Herr Auer, ist es ein Vorteil oder eine Belastung, einen so berühmten Onkel zu haben?
Gerhard Berger (56): Ein Vorteil!
Lucas Auer (21): Ja, teilweise ... (lacht).
Auer
Lucas Auer fährt in der DTM für Mercedes
Berger: Irgendwann habe ich mitbekommen, dass mein Neffe ein Kart bekommen hat. Da war er vier. Aber das war viel zu früh, um irgendwas zu sagen. Das war damals nur Spaß.
Wann haben Sie das erste Mal gemerkt, dass Lucas Talent hat?
Berger: Am Anfang arbeitete er sich vom Dorfrennen zum Stadtrennen, von Tirol nach ganz Österreich vor. Erst als er auch international eine gute Figur abgab, konnte man sehen, dass er Potenzial hat.
Auer: Als ich ins Formel-Auto umgestiegen bin, haben wir immer öfter telefoniert. Der Rest hat sich automatisch ergeben.
Wie viel Managerprovision wollte er haben? Zehn, 15 oder 20 Prozent?
Österreich
Auer vertritt in der DTM die österreichischen Farben

Berger: Zehn Prozent. Familientarif.
Was konnten Sie von Ihrem Onkel lernen?
Auer: Wie man sich in einem Team positioniert. Zum Beispiel bei Mercedes. Es ist wichtig, dass man als junger Bursche den Überblick hat.
Berger (lacht): Das nennt man Politik!

Ihre zweite DTM-Saison verläuft extrem gut: Erst der Sieg am Lausitzring. Am Norisring befolgten Sie artig eine Stallorder.
Lausitzring
In der Lausitz gewann Auer sein erstes DTM-Rennen
Berger: Diese Stallorder passte mir gar nicht. Aber das gehört dazu, es sind die Spielregeln. Bei einem so jungen Burschen ist nicht nur Speed entscheidend, sondern auch, welche persönliche Entwicklung er nimmt. Und die stimmt bei ihm. Seit etwa einem Jahr habe ich das Gefühl, dass er Boden unter die Füße bekommt. Jetzt muss er diese Konstanz bewahren. Es war nicht immer einfach, weil ich schon streng war, aber ich denke, es hat sich ausgezahlt.
Auer: Gerhard hat alles richtig gemacht. Er musste hart zu mir sein, weil man im Rennsport ganz schnell erwachsen werden muss. Sonst ist man ganz schnell verloren.
Was ist der nächste Schritt nach der DTM?
Berger: Der Platz von Wehrlein bei Manor. Wenn der weiter aufsteigt (grinst schelmisch).
Berger
Neffe und Onkel: Auer und Berger im Fahrerlager
Auer: Wichtig ist erst mal, dass ich in der DTM die Leistungen bestätigen kann. Wir haben noch fünf Wochenenden, also zehn Rennen. Da will ich so viele Punkte wie möglich mitnehmen. Erst dann kann man weiterdenken. Die Formel 1 ist mein Ziel. Aber mein Fokus liegt derzeit auf der DTM.
Berger: Lucas ist auf dem Weg nach oben. In Österreich ist er schon die Nummer 1. Aber erst mal zählt die DTM. Ein paar Rennen gewinnen sollte das Ziel sein. Dann kann man über die Formel 1 nachdenken. Aber Sportwagen wie Le Mans wären auch eine gute Alternative. Wenn er jetzt auch noch die richtigen Kontakte hätte ... (grinst).