Florian Walberg hat eine typische Auto-Karriere hinter sich. Geboren 1974, aufgewachsen in einer Zeit, in der auch Stadtmenschen wie er selbstverständlich Führerschein machten und Autos kauften.
Walberg hatte Benzin im Blut, restaurierte einen "wunderschönen 109er-Mercedes, 71er Baujahr". Fuhr einen "geilen 320er-BMW", auch ein Oldtimer. "Es gab für mich keine Entfernung, die zu kurz war, um sie nicht mit dem Auto zurückzulegen."
Heute lebt er in der Hamburger HafenCity, wo es nur noch 0,4 Parkplätze pro Wohneinheit gibt. Die Tiefgaragenplätze können Bewohner für vier Jahre ersteigern. Walberg hat mitgeboten. "Ich habe zwar noch ein Auto, aber das steht nun ungenutzt herum."
Die Abschaffung sei geplant. "Ich lebe heute in der 15-Minuten-Stadt", sagt Walberg. Was das heißt: Alles ist in einer Viertelstunde erreichbar. Den Begriff hat er sich nicht selbst ausgedacht, es ist heute ein Konzept für die Stadt von morgen.
Der Showroom in der Hamburger Speicherstadt. 2023 kommt ein Modell eines Autoherstellers.
Bild: Holger Karkheck

Und genau daran arbeitet Walberg mit. Erst vor wenigen Tagen war er beim "Handelsblatt" Speaker bei der Diskussion zu lebenswerten Innenstädten.
Ins Büro ist er an diesem Morgen mit dem E-Roller gekommen, knapp zehn Minuten braucht er für die zwei Kilometer.
Vor zehn Jahren hat Walberg seine Firma für Elektro-Roller gegründet. Keinen Sharing-Dienst, sondern einen Hersteller für hochpreisige Scooter. 30 Mitarbeiter designen und konstruieren in Hamburg die Modelle, die dann in China gebaut werden.

Frankreich innovativer bei der Entwicklung urbaner Mobilität

Seit 2021 hat das Unternehmen einen potenten Partner an Bord. In das Hamburger Start-up ist ein französischer Nachhaltigkeits-Fonds eingestiegen – einst von der Stadt Paris gegründet, um den ökologischen Wandel von Metropolen voranzutreiben.
"Frankreich ist viel innovativer bei der Entwicklung urbaner Mobilität", sagt Walberg. "Wir Deutschen hingegen leben nach wie vor eine Automotive-Arroganz, weil wir vor 30 Jahren mal richtig gut im Automobilbau waren."
Walberg sieht es so: "Es ist wahnsinnig unmodern, sich heute noch über ein Auto zu definieren." Klar, er selbst habe Autos früher auch cool gefunden. "Genau wie offene Schnürsenkel bei meinen Sneakern." Ein Auto als vergängliche Modeerscheinung?
Die zusammen mit Schaeffler entwickelte Bremse und Pirelli-Reifen am neuen Modell "One" (ab 2023).
Bild: Holger Karkheck

Walberg sagt: "Autos haben in der Innenstadt nichts zu suchen." Was für ihn nicht bedeute, dass zukünftig alle dicht gedrängt in Bussen oder Bahnen unterwegs sein müssten. "Es braucht Lösungen für die individuelle Mobilität ohne eigenes Auto." E-Roller seien eine Lösung, genau wie Sharing-Dienste für alle möglichen Fahrzeuge oder Lastenfahrräder.
Genauso "peinlich", wie Autos als Statussymbol zu begreifen, sei es allerdings auch, sie zu verteufeln. "Autos sind ein fantastisches Produkt." Und wer auf dem Land lebe, der könne logischerweise nicht darauf verzichten. Aber: Immer mehr Menschen ziehe es nun einmal ins Urbane. 77,5 Prozent der Deutschen leben heute in Städten.
Vor allem, sagt Walberg, brauche es aber ein Miteinander statt eines ewigen Gegeneinanders in der Diskussion um die Stadt der Zukunft. Wie das geht, macht ein großer Automobilhersteller vor: Ende dieses Jahres bringt der einen E-Roller auf den Markt, den Walbergs Firma entwickelt hat. Mit Klapproller statt Klappenauspuff über den Hamburger Jungfernstieg.

Zur Person: Florian Walberg

Gebürtiger Hamburger, keine Lehre, kein Studium, Abitur eher so lala. Von 1995 bis 1999 Mitglied der ersten deutschen Boyband Bed & Breakfast. Verheiratet, zwei Kinder, lebt in der Hamburger HafenCity; Reisemobil-Fan.