Es war eine fast unlösbare Aufgabe, aber er hat sie bewältigt: DTM-Chef Gerhard Berger (61) hat die DTM nicht nur gerettet, sondern mit dem Schritt von Prototypen auf GT3-Supersportwagen auch noch das Fahrerfeld gestärkt: Sechs Marken gab es zuletzt 1993 – dazu kommen drei Ex-Champions, drei frühere Formel-1-Piloten, zwei Frauen, der Vizemeister von 2020 und viele Piloten, die sich in der neuen DTM einen Namen machen wollen.
Oder – wie Berger es auf den Punkt bringt: „Wir haben das beste GT-Starterfeld überhaupt!“
Ein Grund: Die DTM setzt weiter auf Sprintrennen. Das Cockpit gehört nur einem Fahrer. Der Star ist das Duo aus Lenkradkünstler und GT-Bolide, eingesetzt von Privatteams zu einem Zehntel der Kosten der Vergangenheit (maximal 1,5 Millionen Euro).

Die schnellste GT3-Serie

Los geht’s am kommenden Wochenende auf der Hochgeschwindigkeits-Piste im königlichen Park von Monza (Sat.1 überträgt am Samstag und Sonntag die Rennen ab 13 Uhr.). Auch da dürfte klar werden: Die DTM ist die schnellste GT3-Serie überhaupt! Fahrhilfen wie ABS und Traktionskontrolle bleiben zwar an Bord. Aber die Motoren haben kleinere Luftmengenbegrenzer eingebaut als in anderen GT3-Serien und leisten daher etwas mehr als 550 PS.
Die DTM ist die schnellste GT3-Serie überhaupt.
Tatsächlich werden die Fahrzeuge sogar so flott sein, dass beim Auftakt im Tempo-Tempel von Monza die Rennzeit von 55 Minuten plus eine Runde um fünf Minuten verkürzt werden muss – weil sonst die 120 Liter Sprit bei Durchschnittstempi von 200 km/h und Topspeeds von 280 km/h nicht reichen würden.
Ein Favorit ist im 22-köpfigfen Fahrerfeld kaum auszumachen. Nur sechs Fahrer von 2020 sind noch 2021 dabei, darunter Timo Glock (ROWE BMW), Vizemeister Nico Müller (Rosberg Audi) sowie die Ex-Meister Mike Rockenfeller (Abt Audi) und Marco Wittmann (Walkenhorst BMW).

Zwölf Rookies in der DTM

Zwölf Fahrer sind neu in der DTM, darunter der ehemalige Formel-1-Pilot Alex Albon. Red Bull finanziert zwei Ferrari 488 GT3 in der DTM, einen davon als Auffangbecken für Albon. „Ein GT3 ist schon anders als ein Formel-1-Renner“, räumt der Thailänder ein. „Aber letztlich hat auch er ein Gaspedal, eine Bremse und ein Lenkrad.“ 
Neuling ist nicht gleich Neuling. Kelvin van der Linde (24), der für Abt Sportsline einen Audi R8 LMS fahren wird, mag zwar noch kein einziges DTM-Rennen bestritten haben – und doch hat er mehr Erfahrung in GT3-Autos als Gary Paffett (40), der mit 186 DTM-Rennen, 23 Siegen und zwei Titeln einer der erfolgreichsten und auch ältesten Fahrer im DTM-Feld 2021 ist. Van der Linde fährt nämlich seit sieben Jahren im ADAC GT Masters, holte sich 2014 und 2019 jeweils den Titel und ist allein 2021 schon fünf GT3-Rennen gefahren.
Zwölf Fahrer sind neu in der DTM, darunter der ehemalige Formel-1-Pilot Alex Albon.
Brisant: Sein um zwei Jahre jüngerer Bruder Sheldon van der Linde (22), der immerhin eines seiner 36 DTM-Rennen gewann, wird ebenfalls am Start sein. Damit konkurrieren erstmals seit 1994 Gerd und Jürgen Ruch, die im familieneigenen Team zwei Ford Mustang eingesetzt haben, wieder zwei Brüder in der DTM. „Für uns ist das Ziel, der jeweils beste Fahrer unserer Marken zu sein – also ich mit Audi und Sheldon mit BMW“, erklärt Kelvin van der Linde. Beide leben in einer Wohngemeinschaft in Kempten (Allgäu), kommen aus einer südafrikanischen Rennfahrerdynastie (Opa Hennie van der Linde gewann fünfmal die süd-afrikanische Tourenwagenmeisterschaft) und gelten als äußerst talentiert.

Meister nicht dabei

Neben den zwölf Rookies (darunter mit Sophia Flörsch und Esmee Hawkey die Frauen Nummer elf und zwölf der DTM-Geschichte) sind vier Fahrer dabei, die in die DTM zurückkehren. Hubert Haupt (52) wird nicht weniger als 20 Jahre nach seinem letzten Rennen mit Opel als Teameigner des HRT-Teams sein Comeback geben – wenn auch nur bei ausgewählten Rennen. Maximilian Götz (35/HRT Mercedes) feiert nach fünf Jahren eine Rückkehr, Gary Paffett (Mücke Mercedes) nach drei, Daniel Juncadella (30/Gruppe M Mercedes) nach zwei Jahren.
Einziger Wermutstropfen: Der dreimalige DTM-Meister René Rast (34) fehlt, weil er sich voll auf die Formel E konzentriert. Über die DTM 2021 sagt er: „Es ist ein extrem spannender Mix aus Fahrern und Herstellern. Das wird gigantisch. Die Class-1-Autos waren spektakulärer mit Blick auf die Rundenzeiten, aber der Fan will Motorsport mit verschiedenen Marken.“
Immerhin: Rast ist als Experte bei Sat.1 an Bord.