E-Bikes sind ein Dauertrend: Allein im vergangenen Jahr wurden nach Angaben des Zweirad-Industrie-Verbands (ZIV) 1,3 Millionen Elektrofahrräder in Deutschland verkauft. Und das, obwohl ein elektrifiziertes Fahrrad keine günstige Anschaffung ist. Selbst Einsteiger-Pedelecs bekommt man im Fachhandel nicht für weniger als 2000 Euro. Nach oben ist die Preisgrenze offen. 
Ein gebrauchtes E-Bike indes ist deutlich günstiger. Wer Glück hat, findet im lokalen Anzeigenbereich Angebote für die Hälfte des Kaufpreises. Die Chancen für ein gutes Geschäft stehen gut, denn der E-Bike-Boom befeuert auch den Gebrauchtmarkt.
Ein weiterer Vorteil sogenannter Refurbished E-Bikes: Sie müssen anders als bei einem Neurad nicht auf die Lieferung warten, in Zeiten angespannter Lieferketten kein unwichtiges Argument. Ein Pedelec, das bei einer Privatperson oder bei einem professionellen Händler gebrauchter E-Bikes zum Kauf steht, ist innerhalb kürzester Zeit bei Ihnen.

Überlegungen vor dem Kauf

Vor dem Gebrauchtkauf stehen die gleichen Überlegungen wie bei der Anschaffung eines Neurads: Soll es ein E-City-Bike für den Weg zur Arbeit sein, ein E-Trekking-Bike für Touren, oder soll das Rad als Sportgerät, wie ein E-Mountainbike oder E-Rennrad, genutzt werden? Entscheiden Sie nicht nach dem höchsten Rabatt, sondern nach Ihren Bedürfnissen! 
Gebrauchte E-Bikes bekommen Sie auf zwei Wegen: Entweder bei einer Privatperson, die sich davon trennen möchte, diese finden Sie auf den bekannten Online-Marktplätzen. Oder bei einem Händler, der sich auf den Verkauf von Pedelecs aus Testflotten, zurückgegebenen Leasing-Rädern und Messe-Modellen spezialisiert hat.

Prüfung beim Privatverkauf

Bei Privatverkäufen gilt die Regel: Gekauft wie gesehen. Der erste Schritt ist deswegen, den allgemeinen Zustand des E-Bikes von außen zu begutachten. Vorsicht bei rostigen Stellen oder groben Kratzern, Rissen oder Dellen am Rahmen. Das könnten Zeichen eines Sturzes oder gar Unfalls sein. Ein kritischer Blick auf den Zustand des Sattels und den Verschleiß der Kunststoffteile ist genauso zu empfehlen wie ein Check der Front- und Rückbeleuchtung. 
Sie sollten den Vorbesitzer fragen, ob das Rad im Keller, in der Garage oder im Freien aufbewahrt wurde und ob es auch im Winter gefahren wurde. Dies hat Auswirkungen auf Verschleißteile am Antrieb und auf die Akku-Kapazität. 
Bei einem normalen Fahrrad reichen meist ein prüfender Blick auf Rahmen, Bremse, Reifen und Gangschaltung und eine kurze Probefahrt, um den allgemeinen Zustand des Rades zu erkennen. Das ist auch beim E-Bike Pflicht, doch hier kommt hinzu, dass der Zustand von Motor, Akku und Sensoren nur mit einer elektronischen Analyse ausgelesen werden kann.
Der Fachhandel hilft bei der Beurteilung. Viele E-Bike-Händler bieten für rund 50 Euro eine technische Inspektion an. Dabei wird zum einen der Motor an die Computersoftware des Herstellers angeschlossen und ausgelesen. Zum anderen wird der Akku mithilfe eines Diagnose-Tools unter die Lupe genommen. Der Fachhändler kann feststellen, wie viele Ladezyklen bereits bei dem Rad vorgenommen wurden. Das ist wichtig, denn nur so lässt sich die verbleibende Leistungsfähigkeit des Akkus einschätzen.
Faustregel: Ein hochwertiger Lithium-Ionen- oder Lithium-Polymer-Akku kann zwischen 700 und 1000 Ladezyklen meistern. Im Schnitt hat ein Akku eine Lebensdauer von maximal fünf Jahren. Danach brauchen Sie Ersatz, ein neuer Akku kostet zwischen 600 und 800 Euro. 
Tipp: Checken Sie beim Hersteller, ob es für das bestimmte Modell noch Ersatzteile gibt. Zum Paket sollten selbstverständlich Ladegerät, Anleitung und Serviceheft gehören.

Probefahrt ist Pflicht

Sie sollten bei einem Privatverkäufer kein gebrauchtes Elektrofahrrad erwerben, ohne die Funktionsfähigkeit des Pedelecs selbst bei einer gründlichen Probefahrt zu testen. Spielen Sie in sicherer Umgebung alle alltäglichen Situationen durch: aufsteigen, beschleunigen, lenken und bremsen. Nehmen Sie das Pedelec so hart ran wie im Alltag, und fahren Sie über Bordsteinkanten und Schlaglöcher. Hören Sie während der Probefahrt genau hin. Ungewöhnliche Geräusche, die vom Motor oder Antrieb ausgehen, können auf einen Schaden hinweisen. Damit Sie beim Privatkauf auf der sicheren Seite sind, haben wir die wichtigsten Tipps für den Gebrauchtkauf für Sie vorbereitet. Wenn Sie bei allen Punkten einen Haken setzen können, steht dem Fahrvergnügen mit dem neuen Secondhand-E-Bike nichts mehr im Weg.

Vorteile beim Spezialisten für gebrauchte E-Bikes

Der Kauf eines gebrauchten E-Bikes bei einem Händler ist oft etwas teurer als bei einem Privatverkäufer, hat aber einige Vorteile: Gewerbliche Verkäufer sind verpflichtet, eine mindestens einjährige Garantie zu gewähren, auch wenn die ursprüngliche Herstellergarantie bereits abgelaufen ist. So lassen sich ein Jahr Mängel reklamieren. Manche Händler bieten sogar eine zweijährige Garantie auf Motor und Akku. 
Wer nicht nur ein fahrtüchtiges, sondern ein geprüftes Secondhand-E-Bike kaufen möchte, kann sich bei einem Fahrrad-Fachhändler oder bei einer spezialisierten Online-Plattform umschauen. Die E-Bikes, die man dort findet, stammen von Markenherstellern, die ihre Vorjahres-, Ausstellungs- und Messemodelle weiterverkaufen. Zuvor nehmen Mechaniker eine umfangreiche Prüfung vor und bringen das Pedelec in einen fast neuwertigen Zustand. 
Wer ein neues E-Bike kauft, erhält ein sogenanntes Serviceheft. Darin werden sämtliche Inspektionen in einer Fachwerkstatt dokumentiert. Rechnungen können beim Privatkauf Auskunft darüber geben, wann bestimmte Ersatzteile zuletzt gewechselt wurden.

Interview: "Bei Vorjahresmodellen bis zu 40 Prozent sparen"

Das Unternehmen Rebike aus München hat sich auf den Verkauf gebrauchter E-Bikes spezialisiert. Rebike-Chef Sven Erger kennt den Markt für Secondhand-Pedelecs und weiß um die Chancen und Risiken für Käufer.
Sven Erger, Mitgründer von Rebike.
BIKE BILD: Wie groß ist das Sparpotenzial bei Gebraucht-Pedelecs? Sven Erger: "Das Sparpotenzial bei unseren gebrauchten E-Bikes hängt davon ab, wie alt die Räder sind, in welchem Zustand sie sich befinden und wie viele Kilometer sie gelaufen sind. Die E-Bikes, die wir bei Rebike verkaufen, stammen immer entweder aus dem aktuellen Modelljahr oder aus dem Modelljahr des vorherigen Jahres. Alle werden vor dem Verkauf generalüberholt. Es kann vorkommen, dass der Rahmen ein paar Kratzer oder Nutzungserscheinungen aufweist. Das hat keinen Einfluss auf die Funktionsweise, wirkt sich aber positiv auf den Preis aus. So können Käufer bei den Vorjahresmodellen mit einer maximalen Kilometer-Laufleistung bis circa 1000 oder 1500 Kilometer bis zu 40 Prozent gegenüber dem Neupreis einsparen."
Wie gut sind die Chancen, wenn eine Sondergröße gesucht wird? "Die Chancen sind sehr gut, denn wir bestellen neue E-Bikes sechs bis acht Monate vor Saisonbeginn in großen Stückzahlen bei den Herstellern. Dabei ordern wir immer alle erhältlichen Größen pro Modell. Zusätzlich haben wir sogenannte XXL-E-Bikes im Angebot. Das XXL bezieht sich nicht auf die Rahmengröße, sondern auf das Systemgewicht. Wir haben Pedelecs mit einem maximalen Systemgewicht von 165 oder 180 Kilogramm im Angebot."
Woran erkennen Käufer ein seriöses Angebot? "Zunächst einmal daran, dass es sich um einen realistischen, marktgerechten Preis handelt. Vorsicht bei Dumping-Angeboten! Wichtig ist außerdem, dass man echte Bilder von dem E-Bike sieht, das zum Verkauf steht, und keine Produktfotos. Je mehr Informationen der Verkäufer über den Zustand des Fahrrads liefern kann, desto besser. Im Idealfall bekommt der Käufer einen Auslesebericht von Akku und Motor. Und man sollte natürlich immer einen Kaufvertrag für das gebrauchte E-Bike abschließen."
Wie gut sind die Chancen, ein ganz bestimmtes Wunschmodell zu finden? "Grundsätzlich versuchen wir immer, dem Kunden sein Wunschbike zu verkaufen. Sollte ein Kunde dieses nicht sofort auf der Rebike-Webseite finden, kann er bei uns anrufen, und wir prüfen dann die Verfügbarkeit direkt beim Hersteller. Im besten Fall können wir dem Kunden so sein Wunschbike liefern." 

Tipps zum E-Bike-Gebrauchtkauf

Worauf muss ich bei gebrauchten E-Bikes achten?

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Erfragen Sie den Kilometerstand des Motors und die Akku-Kapazität. Führen Sie eine Probefahrt durch und achten Sie auf auffällige Geräusche. Prüfen Sie Rahmen, Lager und Komponenten auf Schäden.

Was gehört zum Lieferumfang gebrauchter E-Bikes?

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Zum Lieferumfang gebrauchter E-Bikes gehören das Ladegerät, die Anleitung, ein Serviceheft und Zubehör wie Schlösser und Schlüssel sowie modellspezifische Transportboxen und Ladeflächen.

Welche Verschleißteile muss ich beim Gebrauchtkauf eines E-Bikes kontrollieren?

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Überprüfen Sie die Länge der Kette, die Abnutzung von Ritzeln und Kettenblättern, den Verschleiß der Reifen sowie die Bremsbeläge.

Gibt es einen Kaufvertrag für gebrauchte E-Bikes?

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Der ADFC bietet auf seiner Website einen Musterkaufvertrag für gebrauchte Fahrräder und Pedelecs an.

Woran erkenne ich, ob ein E-Bike StvzO-konform ist?

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Das E-Bike muss über zwei unabhängige Bremsen, eine Lichtanlage, Reflektoren und eine Klingel verfügen. Ausnahmen sind Sportgeräte wie E-Mountainbikes. S-Pedelecs müssen zusätzlich über ein Kennzeichen und einen Rückspiegel verfügen.

Wie kann ich sicher sein, dass ein gebrauchtes E-Bike technisch einwandfrei ist?

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Bringen Sie einen fachkundigen Bekannten mit, oder fordern Sie eine Analyse bei einer Fachwerkstatt an.
 

Fazit

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BIKE BILD
Wenn Sie ein E-Bike gebraucht kaufen möchten, sind Ihre Chancen auf einen guten Kauf umso besser, je mehr Informationen Sie über das Modell haben. Entweder von einem renommierten Händler oder von einer Privatperson, die Nutzung und Wartung gut dokumentieren kann.

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