Als Valentino Rossi im vergangenen Jahr ankündigte, nach dem Ende seiner MotoGP-Laufbahn seine Auto-Karriere vorantreiben zu wollen, wollte DTM-Chef Gerhard Berger den Druck nicht zu groß werden lassen.
Doch natürlich hatte er die Hoffnung, dass für Rossi angesichts seiner Erfahrung in GT3-Autos die DTM eine Option sein könnte. Schließlich sind in Bergers Rennserie seit 2021 GT3-Autos am Start.
Gespräche zwischen Berger und Rossi gab es, doch Motorrad-Legende Rossi entschied sich anders. Er wird 2022 in der GT World Challenge Europe antreten – für das frühere DTM-Team WRT.
Ein signifikanter Unterschied der beiden GT3-Serien: In der GT World Challenge Europe teilt sich Rossi das Auto, einen Audi R8 LMS GT3, mit Teamkollegen. Außerdem teilt sich die Rennserie in Endurance- und Sprint-Rennen auf. Highlight ist das 24-Stunden-Rennen in Spa. In der DTM finden nur Sprintrennen statt.
Valentino Rossi fährt 2022 in der GT World Challenge Europe.
Für die DTM ist die Rossi-Entscheidung eine bittere, denn in Zeiten zahlreicher GT3-Serien wäre der Name ein Pfund gewesen, mit dem man hätte wuchern können. „Es wäre super schön gewesen, Valentino bei uns zu haben“, sagt denn auch DTM-Manager Frederic Elsner.
Die DTM-Verantwortlichen hatten aber „das Gefühl, dass er sich im ersten Schritt eher auf die Langstrecke konzentrieren möchte“, erklärt Elsner. „Wir haben deshalb mit gutem Maß versucht, ihn zu bekommen, wir haben es aber auch nicht übertrieben. Wir respektieren seine Entscheidung und hoffen, dass es sich 2023 noch ändern kann und er bereit ist, zu uns zu kommen.“
Eine Möglichkeit, Rossi 2022 doch in der DTM zu sehen, wäre ein Gaststart. Doch das ist aktuell noch weit weg. „Er wird sich erst mal auf das andere Projekt konzentrieren“, so Elsner: „Wir pushen nicht wie verrückt auf einen Gaststart und versuchen das jetzt nicht auf Biegen und Brechen. Wir sind in Kontakt. Er wäre auf jeden Fall ein Gaststarter, den wir zulassen würden. Aber wir sind so gut aufgestellt, dass wir nicht alles über den Haufen schmeißen müssten, um Rossi am Start zu haben.“
Und wie schätzt Ex-Champion Martin Tomczyk die Entscheidung ein? „Ich verstehe, wenn er jetzt lieber in eine Serie geht, in der er sich das Auto mit zwei anderen teilt. Wo er viel lernen kann, wo die Leistung vielleicht ein bisschen kaschiert wird von seinen Teamkollegen, er aber trotzdem gute Resultate einfahren kann“, so der 40-Jährige, der seit Anfang des Jahres für die DTM-Dachgesellschaft ITR arbeitet: „Ich glaube, dass er erst einmal schaut, wo er steht. Ich glaube aber auch, dass er genug Ehrgeiz hat, eventuell auch in die DTM zu kommen.“

Von

Andreas Reiners