E-Motor von Koenigsegg – mehr Power für den Gemera
Elektromotoren: immer kleiner, immer stärker
–
Supersportwagen-Hersteller Koenigsegg baut jetzt eigene Elektromotoren. Und folgt einem Trend: Autobauer entwickeln E-Antriebe lieber selbst.
Bild: Koenigsegg
Der schwedische Hersteller von Hypercars, Koenigsegg, hat erstmals einen eigenen Elektromotor entwickelt. Der auf den Namen Quark getaufte kompakte Motor (Größe etwa 33 x 11 cm) wiegt nur rund 30 Kilogramm und erreicht eine Spitzenleistung von 340 PS. Das Drehmoment liegt bei 600 Nm. Es handelt sich dabei jedoch um die Maximalwerte, die höchstens 20 Sekunden lang zur Verfügung stehen. Danach sinken die Werte auf rund 136 PS und 250 Newtonmeter.
Erstaunlich kompakt: Der Größenvergleich mit einer Getränkedose verdeutlicht die Abmessungen des Quark-Motors.
Bild: Koenigsegg Automotive AB
Vom Zuliefererteil zur Eigenentwicklung
Elektromotoren für E-Autos waren lange Zeit lediglich ein Zulieferteil. Die Entwicklung leistungsdichter und effizienter Batterien hatte Vorrang. Längst haben die Autohersteller erkannt, wie wichtig es ist, auch die E-Motoren selbst zu fertigen. VWbaut sie seit Ende 2019 in Baunatal (Hessen). Trotz des Mangels an Halbleitern laufen hier derzeit 13.000 E-Antriebe pro Woche vom Band. Auch Mercedes-Benz will ab 2024 alle E-Motoren selbst fertigen. Bislang bezog der Autobauer die Antriebe von Zulieferern wie ZF oder Valeo Siemens eAutomotive. Der Trend bei den E-Antrieben ist klar: Immer kleiner und leichter sowie immer stärker sollen sie werden.
Hybrid-Rakete: Der Elektromotor soll den Gemera vom Start weg zum markentypischen Pulsbeschleuniger machen.
Bild: Koenigsegg
Im Gemera sorgt der Motor für mächtig Dampf
Koenigseggs neuer E-Motor soll den Hybrid-Supersportler Gemera antreiben. "Der Quark wurde entwickelt, um den niedrigen Drehzahlbereich des Gemera zu unterstützen", so Dragos-Mihai Postariu, Leiter der Motorenentwicklung. So könne der Wagen "brutal beschleunigen". Da im Gemera drei Elektromotoren verbaut werden, sei die Systemleistung immer noch sehr hoch: 1700 PS. Dies führe zu einem kontinuierlichen Rekordgeschwindigkeitsschub auf 400 km/h ohne Drehmoment- oder Leistungsverlust, so Postariu.
Extrem bissig: Koenigseggs Elektroantrieb namens "Terrier" bringt es auf stolze 680 PS Leistung und 1100 Nm Drehmoment.
Bild: Koenigsegg Automotive AB
Zwei Quarks ergeben einen Terrier
Das Unternehmen will auch eine Kombination aus zwei Quark-Motoren, einem kleinen Wechselrichter und einem Planetengetriebe mit niedriger Übersetzung an jeder Ausgangswelle anbieten. Das Paket heißt Terrier, leistet 680 PS und ein Drehmoment von 1100 Nm. Terrier unterstützt Torque-Vectoring und wiegt 85 Kilogramm.
Firmenchef Christian von Koenigsegg: "Der Quark zeichnet sich durch seinen hohen Wirkungsgrad in Kombination mit seiner Matrix aus Drehmoment, Leistung, Drehzahl und Gewicht aus." Deshalb könne man den Motor ohne Untersetzungsgetriebe zukünftig nicht nur in Autos, sondern auch in Schiffen, Flugzeugen oder in senkrecht startenden Flugtaxis einsetzen.