweise einen Verbindungsmann. Und der heißt Jonny Winters. Er ist Elvis-Imitator sowie Gründer und Betreiber des Elvis-Museums. Hier hat Winters knapp 600 Devotionalien des Kings zusammengetragen, vom roten Original-Teppichboden aus Graceland, Elvis' Anwesen in Memphis, über Konzertplakate, Tickets und Platten bis zu einem Friseursessel aus der Kaserne im hessischen Friedberg, in der der Sänger und Schauspieler von 1958 bis 1960 als Soldat stationiert war. Ob sich Elvis in diesem Sessel die Tolle wachsen ließ? Ein kurioses Sammelsurium mit Raritäten und Originalen eines der größten Entertainer aller Zeiten.
Röttgenstraße 6, 57635 Kircheib
Tel. 0172-1 09 42 44
www.elvismuseum.de
Öffnungszeiten: So. 10-18 Uhr und nach Terminabsprache

Das Dorf, das es nicht gibt – Ütgenbach

Wenn es um einen Ort geht, den es gar nicht gibt, fällt fast schon traditionell der Name Bielefeld. An Ütgenbach denken allenfalls ein paar gebürtige Westerwälder. Und sie haben recht: Denn Ütgenbach gibt es tatsächlich nicht. Beziehungsweise: nicht mehr. Es wurde um das Jahr 1850 demontiert, weil dort schlicht niemand mehr wohnte. Grund für den Niedergang des Dorfs war vermutlich eine Hungersnot. Doch ein kleines Stück Ütgenbach ist dem Wester-wald erhalten geblieben. An die kleine Kapelle St. Florinus traute sich beim Abriss offenbar niemand heran. Sie steht noch heute ein wenig einsam, aber top restauriert mitten im Wald. Und auch Mauerreste des alten Kirchhofs sind noch sichtbar. Bei sonnigem Wetter ein herrlich ruhiger Ort, bei Nebel doch ein bisschen gruselig.
Ütgenbacher Straße, 53567 Asbach
www.ortsgemeinde-asbach.de

Klein-Britannien – Vettelschoss

Was verbindet Vettelschoß mit Großbritannien? Ganz klar: Gary Blackburn. Den gebürtigen Briten hat es vor vielen Jahren in den Westerwald verschlagen. Doch die Liebe zu seinem Heimatland Großbritannien ist ihm geblieben. Sein Vier-Sterne-Hotel und Restaurant Little Britain Inn ist wirklich "very british" eingerichtet. Das Interieur besteht aus Designklassikern von der Insel, darunter Sessel und Sofas im Chesterfield-Stil, edle Teppiche und schnörkelig-schöne Anrichten. An den Wänden kleben bunte Blümchentapeten. Hier lässt sich der Afternoon Tea so stilvoll wie bei den Windsors schlürfen. Wer es herzhafter mag, kann den Tag mit einem "English Breakfast Buffet" beginnen und mit deftigen Klassikern der Inselküche wie Fish 'n' Chips weitermachen. Härtere Getränke gibt es in Blackburns "Winston Churchill Whisky Lounge" und der "Peaky Blinders Bar". Eine liebevoll gestaltete kleine britische Welt mitten im Westerwald.
The Little Britain Inn Country Hotel
Bahnhofstraße 14, 53560 Vettelschoß
Reservierungen unter Tel. 026 45-9 75 61
www.thelittlebritaininn.com

Weinbergschaukel – Leutesdorf

In Leutesdorf können Urlauber das Angenehme mit dem noch Angenehmeren verbinden, indem sie sich auf eine rund vier Kilometer kurze Wandertour am Nürer Kopf begeben und sich dort auf wohlige Weise verschaukeln lassen. Im Wortsinn. Aber der Reihe nach. Die Route führt teilweise über den berühmten Weinsteig durch sonnige Weinberge und über den von Skulpturen gesäumten Leutesdorfer Kunstweg. Buchstäblicher Höhepunkt am Nürer Kopf ist eine überraschend bequeme XL-Weinbergschaukel. Es handelt sich um eine breite hölzerne Bank mit Rückenlehne, die an einer rustika-len Holzkonstruktion baumelt – die Westerwälder Interpretation einer Hollywoodschaukel. Von dem Freiluft-Möbelstück aus können gleichzeitig vier Wanderer schaukelnd die grandiose Aussicht auf das Rheintal genießen.
Idealer Startpunkt ist der Wanderparkplatz
an der Grillhütte/Schützenhalle
56599 Leutesdorf
Infos unter www.romantischer-rhein.de

Rockefellers Heimatdorf – Neuwied-Feldkirchen

Kaum zu glauben: Das Dorf Rockenfeld bei Neuwied wurde 1969 durch Brandstiftung zerstört – und niemand griff damals ein. Der Grund: Die Zerstörung des verlassenen Ortes geschah auf Beschluss des Gemeinderats. Mit Geisterdörfern machte man früher im Westerwald kurzen Prozess. Eine mit dem Ort verbandelte Familie hätte sicher das Geld gehabt, um den Ort zu retten: Die Rede ist von den Rockefellers aus den USA. Die Dynastie brachte es durch den Geschäftssinn von John D. Rockefeller (1839-1937) und seinen Einstieg ins Ölgeschäft zu sprichwörtlichem Reichtum. Die Familienwurzeln liegen nachweislich in der heutigen Wüstung Rockenfeld. Noch heute tragen viele Menschen in der Region Namen wie Roggenfelder, Roggenfeller oder Rockenfeller. Wer also durch die Reste des Dörfchens spaziert, besucht den Ort, an dem mit dem späteren New-York-Auswanderer Johann Peter Rockenfeller, Johns Großvater, eine märchenhafte amerikanische Erfolgsgeschichte ihren Anfang nahm.
Wüstung Rockenfeld
56567 Neuwied-Rockenfeld

Sternwarte und Planetarium – Sessenbach

Im dünn besiedelten Westerwald sind die Nächte dunkel und der Himmel ungetrübt von Staub und Industrieabgasen. Das sind perfekte Bedingungen zum Sternegucken. In klaren Nächten sind Jupiter, die Milchstraße und unsere gut 2,5 Millionen Lichtjahre entfernte Nachbargalaxie Andromeda schon mit bloßem Auge zu erkennen. Noch sehr viel besser können Besucher der Sternwarte ins Weltall spähen. Die Animationen im angeschlossenen Planetarium liefern hoch spannende Infos über unser Universum. Wer lieber unter freiem Himmel Sterne beobachtet, wird Andromeda übrigens in einigen Millionen Jahren sehr viel klarer als heute sehen können. Denn die Galaxie rast mit einer Geschwindigkeit von etwa 110 Kilometern pro Sekunde auf die Milchstraße zu und wird in etwa vier Milliarden Jahren mit ihr kollidieren – also mit uns! Hoffentlich nicht an einem Wochenende.
In der Hohl 1, 56237 Sessenbach
Tel. 026 01-33 83
www.sternwarte-sessenbach.de

Exotenwald – Mündersbach

Die Geschichte des Mündersbacher Exotenwalds beginnt 1962 mit dem experimentierfreudigen Revierförster Werner Dose. Auf einer forstlichen Versuchsfläche pflanzte der Naturliebhaber 20 Baumarten, die in unseren Breiten eigentlich gar nichts zu suchen haben: Japanische Sicheltannen zum Beispiel, Scheinzypressen, Tulpenbäume oder Amerikanische Schwarznuss. Die meisten der Dose'schen Pflanzungen haben sich in den vergangenen 60 Jahren als absolut westerwaldtauglich erwiesen und sind zu stattlichen Bäumen herangewachsen. Gemeinsam bilden sie mittlerweile den kleinen, aber hochinteressanten Mündersbacher Exotenwald. Interessant schon deshalb, weil die Westerwälder Fichte wegen des fortschreitenden Klimawandels und Borkenkäferbefalls schwächelt. Ganz im Gegensatz zu den meisten von Förster Doses Baumimporten aus Asien und Nordamerika. Vielleicht ist also ein Spaziergang durch den Exotenwald eine Tour durch den Westerwald von morgen.
Gemeindeverwaltung
Alte Straße 2, 56271 Mündersbach
Tel. 026 80-98 99 80
www.muendersbach.de

Monsterbaum – Rückeroth

Die Linde zählt zu den mitteleuropäischen Bäumen mit der höchsten Lebenserwartung. Einige Exemplare bringen es auf 1000 Jahre und mehr. Wie alt die Linde neben der Rückerother Kirche ist, lässt sich nicht genau sagen. Niemand weiß, wann und von wem sie einst gepflanzt wurde. Erste Erwähnung fand der monströse Baumriese Anfang des 15. Jahrhunderts, und da war er sicher längst kein Setzling mehr. Über viele Generationen diente die Linde den Rückerothern als Versammlungs- und Gerichtsort. Heute gilt die Gerichtslinde als dickster Baum von Rheinland-Pfalz, seit den 1930ern steht sie unter Schutz. Das Blätterdach des Naturdenkmals wirkt schon in digitalen Kartendiensten sehr imposant. Doch das ist kein Vergleich zu dem Erlebnis, in der realen Welt unter dieser mächtigen Linde zu sitzen. Baumumarmer haben bei ihr übrigens keine Chance: Ihr Stamm hat einen Umfang von zehn Metern.
Oberdorfstraße/Auf der Höhe
56244 Rückeroth

Tonbergbaumuseum – Siershahn

Ganz klar: Die Hauptattraktion des Tonbergbaumuseums ist die Schachtanlage "Gute Hoffnung", aus der Bergmänner von 1962 bis 1979 unter Tage Ton gefördert haben. Im Museum können sich Besucher durch einen von original Grubenholz gestützten Gang zwängen, der von seinen Abmessungen den unterirdischen Stollen entspricht. Im Außenbereich stehen Dutzende ausgemusterte Bergbaumaschinen und Arbeitsgeräte. Im erhaltenen und komplett restaurierten Maschinenhaus ist zu sehen, wie die Bergleute einst im Westerwälder Untergrund nach Ton gruben. Der Museumspavillon zeichnet die Geschichte von der Entstehung der Tonlager vor Millionen von Jahren bis zur Rekultivierung der Abbauflächen nach.
Poststraße 39-41, 56427 Siershahn
Tel. 026 23-95 13 63
www.tonbergbaumuseum.de
Öffnungszeiten April bis November: Mi., 14.30-17.30 Uhr
Preise: 7 Euro (Erw.), 5 Euro (ermäßigt), 3 Euro (Kinder von 7 bis 14 Jahren)

Keramikmuseum – Höhr-Grenzhausen

Über die Jahrhunderte hat sich im Westerwald eine einzigartige Keramikkultur etabliert. In den vielen Töpferwerkstätten der Region entstanden und entstehen nicht nur Gebrauchsgegenstände für den Haushalt, sondern auch filigrane Keramikkunst. Souvenirjäger werden im Westerwald, das den passenden Beinamen Kannenbäckerland trägt, sehr schnell fündig. Im Boden liegen etwa 15 verschiedene, sehr reine Tonsorten, darunter der seltene und wertvolle weiße Ton. Wie vielfältig das Handwerk ist, können sich Urlauber in einer der Werkstätten oder im Keramikmuseum anschauen. Es zeigt Steinzeug aus Mittelalter, Renaissance, Barock, Historismus, Jugendstil bis heute, dazu zeitgenössische Keramikkunst, wie eine verschlungene Löffelplastik, mächtige Tonblöcke und rätselhaft geformte Skulpturen. Eindrucksvoll. Und manchmal herrlich verrückt.
Lindenstraße 13, 56203 Höhr-Grenzhausen
026 24-94 60 10
www.keramikmuseum.de
Öffnungszeiten: Di.-So. 10-17 Uhr
Preise: 7 Euro (Erw.), 4 Euro (ermäßigt), 10 Euro (Familien)

Römisches Kleinkastell – Hillscheid

Mitten durch die Wälder nordöstlich von Hillscheid verlief vor 19 Jahrhunderten der rund 550 Kilometer lange Obergermanisch-Raetische Limes. Ein paar Schritte hinter dem Schutzwall der Römer lag ein kleines Kastell, dessen Grundmauern dank teilweiser Rekonstruktion sehr gut sichtbar sind. Einst diente die Wehranlage vermutlich einer kleinen römischen Militäreinheit als Lager. Auf Infotafeln können sich Besucher darüber informieren, wie das Bodendenkmal, das seit 2005 Unesco-Weltkulturerbe ist, einst aussah und genutzt wurde. Heute liegt das einstige römische Militärgelände still und friedlich an einem Waldrand. Kaum vorstellbar, dass hier im 1. Jahrhundert eine blutige Grenze verlief.
56204 Hillscheid
das Kastell ist frei zugänglich und im Ort ausgeschildert

Kunstbunker – Montabaur-Horressen

Das Ende des Kalten Krieges bedeutete auch das Aus für das weitläufige Nato-Munitionslager bei Montabaur. Mittlerweile ist neues Leben in die alten Bunker eingekehrt: Die Natur hat sich einen großen Teil des Geländes zurückgeholt und etliche hässliche Betonbauten ganz einfach verschlungen. Doch die ehemalige Militäreinrichtung ist nicht gänzlich sich selbst überlassen. In drei große und vier kleinere Bunkeranlagen ist ein regional und international vernetztes Kultur- und Natur-Erlebniszentrum mitsamt Café eingezogen. Hier finden seit 2008 regelmäßig Ausstellungen, Workshops, Konzerte, Lesungen und naturpädagogische Führungen über das Gelände statt.
Im Stadtwald 2, 56410 Montabaur
Tel. 0173-3 26 31 52
www.kunst-kultur-natur-forum.de

Schiefer Turm – Dausenau

Alles begann Anfang des 19. Jahrhunderts, als ein Teil der Dausenauer Stadtmauer in sich zusammensackte und den danebenstehenden Wehrturm seinem Schicksal überließ. Seit dem kantigen Backsteinriesen die stützende Mauer fehlt, versinkt der sechseckige Bruchsteinturm buchstäblich im Boden und neigt sich dabei immer bedenklicher zur Seite. Mittlerweile bringt er es auf beunruhigende 5,22 Grad. Längst hat er den weltberühmten schiefen Turm von Pisa (3,97 Grad) und einen Konkurrenten im ostfriesischen Suurhusen (5,19 Grad) hinter sich gelassen und ist auf dem besten Weg, auch dem angeblich schiefsten Turm der Welt im 70 Kilometer entfernten Gau-Weinheim den Rang abzulaufen.
Der neigt sich laut Deutschem Rekord-Institut um exakt 5,4377 Grad. Die Rekordjagd läuft in Superzeitlupe ab, könnte sich aber auch sehr plötzlich entscheiden, falls einer der Türme, sagen wir mal: aufgibt. Tod durch Gravitation. Damit dieses Schicksal dem schiefen Turm von Dausenau erspart bleibt, wurde er schon 1950 vorsorglich um 7,50 Meter gekürzt und misst seitdem keine 20 Meter mehr. Dafür steht er jetzt wie eine Eins. Okay, eher wie eine Sieben.
Lahnstr. 33, 56132 Dausenau
www.badems-nassau.info
Tourist-Info Bad Ems
Tel. 026 03-9 41 50
Autor: Jens Lehmann
Alle Angaben ohne Gewähr. Bitte prüfen Sie vor der Abreise alle Angaben wie Öffnungszeiten und Preise.