Neustart für Sophia Flörsch (20) in der DTM! Ein Reset. Alles auf null. Noch mal auf Start sozusagen. Und dann bitte Vollgas.
Das ist die klare Ansage von Abt-Teamchef Thomas Biermaier an die DTM-Lady. Die hatte zuletzt wegen des 24-Stunden-Rennens in Le Mans ein DTM-Rennwochenende verpasst. Beim fünften Event in Spielberg an diesem Wochenende ist die 20-Jahrige wieder im Start.
„Alle müssen aus Fehlern lernen“, sagt Biermaier zu ABMS. „Wir haben Fehler gemacht, Sophia hat Fehler gemacht, das Umfeld hat Fehler gemacht. Es ist keiner nachtragend.“ Er stellt auch klar: „Wir möchten RennfahrerInnen, die hart arbeiten, sich den Arsch aufreißen und Gas geben. Das erwarten wir von uns selbst auch.“
Flörsch kämpft in der neuen GT3-DTM noch mit Anlaufschwierigkeiten, ihr bestes Ergebnis in sechs Rennen ist bislang der 15. Platz, den sie bei zwei Ausfällen viermal erreichte. Während die zweite Dame im Feld, Esmee Hawky, im T3-Lamborghini frech und frei in Richtung Top Ten und Punkte fährt, kommt Flörsch noch nicht in Fahrt. Hawkey wurde zuletzt am Nürburgring Elfte, davor zweimal 13.
Dass die zuvor völlig unbekannte Britin vor der Deutschen landen würde, ist für T3-Teamchef Jens Feucht keine Überraschung, „Wenn ich ehrlich bin – damit habe ich gerechnet“, sagte er zu ABMS: „Sophia ist sicher auch eine Top-Fahrerin, aber Esmee hat den Carrera Cup in England gewonnen. Da hat sie schon gezeigt, dass sie schnell ist.“
Sophia Flörsch
Er hatte zunächst mit einem Duell der beiden Frauen gerechnet, „aber für Esmee geht es jetzt in Richtung Top Ten. Vom Gesamtpaket her sehe ich sie im Moment vor Sophia, auch das Umfeld passt, wie mit Manager Mark Blundell (Ex-Formle-1-Pilot; d. Red.). Ich sage es mal so: Sie hat die bessere Ausgangsposition, und die nutzt sie auch“.
Die Gründe für Flörschs Probleme sind vielfältig. „Dass es schwer wird, haben wir von der ersten Runde an gesagt“, räumt Biermeier ein und deutet an, dass es wohl auch mal geknallt hat. „Es hat ein paar Unstimmigkeiten gegeben, weil sie nicht zufrieden waren mit den Ergebnissen“, so der Teamchef: „Wir sind als Team aber nicht so schlecht.“
Was die Halbzeit-Titel nach acht von 16 Rennen durch Kelvin van der Linde und in der Teamwertung unterstreichen.
Ein Grund für den Rückstand auf die eigenen Teamkollegen van der Linde und Mike Rockenfeller, der mit bis zu 1,5 Sekunden teilweise deutlich ist: die elektronische Space-Drive-Lenkung, die noch nicht zu 100 Prozent ausgereift ist und die auch im Kopf eine Rolle spiele, so Biermaier.
Zur Lenkung kommen aber weitere Faktoren. „Der eigene Druck, den sie sich aufbaut, ist relativ groß“, sagt Biermaier. Dabei haben sie „schon gute Leistungen gezeigt, wie zum Beispiel am Lausitzring, als sie sieben Zehntelsekunden hinter der Spitze lag.“ Darauf gelte es aufzubauen.
Biermaier erwartet dabei volle Konzentration auf die DTM: „Ich finde, dass man den Fokus halten sollte und nicht zu viel machen sollte. Zwei Serien im Motorsport, dann die Social-Media-Themen – weniger ist oft mehr. Da sollte der Fokus auf einer Sache liegen – und das voll durchziehen, von A bis Z“.
Denn für den Abt-Teamchef ist klar: „Sie hat den Speed, sie wird momentan unter Wert geschlagen.“ Aber: „Sie muss jetzt konstant auf eine Runde schnell sein und dann im Rennen konstant gut fahren.“ Also Vollgas bitte!
Andreas Reiners

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