Wer den saisonalen Rädertausch in Eigenregie durchführt, weiß wie wichtig ein Drehmomentschlüssel ist. Denn bei modernen Fahrzeugen müssen so gut wie alle Schraubverbindungen mit einem vom Hersteller definierten Drehmoment angezogen werden, auch die Radschrauben nach dem Reifentausch. Vorgeschrieben ist meistens ein Drehmoment von 100 bis 150 Newtonmetern. Angaben dazu finden Sie im Bordbuch Ihres Autos. Fürs korrekte Anziehen benötigt man einen Drehmomentschlüssel, an dem sich der entsprechende Wert vorab einstellen lässt – in der Regel durch Verdrehen des Handgriffs. AUTO BILD hat zwölf Drehmomentschlüssel getestet, die den gängigen Bereich von 40 bis 200 Newtonmeter abdecken – vom 27-Euro-Billigprodukt bis zum 289 Euro teuren Profi-Werkzeug. Welches knackt richtig?
Ausgewählte Produkte in tabellarischer Übersicht
1.
Testsieger
Hazet 5122-3 CT
144,07 EUR
sehr gut
2.
Gedore UK No. 3550-20
128,79 EUR
sehr gut
3.
Gedore red R68900200
97,90 EUR
sehr gut
4.
Wera Click Torque C3
129,95 EUR
gut
5.
Preis-Leistungssieger
TZTool 1/2“ Torque wrench Set 9003E
29,99 EUR
gut
6.
KS Tools Ergotorque Precision 516.2442
117,18 EUR
gut
7.
S&R Drehmomentschlüssel-Set 1/2“ 465112210
63,85 EUR
gut
8.
Stahlwille Manoskop 721QR/20/3/1 Quick
288,88 EUR
befriedigend
9.
Goodyear Drehmomentschlüssel 75522
48,00 EUR
befriedigend
10.
Michelin Torque Wrench
32,82 EUR
ausreichend
11.
Famex 10886 Drehmomentschlüssel Set 1/2"
29,71 EUR
ausreichend
12.
Cartrend Automatischer Drehmomentschlüssel
26,99 EUR
mangelhaft

Drehmomentschlüssel-Test: Billig-Werkzeuge häufig ungenau

Die gängigsten Drehmomentschlüssel bestehen aus einem Stahlrohr mit dem darin untergebrachten Auslösemechanismus sowie einer mit dem Griff verbundenen Einstellvorrichtung samt Skala. Als Werkzeugträger ist meistens eine umschaltbare oder umsteckbare Knarre integriert. Wenn das gewünschte Drehmoment erreicht wird, ist ein sattes Knacken zu hören. Außerdem spürt man die Auslösung am Griff. Das funktioniert so: Im Inneren des Werkzeugs übt eine Feder einen definierten Druck auf eine Kugel aus, diese springt bei einer bestimmten Kraft aus einer Kugelpfanne und löst damit aus. Je höher die Vorspannung der Feder, desto höher ist das Drehmoment.
Wichtigstes Prüfungskriterium ist die Genauigkeit der Auslösung. Hier beeindrucken besonders die drei Modelle von TZTool, Gedore red und Hazet durch hohe Präzision und Gleichmäßigkeit – die Abweichung betrug bei unseren Messungen im Durchschnitt nur rund 0,5 Prozent. Zum Vergleich: Beim Billigschlüssel von Car Trend lag die Differenz mit knapp fünf Prozent im Schnitt fast zehn Mal so hoch. Dabei betrug die Abweichung bei einzelnen Messungen sogar bis zu 23 Prozent. Das ist deutlich zu viel!

Große Unterschiede schon bei der Bedienung

Drehmomentschlüssel - Wera
Angaben zum korrekten Drehmoment der Radschrauben finden Sie im Bordbuch Ihres Autos. Beim Golf 1.4 TSI eHybrid sind es 140 Newtonmeter.
Einfache Bedienung – vor allem die unkomplizierte Einstellung des Drehmoments – und eine gut ablesbare Skala erleichtern intensives Arbeiten mit Drehmomentschlüsseln. Auch hier kann das Hazet-Produkt überzeugen, genauso wie die Werkzeuge von Gedore und Wera; knapp dahinter das Produkt von KS Tools, das allerdings ohne Umschalthebel für den Rechts- und Linksbetrieb auskommen muss. Als einziger Testkandidat muss beim Werkzeug von Stahlwille zum Bestimmen des Drehmoments kein Mechanismus am Griff gedreht werden. Stattdessen drückt man einen Hebel innerhalb des Griffendes. Dann lässt sich die Skala einfach per Daumen verschieben und so das gewünschte Drehmoment einstellen – ein ebenso simples wie schnelles Prinzip.
Im Gegensatz dazu sind die schlecht gestanzten, kleinen Skalentabellen auf den stählernen Schäften von Cartrend, Famex und Michelin nur schwer erkennbar. Dazu kommt die unkomfortable Vorwahl: Richtung Maximalwerte lassen sich die schwergängigen Drehgriffe kaum noch bewegen. Das machen die ordentlich verarbeiteten Produkte aus dem niedrigen bis mittlerem Preissegment von TZTool, S&R sowie Goodyear deutlich besser. Für Hobbymechaniker, die nicht täglich Schrauben anziehen müssen, sind sie genau die richtige Wahl. Tipp: Zur Schonung der Mechanik sollte man Drehmomentschlüssel nach der Arbeit immer entspannen und niemals zum Lösen festsitzender Verbindungen missbrauchen. Zudem müssen die Werkzeuge regelmäßig kalibriert werden.

Fazit zum Drehmomentschlüssel-Test

Ein Drehmomentschlüssel gehört in jede vernünftige Kfz-Werkstatt. Unser Test zeigt: Das beste Gesamtpaket für umfangreiche Arbeiten liefern die Profi-Werkzeuge von Hazet oder Gedore. Trotzdem muss es nicht immer das teuerste sein. Im Gegenteil – schon ab 30 Euro gibt es gute Drehmomentschlüssel mit präziser Auslösung, wie das Produkt von TZTool eindrucksvoll beweist. Ganz billige Modelle sind allerdings nicht zu empfehlen.

Testsieger: der beste Drehmomentschlüssel

Drehmomentschlüssel - Hazet
Praktisch: Das Modell von Hazet lässt sich einhändig sperren und öffnen.
Als bester Drehmomentschlüssel im Test erweist sich das Modell Hazet 5122-3 CT für und 144 Euro. Das Werkzeug beeindruckt nicht nur mit einer äußerst präzisen und gleichmäßigen Auslösung. Die Abweichung betrug im Schnitt lediglich knapp über 0,5 Prozent. Bei 50 Newtonmetern lag die Differenz im Mittel sogar bei nur 0,1 Prozent. Die anwenderfreundliche Umschaltknarre ermöglicht einen Rechts- und Linksbetrieb. Praktisch: Dank des vor dem Griff platzierten Drehmechanismus, lässt sich der Hazet-Schlüssel auch einhändig sperren und öffnen. Die simple und intuitive Bedienung in Kombination mit der gut ablesbaren Werteskala erleichtern die Arbeit mit dem Werkzeug. Und seine spitzenmäßige Verarbeitungsqualität rundet das hervorragende Gesamtpaket ab.
Hazet 5122-3 CT
5122-3 CT
Hazet
5122-3 CT

sehr gut

  • Hohe Auslösegenauigkeit
  • Intuitive Bedienung
  • Hohe Verarbeitungsqualität
Preis 144,00 €

So hat AUTO BILD getestet

Drehmomentschlüssel sollten möglichst präzise auslösen. Daher haben wir für die Bewertung der Auslösegenauigkeit mithilfe eines statischen Drehmoment-Prüfgeräts jeweils zehn Probemessungen mit 50, 100, 150 und 200 Newtonmetern durchgeführt. Aus dem Durchschnitt ergibt sich, wie exakt die Schlüssel auslösen – je geringer die Abweichungen und Schwankungen zum gewählten Wert, desto besser. Zusätzlichen wurden noch die Handhabung beim Arbeiten und die Qualität subjektiv beurteilt: Lässt sich das Drehmoment leicht einstellen, ist die Skala ordentlich ablesbar – und wie gut ist das Werkzeug verarbeitet?
Unser Test wurde unterstützt von: Hazet, Gedore, KS Tools, Stahlwille und Wera. Unsere Standards zu Transparenz und journalistischer Unabhängigkeit finden Sie hier.

Von

Christian Bruns