Es war die Szene des Rennens beim siebten Saisonlauf der DTM auf dem Nürburgring! In der Hauptrolle: Alle drei Lamborghini vom Team SSR Performance. Zunächst legt Alessio Deledda seinen Lambo auf regennasser Strecke in der Bande von Kurve eins ab. Die Rennleitung reagiert darauf mit dem Safety-Car, das aber kostet den anderen SSR-Lamborghini von Mirko Bortolotti an der Spitze seinen bereits herausgefahrenen Vorsprung von sieben Sekunden.
Die Rettung: Ausgerechnet das dritte Auto des SSR-Teams von Franck Perera. Dieser ist bereits überrundet und liegt vor dem Restart als Puffer genau zwischen dem Führenden Bortolotti und den Verfolgern Thomas Preining und Ricardo Feller.
So kommt es zum kuriosen Teamwork: Als das Safety-Car reinkommt, gibt Bortolotti vorne Gas, während Perera schon in der Zielkurve die Verfolger aufhält. Deren Handicap: Sie dürfen erst ab der Ziellinie überholen, was Preining und Feller auch umgehend tun - durch die Perera-Falle sind sie ohne Schwung aber chancenlos gegen den Winward-Mercedes von Lucas Auer, der von hinten herangestürmt kommt und sich vom vierten auf den zweiten Platz schiebt, während Bortolotti vorne längst über alle Berge ist.
Preining und Feller dürfen Perera (l.) nicht vor der Ziellinie überholen, von hinten kommt Auer (r.) angeflogen.
Bild: ran/ProSieben

TV-Experte Timo Scheider findet das nicht besonders fair: "Eigentlich lagen schon vor der letzten Kurve vier, fünf Wagenlagen zwischen den Teamkollegen (Bortolotti und Perera; d. Red.), für mein Empfinden war das definitiv zu viel", sagt der zweifache DTM-Champion und glaubt: "Pereras Bummelfahrt vor der Linie hatte schon einen großen Effekt, Preining und Feller werden sicher einen Hals haben. Das wird noch für Diskussionen sorgen."
Allein: Im Ziel fallen die Reaktionen relativ gemäßigt aus. Preining nimmt's sportlich und äußert sogar fast schon Bewunderung für den Taschenspielertrick der Konkurrenz: "Da haben die SSR-Jungs super zusammengearbeitet und mich blockiert. Aber auch das ist Motorsport", sagt der Österreicher, der die Meisterschaft nach dem Rennen weiterhin anführt.
Neue Freunde hat sich Perera, mit 39 Jahren aktuell der älteste Starter im DTM-Feld, am Samstag aber trotzdem keine gemacht: Schon am Start kachelt er dem Viertplatzierten Kelvin van der Linde (Abt Audi) ins Heck und dreht den Südafrikaner um. Für Perera setzt es deshalb eine Strafe, die ihn aus der Führungsrunde wirft.
Pereras erster Streich: Am Start kachelt er Van der Linde rein.
Bild: ran/ProSieben

Und selbst Auer, der große Nutznießer von Pereras kurioser Blockade-Aktion beim Restart, dürfte nur so mittelgut auf den Franzosen zu sprechen sein, erweist dieser ihm damit doch einen Bärendienst - zumindest, was das nächste Frühstück betrifft: Für den unwahrscheinlichen Fall, dass er von Startplatz acht aufs Podium stürmt, hatte Auer vor dem Rennen gewettet, dass er am Sonntag Pancakes mit Fleischsalat frühstückt, wie Experte Scheider noch während der Livesendung ausplaudert.
Nach dem Rennen will Auer davon natürlich nichts mehr wissen: "Ach, das wird mir jetzt unterstellt und in den Mund gelegt, aber das habe ich nie gesagt. Sowas wette ich doch nicht", lacht der Österreicher, nur um wenig später einzuräumen: "Na gut, wenn's mir was bringt, dann zieh ich das jetzt eben durch." Prost Mahlzeit!