(dpa/hs) Sie hat die Unesco verärgert, Naturschützer zu Klagen herausgefordert und Politiker gespalten. Doch je mehr Gestalt die Waldschlößchenbrücke im Dresdner Elbtal annahm, desto mehr verstummte die Kritik. Etwa 190.000 Menschen haben am vergangenen Wochenende (24./25. August 2013) die Eröffnung der umstrittenen Waldschlößchenbrücke in Dresden mit einem Volksfest gefeiert. Allein am Samstag hätten sich rund 95.000 Besucher das Bauwerk angeschaut.

Meinungen zur Eröffnung

Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP, l-r), Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU), Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz (CDU) und der Bundestagsabgeordnete und Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, Jan Mücke (FDP), stehen am 24.08.2013 beim Banddurchschnitt zur Eröffnung der Waldschlößchenbrücke in Dresden
Von links nach rechts: Sachsens Wirtschaftsminister Sven Morlok, Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, Dresdens Oberbürgermeisterin Helma Orosz und Staatssekretär Jan Mücke.
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Die Gegner halten die Flusslandschaft aber noch immer für irreversibel geschädigt. Die Stadt hatte den Bau der Brücke hartnäckig durchgesetzt, auch weil sie seit einem Bürgerentscheid 68 Prozent der Bevölkerung hinter sich wusste. Der Unesco war das Betonband, das sich nun an der breitesten Stelle über die Elbe und deren Auen spannt, stets ein Dorn im Auge. Nach mehreren verstrichenen Ultimaten löschte sie die einzigartige Flusslandschaft 2009 aus der Liste der Weltkulturerbestätten. Statt "Mut zur Lücke", wie von der Unesco gefordert, hätten die Dresdner "Mut zur Brücke" bewiesen, sagte Tillich. "Damit haben sie Pragmatismus bewiesen in einer Stadt am Fluss, wo Menschen den Weg über eben diesen suchen und brauchen." Er wünsche sich, "dass dieses Bauwerk nicht nur verbindet, sondern auch angenommen wird." Wirtschaftsminister Sven Morlok (FDP) bezeichnete die Brücke in einer Erklärung als "ein gutes Beispiel für lebendige Demokratie", da mit ihr Bürgerwillen umgesetzt worden sei.

Die Hintergründe zum Streit

Stelzenläufer überqueren am 25.08.2013 beim Eröffnungsfest für die Waldschlößchenbrücke in Dresden
Mit einem großen Brückenfest wurde die Waldschlößchenbrücke eingeweiht. Laut offiziellen Angaben kamen 190.000 Besucher zur Eröffnung.

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Zum Symbol des Widerstands wurde während des Baus eine 200 Jahre alte Rotbuche. Tagelang bewahrten die Natur- und Umweltschützer den Baum vor der Säge – bis die im Geäst angeketteten Aktivisten Anfang 2008 von der Polizei heruntergeholt wurden. Die Grüne Liga geht davon aus, dass der Planfeststellungsbeschluss doch noch aufgehoben wird. Aber an einen Abriss glaubt inzwischen niemand mehr. Die Bauherren haben alle Auflagen zum Naturschutz erfüllt, auch wenn bisher keine Kleine Hufeisennase gesichtet wurde. Die geschützte Fledermausart hatte vor Gericht als Kronzeugin gegen den Brückenbau herhalten müssen. Dank des im Zuge der Unesco-Kritik überarbeiteten Entwurfs mit kleineren Widerlagern, flacherem Bogen und schmaleren Füßen ist aus dem "Monstrum" eine ganz normale Brücke geworden.

China: Längste Meeresbrücke der Welt

Autos fahren am 26.08.2013 über die Waldschlößchenbrücke in Dresden (Sachsen). Die Brücke ist ab dem 26. August für den Verkehr freigegeben
Seit Montag, den 26. August fließt der Verkehr über die nagelneue Waldschlößchenbrücke.
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Die Stadt hofft auf Entlastung der Infrastruktur, vor allem der anderen Elbbrücken und der Nebenstraßen. Durch Tunnel und sanierte Straßen haben die Anwohner auf nördlicher Seite mehr Ruhe. Der Hang dient bereits Radfahrern, Skatern und Sommerskifahrern als Piste. Und der Brückenkopf ist längst eine Promenade. Die Waldschlößchenbrücke wäre nicht der erste Dresdner Zankapfel, aus dem ein Wahrzeichen wird. Auch die berühmte Hängebrücke Blaues Wunder wurde Ende des 19. Jahrhunderts erst abgelehnt, dann kontrovers diskutiert und schließlich doch realisiert. Auch die Idee einer Elbbrücke am Waldschlößchen ist schon über 100 Jahre alt.