Motorsport können sie bei Ducati. Top-Platzierungen in der Moto GP belegen das ebenso wie die ultra-biestigen Panigale-Modelle. Diese kantigen Extremisten mampfen Curbs wie Bud Spencer seine Bohnenpfanne. Und verhauen ihre Eigner auch so.
Es geht bei Ducati aber auch eine Stufe gesitteter. Die SuperSport 950 geht die Kurvenräuberei etwas weniger radikal an – wenn auch immer noch nachdrücklich. Dazu fassen sich an den Händen: ein schlanker, fahrbereit 210 Kilogramm leichter Sporttourer mit teuflisch rot aus der Verkleidung herausblitzendem Gitterrohr-Grundrahmen, gewaltige 320-Millimeter-Bremsscheiben, feinfühlige, gold-eloxierte Federelemente von Öhlins und ein potenter V2.
In diesem "Testastretta 11°" genannten Block der neuen SuperSport verbünden sich Desmodromik, der Zahnriementrieb und Ride-by-Wire-gesteuerte Drosselklappen zu einem omnipräsenten Zuckerstückchen in Sachen Maschinenbau.
Ducati SuperSport 950 S
Die SuperSport 950 S kommt mit gewaltigen 320-Millimeter-Bremsscheiben.

Auf Wunsch liefert Ducati die 950er in einer gedrosselten 48-PS-Variante für den A2-Führerschein aus. Normal stehen 110 Pferde parat – und was für welche: Die Kraft sickert geradezu vulgär bereitwillig ins Sechsganggetriebe. Das 937-Kubik-Aggregat packt bereits bei knapp über 3000 Touren grantig zu und dreht dann emsig bis zur roten Marke. Sowohl rauf als auch runter lassen sich die Gänge dank Schaltautomat ohne Griff zur Kupplung durchmischen. Allerdings verlangt die 950 nach einem saftigen Tritt beim Herunterschalten.

Kantige Bank stützt unerwartet bequem

Mehr gibt’s auch nicht zu meckern. Bei 1,86 Meter Körpergröße passt die SuperSport sowohl liegend als auch sitzend erstaunlich gut. Und die optisch kantige Bank stützt unerwartet bequem. Für kleinere Fahrer hält das Zubehör-Sortiment eine drei Zentimeter flache, gepolsterte Auflage bereit.
Auch die garstige Akrapovic-Auspuffanlage stammt aus der Nachrüstung. Sie spart 4,6 Kilogramm Gewicht, verspricht bei mittleren Drehzahlen einen kleinen Leistungsschub und hört sich exakt so an, wie sie aussieht – edelstählern, nach oben offen. Kostet aber auch 2317 Euro, dieses verschlungene Kunstwerk.
Ducati SuperSport 950 S
Linientreu: die SuperSport 950 (hier als S mit rotem Farbklecks auf den Felgen).

Auf der Rundstrecke – Landstraßen-Tests waren noch nicht möglich – fühlt sich die SuperSport so richtig wohl. Der Fahrer auch. Die Mischung aus erstklassigem Fahrwerk, brutalem Biss an der Bremse und den auf der Testmaschine montierten Pirelli Diablo Supercorsa V3 schaffen bereits nach einer Achtelrunde enormes Vertrauen. Den Rest regelt die Elektronik.

SuperSport-Basisversion kostet 2300 Euro weniger

Das Paket an Fahrhilfen ist üppig: Bosch-Kurven-ABS, Ducati Traction Control (DTC) EVO, Ducati Wheelie Control (DWC) EVO und Ducati Quick Shift (DQS) Up/ Down EVO heißen die Systeme.
In der Praxis bedeutet das: Die elektronische Eingreiftruppe verhindert beim Beschleunigen ein aufsteigendes Vorderrad, beim Anbremsen von Kurven Rauchfahnen am Reifen und beim energischen Runterschalten entstehende Unruhe am Hinterrad. 15.690 Euro kostet so viel Kurvenkompetenz.
Ducati SuperSport 950 S
Die SuperSport gerade betriebswarm, Redakteur längst am Limit: Präsentation der 110 PS starken Ducati 950 S auf dem Rundkurs Vallelunga bei Rom.

Die Basisversion (ohne S) gibt es für 2300 Euro weniger. Und auch sie kann schon Motorsport.

Technische Daten und Preis: Ducati SuperSport 950 S

Motor V2 (Desmodromik)
• Hubraum 937 ccm
• Leistung 81 kW (110 PS) bei 9000/min
• max. Drehmoment 93 Nm bei 6500/min
• Spitze k. A.
• Reifen v./h. 120-70 ZR 17 / 180-55 ZR 17
• Sitzhöhe 810 mm
• Leergewicht 210 kg
• Tankinhalt 16 l
• Preis ab 15.690 Euro