Der Radnabenmotor für Elektroautos ist zwar nicht neu, viele Hersteller haben ihn aber erst seit kurzer Zeit im Fokus. Neben der bayerischen Firma DeepDrive und anderen Herstellern gehört auch der slowenische Antriebsspezialist Elaphe zu den Anbietern elektrischer Radmotoren.

Neuer Radmotor mit über 400 PS Spitzenleistung

Nach der Vorstellung des "Sonic.1" im Januar 2025 auf der CES in Las Vegas zeigt Elaphe jetzt die Weiterentwicklung, den Sonic X. Dieser Motor soll als sogenannte "Drop-in"-Lösung ohne größere Anpassungen oder neu konstruierte Teile in bestehende Fahrzeuge eingebaut werden können – unabhängig davon, ob sie per Verbrennungsmotor und Generator oder als reines Elektroauto mit 400- oder 800-Volt-Architektur betrieben werden.
So soll die Technik zum Beispiel bei Elektroautos, deren Plattform nur für Frontantrieb mit einem zentralen Achsmotor ausgelegt ist, trotzdem eine Variante mit Allradantrieb ermöglichen, wenn in der bis dato nicht angetriebenen Hinterachse zwei Radnabenmotoren eingesetzt werden. Auf diese Weise könnten auch Verbrennermodelle mit einer angetriebenen Achse zum Hybrid gemacht werden – und das sogar mit einer enormen Leistungssteigerung.
Elaphe Sonic X
Der offen gestaltete Rotor ermöglicht einen Blick auf die Bremsanlage.
Bild: Elaphe Propulsion Technologies Ltd.
Elaphe betont, dass ein einziger Motor für eine Spitzenleistung von mehr als 300 kW (408 PS) ausgelegt ist. Gleichzeitig soll die Gewichtszunahme nur minimal ausfallen: Im Vergleich zu einem konventionellen Radträger samt Scheibenbremse soll der Sonic X 25 Kilogramm mehr wiegen – sicherlich nicht wenig, bei einer abrufbaren Dauerleistung von 200 kW (272 PS) aber zu verkraften.

Radmotoren zunächst nur für Oberklasse-Autos

Mit der genau dosierbaren Leistung pro Rad ist auch Torque Vectoring möglich, also die Fähigkeit, das Antriebsmoment gezielt zwischen den Rädern zu verteilen – Elaphe spricht bei Hochleistungsfahrzeugen von einer um bis zu fünf Prozent höheren Kurvengeschwindigkeit. Darüber hinaus eignen sich die kompakte Bauweise und die hohe Energiedichte besonders für Hochleistungsfahrzeuge, bei denen nur sehr begrenzter Bauraum vorhanden ist. Mit einer Skalierbarkeit von 20 bis 23 Zoll lassen sich auch große Bremsen im Innern des Motors montieren, die für den Einsatz sehr performanter Fahrzeuge notwendig sind.
Zunächst ist der Einsatz dieser Motoren nur in Oberklasse-Fahrzeugen geplant. Ein Einsatz in der Großserie dürfte ohnehin noch etwas dauern – nicht zuletzt, da die Entwicklung einer auf diese Motoren ausgerichteten Plattform sehr aufwendig und teuer ist.