AUTO BILD: Timo Bernhard, wie fühlt es sich an, nicht nur Sportwagen-Weltmeister, sondern auch DTM-Sieger zu sein? 
Timo Bernhard (41):
Das ist eine große Nummer! Was ich an Nachrichten aus der Motorsport-Welt und auch von Porsche bekommen habe, schmeichelt und ist einfach Wahnsinn. Es war nicht immer nur ein gerader Weg für unseren Rennstall, sondern einer mit vielen Widerständen.
Was ist schwieriger: Teamchef zu sein oder Fahrer?
Als Fahrer macht es mehr Spaß, als Teamchef ist es schwieriger. Als Fahrer macht man viele Dinge mit sich selbst aus, man ist näher dran und ist in einem Tunnel. Als Teamchef hat man viel mehr Verantwortung, ist an der Boxenmauer aber eigentlich nur noch Passagier. Man muss ein Gespür entwickeln, was ein Team benötigt, ob nun Wärme oder Härte, und dabei auch unpopuläre Entscheidungen treffen. Man muss vorleben, was man erreichen möchte und wofür man steht. Ich bin sehr ungeduldig, und das musste ich lernen: Als Fahrer kann man Dinge schnell umsetzen, ein Team braucht Zeit.
Ist der Erfolg als Teamchef dann auch mehr wert als der als Fahrer?
Das ist schwer zu vergleichen. Aber klar: Der Sieg gibt mir sehr viel zurück, das habe ich ein wenig unterschätzt. Am Norisring waren Stars wie Walter Röhrl, Rainer Braun, Hans-Joachim Stuck bei uns in der Box und haben uns beglückwünscht – das ist die maximale Auszeichnung.
Timo Bernhard hat als Teamchef das erste DTM-Rennen für Porsche gewonnen.

Was ist denn das Erfolgsgeheimnis, um auch als Teamchef vorne dabei zu sein?
Wir sind nicht Schickimicki oder Marketing, wir sind Racer und ein klassisches Familienunternehmen. Wir leben und lieben Motorsport. Wir haben nicht das größte Budget und müssen es auf eine andere Art und Weise machen. Meine Eltern sind immer noch involviert, meine Schwester ist die Teammanagerin, und ich trage die Gesamtverantwortung.
Wie stolz ist die Familie auf das, was Sie geleistet haben?
Jeder fiebert mit. Mein ältester Sohn hat die LMP1-Zeit noch mitbekommen, die Siege und Titel. Irgendwann hat er gesagt: „Wann gewinnst du endlich mal wieder?“ Mein Vater hat es nicht so mit Lobeshymnen, er meinte: „Hat ja gut geklappt.“ Ich weiß aber, dass er innerlich feiert. Und die Mama ist die gute Seele des Teams.
Als Teamchef hat man mehrere Aufgaben, ist Finanzminister, Psychologe, Manager oder Politiker. Worauf haben Sie gar keine Lust?
Die Teammanager-Meetings mag ich gar nicht, die macht meine Schwester (lacht). Was aber Spaß macht: So etwas wie das DTM-Programm zusammenzubekommen, da steckt sehr viel Arbeit drin. Und mehr Performance finden. Ein Beispiel: Vor dem Event in Imola saß ich an einem Testtag selbst im Auto und wollte die Erfahrung, dass ich früher Autos für Porsche entwickelt habe, nutzen, um einen Impuls zu geben. Die Verbesserungen waren spürbar. Zwei, drei Zehntelsekunden waren es unterm Strich, aber in der DTM sind das zehn Plätze.
Reizt da auch ein Gaststart im eigenen Team?
Die Rundenzeit war nicht so schlecht (lacht). Aber auch wenn ich noch nie einen DTM-Start hatte, das würde nur ablenken. Denn ich weiß, wie es ist, wenn der Ehrgeiz durchkommt. Im Mittelfeld ist die Laune dann nicht so gut.

Von

Bianca Garloff