Liam Lawson machte große Augen, als er nach seinem zweiten Platz im 14. Saisonrennen aus seinem Ferrari stieg. Denn der hatte ein unübersehbares, verkohltes Loch auf der linken Rückseite. Der Grund: Ein nach oben geknickter Auspuff nach einem Rempler von Titelrivale Kelvin van der Linde in der Anfangsphase des Rennens in Hockenheim. Lawson konnte von Glück reden, dass er es mit dem Schaden ins Ziel schaffte.
"Keine Ahnung, ob er sich verbremst hat, aber ich habe einen massiven Schlag von hinten bekommen. Und das hat uns ein großes Loch ins Heck gebrannt. Wir hatten sehr viel Glück, das Rennen beenden zu können", sagte Lawson, der durch den zweiten Platz hinter Sieger Lucas Auer die Gesamtführung zurückeroberte und jetzt 206 Punkte hat. 

Das Glück ist inklusive

Wichtiges Indiz: Der Faktor Glück, den man im Titelkampf benötigt, war im Paket inklusive. "Ich wusste nicht, dass das Auto so aussieht. Das Team hat mir nichts dazu gesagt. Da hätte sich auch ein Feuer entzünden können. Und das hätte den Motor zerstören können", so Lawson.
Doch der Ferrari hielt bis ins Ziel. "Das ist gut, aber wir haben gesehen, wie schnell sich etwas ändern kann, vor allem mit dem Zusatzgewicht. Das ist eine gute Position, aber wir müssen weiter sauber bleiben", sagte Lawson.
Liam Lawson.
Hinzu kommt: Van der Linde kassierte für den Rempler eine Fünf-Sekunden-Strafe. Da er diese gemäß Reglement nicht beim Pflicht-Boxenstopp absaß, bekam er weitere fünf Sekunden aufgebrummt. Ein Patzer des Abt-Teams, in der Hektik des Gefechts. Van der Linde hatte aber auch mit den 25 Kilogramm Zusatzgewicht für seinen Sieg am Samstag zu kämpfen, fiel nach den Boxenstopps von auf Rang vier und später auf Platz sechs zurück.
Von der Pole aus gestartet, blieb wegen der Zeitstrafe am Ende nur Rang zehn und ein Punkt – er steht jetzt bei 192 Zählern. Auch Maximilian Götz (HRT), der hinter Auer und Lawson Dritter wurde, hat mit 180 Zählern weiter alle Chancen auf den Titel. Marco Wittmann (Walkenhorst) ging nach Samstag auch am Sonntag leer aus und dürfte sich zum Finale am Norisring (8. bis 10. Oktober) aus dem Titelkampf verabschieden. Er hat 165 Punkte. Und damit höchstens noch eine Außenseiter-Chance.

Abt: Sorge um Mechaniker

Auch für Abt war der Sonntag ein rabenschwarzer Tag. Denn der Ärger um die Doppelstrafe von van der Linde wurde überschattet von der Sorge um einen verletzten Mechaniker. Beim Stopp von Mike Rockenfeller, der am Samstag seinen Abschied von Audi nach 15 Jahren zum Saisonende verkündet hatte, hatten sich die Räder an der Hinterachse nach dem Reifenwechsel noch gedreht, der Mechaniker verletzte sich dabei an der Hand.
"Da interessieren mich die Strafen nicht, nur die Gesundheit des Mechanikers", sagte Abt-Teamchef Thomas Biermaier. Der Mechaniker wurde ins Krankenhaus gebracht, eine Diagnose steht noch aus. Auch van der Linde wollte zu den Strafen nicht viel sagen, er bestätigte aber die Meinung von Sat.1-Experte Timo Scheider, der davon sprach, dass die Strafe überzogen sei. "Die Strafen sind mir egal heute. Wir müssen am Norisring noch härter kämpfen. Wir haben am Samstag selbst gezeigt, wie schnell es gehen kann", sagte van der Linde.

Hockenheim – DTM – 2. Rennen

1. Lucas Auer (Österreich) – Mercedes-AMG GT3 57:33,498 Min.
2. Liam Lawson (Neuseeland) – Ferrari 488 GT3 +6,388 Sek.
3. Maximilian Götz (Uffenheim) – Mercedes-AMG GT3 +12,080
4. Philip Ellis (Großbritannien) – Mercedes-AMG GT3 +12,748
5. Daniel Juncadella (Spanien) – Mercedes-AMG GT3 +13,361
6. Alexander Albon (Thailand) – Ferrari 488 GT3 +15,243
7. Marvin Dienst (Lampertheim) – Mercedes-AMG GT3 +17,457
8. Arjun Maini (Indien) – Mercedes-AMG GT3 +19,418
9. Vincent Abril (Frankreich) – Mercedes-AMG GT3 +22,115
10. Kelvin van der Linde (Südafrika) – Audi R8 LMS GT3 +24,161
11. Mike Rockenfeller (Landschlacht/Schweiz) – Audi R8 LMS GT3 +27,116
12. Marco Wittmann (Fürth) – BMW M6 GT3 +27,260

Fahrer-Wertung, Stand nach 14 von 16 Rennen

1. Liam Lawson (Neuseeland) – Ferrari 206 Pkt.
2. Kelvin van der Linde (Südafrika) – Audi 192
3. Maximilian Götz (Uffenheim) – Mercedes 180
4. Marco Wittmann (Fürth) – BMW 165
5. Alexander Albon (Thailand) – Ferrari 130
6. Philip Ellis (Großbritannien) – Mercedes 127
7. Lucas Auer (Österreich) – Mercedes 125
8. Mike Rockenfeller (Landschlacht/Schweiz) – Audi 77
9. Daniel Juncadella (Spanien) – Mercedes 61
10. Sheldon van der Linde (Südafrika) – BMW 55

Von

Andreas Reiners